Ski-Nordisch-WM:Wenigstens Falschgold

Ski-Nordisch-WM: Doppelte Erfahrung: Fabian Rießle (rechts) gratuliert dem im Ziel heftig pumpenden Eric Frenzel.

Doppelte Erfahrung: Fabian Rießle (rechts) gratuliert dem im Ziel heftig pumpenden Eric Frenzel.

(Foto: Christof Stache/AFP)

Mit einer klug eingeteilten und fulminant beendeten Aufholjagd holen die deutschen Kombinierer zum WM-Abschluss im Teamsprint noch Bronze. Das Problem bleibt jedoch: Für Olympia 2022 müssen alle das Springen verbessern.

Von Volker Kreisl, Oberstdorf/München

Akito Watabe ist ein hoch dekorierter Kombinierer. WM-Gold hat er schon vor zwölf Jahren gewonnen, danach mehrmals Olympia- und WM-Silber und aktuell Bronze bei der WM in Oberstdorf. Er ist ein starker Skispringer, und schnell laufen kann er im Prinzip auch. Viele Qualitäten hat er, einen eleganten Laufstil, nur eines gelingt ihm nicht: der Schlusssprint, der Kampf im roten Bereich um die letzten Zentimeter. Genau darauf hat Eric Frenzel am Samstag gesetzt.

Als die beiden gemeinsam auf die Zielgerade bogen, da war Frenzel noch hinter Watabe, er musste sogar den weiteren äußeren Weg in der Linkskurve nehmen, um in die Sprintspur zu kommen, aber das war alles kein großes Problem. Watabe mühte sich, unterstützte mit den Stöcken verzweifelt jeden Schritt, doch Frenzel flog im Zwei-Einser, sozusagen im höheren Gang, scheinbar mühelos vorbei. Eine Bronzemedaille für die Kombinierer des Deutschen Skiverbands war damit noch errungen.

Bronze, das haben die Läufer von Trainer Hermann Weinbuch schon etliche Male erlebt, aber war dies nun wirklich nur Bronze? Nach diesem Finish des Kombinations-Teamsprints von Oberstdorf, da stürzte sich der zweite deutsche Teamsprinter Fabian Rießle auf den im Ziel heftig pumpenden Eric Frenzel, als das wäre dies gar kein dritter Platz. Und tatsächlich rief Rießle: "Das fühlt sich an wie Gold!"

Die echten Medaillen in dieser Farbe hatten dann aber doch die beiden Österreicher Lukas Greiderer und Johannes Lamparter gewonnen, die nicht nur (wie Lamparter bereits bei seinem Einzelsieg zwei Tage zuvor) erstklassig gesprungen waren, sondern auch ihren Vorsprung in der Loipe mühelos verteidigten. Deren Verfolger waren immerhin die Norweger, doch Jarl Magnus Riiber und Espen Andersen mussten schon zwei Runden vor Schluss einsehen, dass sie an dieses Topteam der neu erstarkten österreichischen Kombination nicht heranreichten. Für Riiber, der vier Goldmedaillen anpeilte, blieb es also bei drei Siegen.

Weinbuchs Sportler waren solch dünne Ergebnisse wie in den Tagen von Oberstdorf schon lange nicht mehr gewohnt. Gold gab es fast immer in vergangenen Großereignissen, und wenn nicht, dann waren zumindest Einzelmedaillen dabei. Nun aber drohte ausgerechnet bei der Heim-WM eine Enttäuschung. Silber mit der Staffel hatte es eine Woche zuvor gegeben, dann waren die Deutschen auf der Großschanze zweimal hintereinander nahezu geschlossen miserabel gesprungen, und nun, zum Schluss der WM, war eine Medaille weit entfernt, genauer gesagt eine Minute und zwölf Sekunden.

Was letztlich den Erfolg brachte? Kluge Renneinteilung und viel Routine

Dass es dann doch noch klappte, lag am Ehrgeiz dieser beiden erfahrenen Kombinierer, und an der Tatsache, dass sich zwar deren Sprungleistungen im Vergleich zur Kleinschanze zuvor verschlechtert hatten, dass sie aber deutlich schnellere Skier unter den Füßen trugen als in den ersten beiden WM-Rennen. Sie teilten sich zudem dieses Rennen klug ein, knabberten nur in wohl dosierten Häppchen am Vorsprung des Gegners in den jeweils fünf Durchgängen. Und als der Abstand dann in der letzten Runde nur noch 15 Sekunden betrug, da schloss Rießle auf Gegner Ryoya Yamamoto auf und schickte Frenzel auf das letzte Teilstück. Der klemmte sich hinter Watabe und beschränkte sich aufs Lauern, wohlwissend, dass seine beste Chance gegen den Japaner auf der Zielgeraden liegen würde.

Angefühlt haben mag sich dies im Moment wie Gold, doch die Lehre dieser Weltmeisterschaft bleibt für die erfolgsverwöhnten Kombinierer auch bitter. "Wir haben uns auf der Schanze auf einmal alle etwas kleiner gefühlt", analysierte Weinbuch, die Rückstände wurden immer höher. Dass man wie geschehen durch Rückschläge auf der Schanze kollektiv das Selbstvertrauen verliert, das sollte dem erfahrenen Team und indirekt den Trainern, also Weinbuch und Sprungcoach Heinz Kuttin, im nächsten Jahr nicht mehr passieren. Dann geht es zu Olympia.

© SZ/bkl/jki/sjo
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