Emma Aicher im Ski alpinSchweigsam aufs Treppchen

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In der Ruhe liegt ihre Kraft – ganz besonders im Slalom, wo Emma Aicher in Levi den ersten Podestplatz erreicht hat.
In der Ruhe liegt ihre Kraft – ganz besonders im Slalom, wo Emma Aicher in Levi den ersten Podestplatz erreicht hat. (Foto: Harald Steiner/Gepa/Imago)
  • Emma Aicher erreicht beim Slalom in Levi als Dritte erstmals ein Podest in dieser Disziplin und überholt Teamkollegin Lena Dürr.
  • Die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin dominiert mit ihrem 102. Weltcupsieg und 1,66 Sekunden Vorsprung auf die Zweitplatzierte.
  • Aicher zeichnet sich durch eine besonders ruhige Fahrweise aus und beherrscht nun alle vier alpinen Disziplinen erfolgreich.
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Emma Aicher gelingt im finnischen Levi ihre erste Fahrt aufs Slalom-Podest: Die 22-Jährige wird Dritte und lässt Teamkollegin Lena Dürr knapp hinter sich. Über eine Meisterin in Bodenständigkeit.

Von Korbinian Eisenberger

Auf Skiern wirkt Emma Aicher bisweilen wie bei einem Weihnachtsbummel zwischen Glühweinbuden. Da kann es noch so wimmeln und ruckeln, sie lässt sich nur schwer aus der Ruhe bringen. Es braucht dazu schon einen tückischen Schlag im Eis, der die Kanten ihrer Slalomcarver für einen Moment aus der Spur lenkt. Genau das ereilte die 22 Jahre junge Skirennläuferin beim Slalom von Levi zwölf Tore vor dem Ziel. So eine winzige Irritation kann im Stangenwald eine Irrfahrt ins Weltcup-Nirvana erzeugen. Doch Aicher korrigierte, fand den Weg zurück – und dann leuchtete hinter dem Zielstrich die „1“ auf.

Beim Weltcup im finnischen Levi spurtete Aicher als Tagesdritte erstmals im Slalom aufs Podest und überholte im zweiten Durchgang ihre zwölf Jahre ältere Teamkollegin Lena Dürr, die Vierte wurde. Unbezwingbar war am Samstag die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin, die ihren 102. Weltcupsieg einfuhr und sich dabei in bedrohlicher Form präsentierte. 1,66 Sekunden hatte die 30-Jährige im Ziel auf die Zweite Lara Colturi, Team Albanien, herausgecarvt. Und mehr als zweieinhalb Sekunden auf Aicher und Dürr, die in der gewöhnlichen Slalomwelt inzwischen im Duett den Ton angeben.

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„Ich bin sehr zufrieden und freue mich. Ich hatte überhaupt nicht erwartet, dass ich auf dem Podest stehe, aber ich bin mit dem zweiten Lauf sehr zufrieden. Da habe ich gepusht“, sagte Aicher, die Siebte des ersten Laufs, nach ihrer zweiten Fahrt. Lena Dürr indes war anzumerken, dass sie sehr gerne 15 Hundertstelsekunden flotter im Ziel angekommen wäre, um sich nicht Rang vier mit der zeitgleichen US-Amerikanerin Paula Moltzan zu teilen, sondern den Stockerlplatz mit Aicher. „Im ersten Moment ein bisschen bitter, vor allem wenn es so knapp hergeht“, sagte die 34-Jährige. Für das Team des Deutschen Skiverbands (DSV) sei in Levi trotz Schönheitsfehlern (etwa dem Ausscheiden von Romy Ertl bei ihrer Weltcup-Premiere in Lauf eins) ein „sensationeller Start in unsere Slalomsaison“ geglückt, fand Dürr. „Chapeau an die Emma. Es ist ganz groß, so im ersten Slalom anzufangen.“

