WintersportFis und Länder einigen sich auf Vermarktungsdeal

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Spektakuläre Kulisse auch fürs Fernsehen: Der Abfahrtsklassiker in Gröden steht an, hier der Deutsche Simon Jocher beim Training.
Spektakuläre Kulisse auch fürs Fernsehen: Der Abfahrtsklassiker in Gröden steht an, hier der Deutsche Simon Jocher beim Training.
Gabriele Facciotti/dpa

Nach zähen Verhandlungen stimmen die Nationalverbände einem Vertrag mit Infront über die Zentralisierung der Medienrechte zu. Beendet ist der Zwist damit aber wohl noch nicht.

Von Felix Haselsteiner und Johannes Knuth

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Bis zum Schluss wurde gerungen und gepokert, Zusagen wurden zurückgezogen und wieder zugesichert. Am Mittwochabend stand nach SZ-Informationen dann fest: Der Ski- und Snowboard-Weltverband (Fis) hat grünes Licht für seine zentrale TV-Rechtevermarktung mit der Agentur Infront erhalten. Frohe Festbotschaften also für die gesamte Wintersportfamilie?

Im Auge des Sturms, bis zuletzt: Fis-Präsident Johan Eliasch. Der wollte die TV-Rechte seit rund zwei Jahren unter dem Dach seines Weltverbands bündeln, statt die nationalen Skiverbände einzeln Geschäfte mit einzelnen Agenturen aushandeln zu lassen. Nun ist der 62-Jährige vorerst am Ziel, wie sein Verband am Freitagmorgen bestätigte: Die Fis wird die Rechte ab der Saison 2026/27 mit der Agentur Infront zentral vermarkten, über acht Jahre soll so mehr Geld an alle Verbände fließen.

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Zumindest offiziell ist so Friede auf Ski-Erden eingekehrt: Bis auf den österreichischen Skiverband (ÖSV), der seinen Rechtevertrag mit der Agentur IMG fortführen will, haben alle Skiverbände, die regelmäßig Weltcups ausrichten, dem Deal zugestimmt. Nach dem Deutschen Skiverband (DSV) sagte auch der Schweizer Verband am Mittwoch zu, das bewog wiederum Kanada und die USA, an Bord zu kommen. Ganz allein will dann doch (fast) niemand sein.

Besinnlich wird es hinter den Kulissen aber eher nicht zugehen. Zu unzufrieden sind viele Verbände mit Eliaschs Amtsführung, zu groß sind offenkundig die eigenen Interessen mancher Verbände. Eliasch hatte das dem Vernehmen nach zuletzt geschickt ausgespielt, indem er mit vielen einzeln verhandelt hatte. Der DSV hatte etwa verlangt, dass die Langzeitkalender der Fis künftig wieder verlässlicher (und mit den etablierten deutschen Events) entworfen werden. Auch setzte er durch, dass die Medienrechte, die künftig unter dem Fis-Dach gebündelt werden, wieder in den Besitz der einzelnen Nationalverbände überführt werden - im Sinne aller Länder freilich. Und, noch ein spannender Aspekt: DSV und Fis haben sich darauf verständigt, dass noch anhängige Rechtsstreitigkeiten beidseitig eingestellt werden - unter anderem offenkundig haltlose Anschuldigungen gegen den langjährigen DSV-Präsidenten Franz Steinle, die im Fis-Council unter Eliaschs Leitung im Juli 2022 vorgetragen wurden. Selbst mehrere Fis-interne Gremien hatten diese Vorwürfe zuletzt als unbegründet deklariert.

„Viele haben im Sinne ihres Landes entschieden, aber nicht im Sinne des Sports“, fasst ein Insider das Ergebnis der Verhandlungen zusammen. Die Geschlossenheit vieler Verbände, die in den vergangenen Jahren noch Strukturen geschaffen hatten, um sich im schlimmsten Fall von der Fis loszusagen – sie bröckelt jedenfalls.

