Ski alpin Späte Welle

Weiß nun wieder, dass es nicht nur in ihrem geliebten Riesenslalom, sondern auch im Super-G für Siege reicht: Viktoria Rebensburg.

(Foto: Alexis Boichard / Getty Images)

Viktoria Rebensburg gewinnt beim Saisonfinale der alpinen Skirennfahrer den Super-G - nach vielen zweiten Plätzen und knappen Niederlagen im bisherigen Winter. Die Disziplinenwertung sichert sich eine alte Bekannte.

Von Johannes Knuth, Soldeu/München

Vor einem Monat, bei der alpinen Ski-WM, kam Jürgen Graller irgendwann wieder auf "sein Steckenpferd" zu sprechen, wie er vergnügt sagte. These seines Impulsreferats: Warum es kaum eine Fahrerin wie Viktoria Rebensburg gibt - die beste Skirennfahrerin des deutschen Teams also, das Graller anleitet -, die so sehr für die Disziplin Super-G geschaffen ist. Zur Beweisführung führte der Österreicher ins Feld: Die lange Dienstzeit in seinem Heimatverband, wo er früher viele Hochbegabte erlebte; Rebensburgs Kurvenfertigkeiten, die sie als Riesenslalom-Großmeisterin schon immer mit sich führte; viele Einsätze in den schnellen Disziplinen, kurzum: perfekte Voraussetzungen für den Super-G, diese alpine Hybrid-Disziplin, in der Kurven und Speed verschmelzen. "Wenn sie im Kopf soweit ist", folgerte Graller, wenn sie ihre Fahrten mit noch etwas mehr Mut versehen könne, "dann sehe ich nicht so viele, die ihr den Platz an der Sonne streitig machen können."

Den Nachweis in der Praxis erbrachte Rebensburg am Donnerstag, als die 29-Jährige beim Saisonfinale in Soldeu den Super-G gewann. Es war erst ihr dritter Weltcup-Erfolg in dieser Disziplin, der 17. insgesamt, der erste zudem in diesem Winter, nach diversen weiten Plätzen und knappen Niederlagen. "Es ist wirklich schön, einen Sieg zu haben", sagte Rebensburg nun im ZDF, derzeit laufe es "fast wie von selbst. Das ist das, wonach man die ganze Saison sucht, dass man auf der Welle drauf ist". Es gab da nur ein klitzekleines Problem: Die Saison ist nach diesem Wochenende, nach den letzten Riesenslaloms und Slaloms, vorbei. Droht die kleine Welle dann schon wieder zu verebben?

Graller würde dem ein weiteres Impulsreferat entgegenhalten. Dass so ein Sieg in jedem Fall wertvoll sei, weil Erfolge nach langen Wartezeiten in einem Sportlerkopf auch eine Mauer einreißen können. Dass Rebensburg nun wieder wisse, dass es nicht nur in ihrem geliebten Riesenslalom, sondern auch im Super-G für Siege reicht. Und dass sie im kommenden Winter in beiden Disziplinen konstant brillieren kann, auch wenn das viel Training und Reisestress erfordert, weil die Weltcups für Techniker und Schnellfahrer an unterschiedlichen Orten abgehalten werden. Dass sich der Aufwand lohnen kann, bewies Mikaela Shiffrin: Die Amerikanerin wurde am Donnerstag Vierte im Super-G, sicherte sich damit zum ersten Mal die dazugehörige Disziplinenwertung. Bei den Männern gewann der Italiener Dominik Paris sowohl das Rennen als auch die Saisonwertung.