Am Sonntag wechselte die Tonart dann mehr zuungunsten des DSV. Im Flutlicht von Levi, wo es in dieser Jahreszeit nie wirklich hell wird, beschallten Samba-Rhythmen das Publikum. Lucas Pinheiro Braathen hatte zuvor seine Führung aus Durchgang eins über den Zielstrich des Finallaufes gebracht und damit eine Premiere geschaffen. Erstmals in der Historie des alpinen Skisports gelang einem Brasilianer ein Weltcupsieg. Der gebürtige Norweger gewann vor Olympiasieger Clément Noël aus Frankreich und dem Finnen Eduard Hallberg, der das Heimpublikum für dessen Enthusiasmus belohnte, sich bei minus zwölf Grad in ein Skistadion zu begeben. Linus Straßer, seit zwei Jahren eher mehr als weniger Alleinunterhalter im deutschen Männerskisport, hatte nach Rang vier im ersten Abschnitt eine aussichtsreiche Möglichkeit, wie Aicher das Podest zu erklimmen. Auf der zerfurchten Piste des Finaldurchgangs fand der 33-Jährige allerdings nicht die schnellste aller Linien, was ihm am Ende Rang 15 bescherte.

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Siegerin Shiffrin hat allein in Levi neunmal gewonnen

Um zu ergründen, warum Emma Aicher so gut unterwegs ist, hilft ein Blick auf ihre spezielle Fahrweise. Sie steht auffällig ruhig auf den Skiern, ihr Oberkörper bewegt sich dabei zwar durch die Tore, oberhalb der Hüfte zeigt sie jedoch kaum eine Regung. Mit Ausnahme der Arme, die im Slalom dabei helfen, dass einem die Kippstange nicht gegen den Mundschutz donnert. In Levi zeigen im Vergleich zu Aicher nahezu sämtliche Konkurrentinnen deutlich mehr Bewegungsdrang im Oberkörper, was rein optisch aggressiver und schneller wirkt. Tatsächlich aber ist ein ruhiger Oberkörper speziell im Slalom erwünscht, weil in dieser Ruhe die Kraft liegt, das Taktgefühl.

Und irgendwie passt das zu dieser jungen Frau, der im Team ein unaufgeregter Charakter nachgesagt wird. Sie wirkt nicht sonderlich stolz darauf, dass sie nach Siegen in der Abfahrt und im Super-G nun auch im Slalom auf dem Podium steht. Nicht wie eine, die alle vier Disziplinen der Branche beherrscht und der deswegen zunehmend nachvollziehbar das Potenzial für den ersten Gesamtweltcupsieg einer deutschen Skifahrerin seit Maria Höfl-Riesch 2010/11 zugetraut wird. Zu Rieschs besten Zeiten, das sei erwähnt, musste allerdings keine Mikaela Shiffrin bezwungen werden, was nach den Eindrücken von Levi wie so häufig in den vergangenen Wintern ähnlich schwierig sein dürfte, wie Emma Aicher auf die Palme zu bringen. Siegerin Shiffrin hat allein in Levi neunmal gewonnen, samt neun Rentierpatenschaften als Preis. In den Wäldern rund um Levi ist längst eine kleine Herde unter ihrer Flagge unterwegs.

Aichers skandinavische Beziehungen gehen tatsächlich noch deutlich weiter als die der US-Amerikanerin. Sie hat das Skifahren in Schweden gelernt und wuchs mit ihrem jüngeren Bruder Max in Sundsvall auf, wo in der Familie hauptsächlich die Sprache ihrer Mutter gesprochen wurde, also Schwedisch. Erst 2021 kam Aicher ins Heimatland ihres Vaters nach Deutschland, da sprach sie kaum ein Wort Deutsch. Inzwischen redet sie mehr, aber selten mehr als notwendig, zeichnet sich durch Bodenständigkeit aus. Noch würde Emma Aicher auf dem Christkindlmarkt nicht jeder erkennen, sie ist keine für die lauten Töne.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes wurde, auch in der Überschrift, ein veralteter und als diskriminierend empfundener Begriff für die Volksgruppe der Samen verwendet. Dies haben wir korrigiert.

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