Der Österreichische Skiverband klagt in Wien gegen die Fis und die Zentralisierung

Ganz anders die Allianz der Wintersportathleten. Diese bewerten den Infront-Deal mehrheitlich kritisch, seit die Private-Equity-Firma CVC am 2. Dezember offiziell angeboten hatte, für 400 Millionen Euro bei der Fis einzusteigen – grob gesagt im Gegenzug für die Bündelung sämtlicher Rechte, auch die der internationalen TV-Vermarktung. Bis zu 71 Athleten hatten Eliasch in mehreren Briefen aufgefordert, den Deal mit Infront auf Eis zu legen und zu prüfen, ob die Offerte von CVC nicht langfristig größere Gewinne verspricht. Nachdem Eliasch gepoltert hatte, die Briefe seien „nicht ernst zu nehmen“, hatten sich Sportler und Fis-Präsident am Dienstag zu einer Online-Aussprache getroffen. Aus Teilnehmerkreisen heißt es, dass der Infront-Deal kein dominantes Thema war. Die Fis hatte zuvor bereits mit CVC-Vertretern gesprochen und danach bekräftigt, dass sie derzeit kein frisches Kapital eines Investors benötige - vielleicht aber später. Das Gros der Athleten dürfte nach Eliaschs harschen Äußerungen wohl nur noch wenig auf einen Fis-Präsidenten geben, der angeblich das Beste für sie und ihren Sport verhandelt.

Die Sportler forderten bis zuletzt auch, die Preisgelder in allen Disziplinen angemessen zu erhöhen, und dafür sehen sie den Zufluss von externem Kapital als probateren Hebel. CVC hatte in seiner ersten, noch vagen Offerte in Aussicht gestellt, 375 der versprochenen 400 Millionen Euro für die ersten drei bis fünf Jahre auf die Wintersportfamilie aufzuteilen, für alle Rechte. Mit Infront, so hatten es Fis und Infront im Sommer 2023 versprochen, werde man über acht Jahre mindestens 100 Millionen Euro mehr an alle Beteiligten ausschütten, nur mit dem internationalen TV-Geschäft. Ob dies alle Beteiligten, Athleten inklusive, künftig besser stellen wird, bleibt jedoch fraglich. Auch, ob ein Investor wie CVC überhaupt noch bei der Fis einsteigen will, da die internationalen Medienrechte nun auf acht Jahre an eine externe Agentur gebunden sind. Eliasch hatte der Deutschen Presse-Agentur zuletzt gesagt, der Zentralisierungs-Deal werde „nicht so ertragreich sein, wie er könnte“ – weil, so die Andeutung, die Österreicher sich zuletzt ausgeklinkt hatten.

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Deren Rolle ist nun ohnehin eine spannende: Der Österreichische Skiverband klagt derzeit in Wien noch gegen die Fis und greift dabei die nun beschlossene Zentralisierung an. Diese stelle „eine Art Erpressung“ dar, hatte ÖSV-Generalsekretär Christian Scherer vor der ersten Verhandlung Ende November gesagt: „Weil er explizit ausführt, wenn du das unterschreibst, erhältst du jenes im Gegenzug“. Das Landgericht München hatte diese Rechtsauffassung Ende Oktober im Kern bestätigt. Manche Experten lasen in dem Urteil gar, dass die geplante Zentralisierung so grundsätzlich nicht umgesetzt werden dürfe.

Dem Deutschen Skiverband, der die Klage angestrengt hatte, war damals allerdings ein anderer Aspekt wichtiger: dass die nationalen Skiverbände die originären Inhaber der TV-Rechte sind, egal, wie diese vermarktet werden. Das half dem DSV, als er mit der Fis zuletzt die Details der Zentralisierung verhandelte.

Bei DSV-Vorstand Stefan Schwarzbach schimmerte nach dem Pakt vom Mittwoch vor allem Erleichterung durch: „Grundsätzlich bleiben wir davon überzeugt, dass dieses neue Konstrukt ein vernünftiger, strategischer Schritt ist, weil letztendlich alle unsere Forderungen erfüllt wurden“, so Schwarzbach, der betont: „Vom ursprünglich sehr einseitigen Entwurf ist so gut wie nichts mehr übrig. Aber jetzt bleibt natürlich abzuwarten, ob die Vereinbarungen dann auch wirklich so eingehalten und gelebt werden. Entsprechend werden wir den Präsidenten weiterhin so kritisch begleiten und unsere Rechte einfordern, wie wir das bis zuletzt getan haben.“

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