Schleichwerbung im WintersportWarum Linus Straßer mit einer Flasche nicht ins ZDF durfte

Lesezeit: 3 Min.

Amelie Stiefvatter (links) präsentiert zusammen mit Marco Büchel die Ski-Wettbewerbe für das ZDF.
Amelie Stiefvatter (links) präsentiert zusammen mit Marco Büchel die Ski-Wettbewerbe für das ZDF. Memmler/Eibner/Imago
  • ZDF-Moderatorin Amelie Stiefvatter verweigerte ein Interview mit Linus Straßer, weil er seine Sponsorenflasche zeigen wollte, was als Schleichwerbung verboten ist.
  • Straßer hatte bereits angekündigt, nicht mehr zu Interviews zu kommen, wenn er die Flasche nicht zeigen darf, da andere Sender dies erlauben würden.
  • Während in Österreich Sponsorenflaschen im TV erlaubt sind, gelten in Deutschland strengere Regeln gegen Produktplatzierung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
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Wintersportler im Einsatz sind so mit Sponsor-Namen überladen, dass sie an carvende Litfaßsäulen erinnern. Eine deutsche Sportmoderatorin zieht nun im Live-TV eine Grenze.

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Der Vorhang schloss sich bereits, doch die Bühne dieses Skiwinters erlaubte sich noch einen Epilog: In der Hauptrolle stand die Fernsehjournalistin Amelie Stiefvatter, sie moderierte soeben das Finale des Männerslaloms im norwegischen Hafjell ab, verabschiedete sich bei der Zuschauerschaft des ZDF, ehe sie erklärte, dass an dieser Stelle ein Interview mit dem besten deutschen Slalomfahrer Linus Straßer vorgesehen war. „Doch er wollte unbedingt, dass sein Flaschensponsor im Bild zu sehen ist. Das ist leider Schleichwerbung und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verboten“, sprach Stiefvatter in die Kamera. „Dementsprechend kam das Interview nicht zustande.“

Die Szene vom Mittwochnachmittag lässt erahnen, in welch kniffliger Gemengelage unzählige Profisportler stecken, wenn sie nicht gerade bei einem Fußballklub unter Vertrag stehen. Skirennläufer etwa erinnern an carvende Litfaßsäulen, ihre Rennanzüge, Überjacken, Helme und Skier sind mit Markennamen regelrecht überladen. Es herrscht ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis. Und so existieren zwischen den Athleten und ihren Sponsoren allerlei Übereinkünfte hinsichtlich der werbewirksamen Platzierung. Beispielsweise im Live-TV.

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Sponsorenaufkleber sind bei Wintersport-Events demnach alltäglich. Aber zumindest in Deutschland gibt es Regeln und Grenzen. Dem Rundfunk-Staatsvertrag zufolge gilt Reklame als unzulässig, wenn Herstellerprodukte absichtlich für Werbeeffekte gezeigt werden. Ein Gegenstand wie eine erkennbar bedruckte Flasche oder Getränkedose aktiv in die Kamera zu halten, kann, zumindest in Deutschland, als verbotene Produktplatzierung gewertet werden. Stiefvatter war diese Trennlinie gewahr, wie sie am Donnerstag auf SZ-Nachfrage erklärt.

Straßer selbst war am Donnerstag auf Anfrage beim Deutschen Skiverband nicht zu erreichen, eventuell befindet er sich bereits im verdienten Urlaub. Man muss ihm das Ansinnen mit dem Flaschensponsor auch nicht nachhaltig übel nehmen. Zeigt diese Angelegenheit ja vielmehr, dass sogar die Besten der Szene unter einem gewissen Lieferdruck gegenüber ihren Förderern stehen. Dass die Profis ihre Arbeitsgeräte samt prominent bedrucktem Skimarkennamen so nah ans Gesicht halten, dass die Regie sie nicht aus dem Bild schneiden kann? Gehört dazu und ist auch hierzulande rechtlich vertretbar. Wer sich in den Zielräumen dieses alpinen Skiwinters umsah, dürfte aber festgestellt haben, dass auch der Trick mit der Flasche oder Dose beim TV-Interview inzwischen etabliert ist. Nicht wenige Sender, darunter die ARD, der ORF oder der SRF nehmen das hin. Die ARD, für die ebenso wie für das ZDF der Rundfunk-Staatsvertrag gilt, ist offenbar weniger streng, auf eine Anfrage reagierte der Sender bisher nicht.

Werbung, Werbung, Werbung: Das Rennoutfit von Skirennfahrern ist voller Firmennamen.
Werbung, Werbung, Werbung: Das Rennoutfit von Skirennfahrern ist voller Firmennamen. Marco Trovati/AP/dpa

Warum Stiefvatter diese mediale Verwässerung in der letzten Skisendung der Saison zum Thema machte, erklärt sie bei einem Telefonat. Demnach entstand die Live-Szene aus einer Vorgeschichte mit Straßer. „Er hat mir schon vor längerem gesagt, dass er nicht mehr zu mir ins Interview kommt, wenn er nicht die Flasche zeigen darf“, berichtet Stiefvatter. Der 33-Jährige habe damit argumentiert, dass sämtliche andere Sender – etwa ARD, ORF, SRF – das Trinkgefäß samt Sponsor dulden würden. Und dass ja im Fußballstadion auch Bandenwerbung gezeigt werde.

Nach den Winterspielen, so Stiefvatter, habe Straßer seine Ankündigung in die Tat umgesetzt: Er verzichtete häufiger auf Interviews mit Stiefvatter. „Ganz oft wurde ich gefragt, warum ich nicht Linus Straßer im Interview habe, das fiel dann auch auf mich zurück“, sagt sie. „Ich hatte Linus vorgewarnt, dass ich das jetzt thematisieren werde, weil ich finde, dass das beim letzten Rennen schwierig ist, wenn er nicht im Interview bei uns ist.“ Straßer habe seinerseits noch am Abend bei ihr angerufen. Ihr Verhältnis sei prinzipiell „sehr gut“, so die Journalistin. In einem einstündigen Gespräch tauschten sich die beiden noch am Mittwochabend aus.

Stiefvatter, 35, moderiert seit drei Jahren Skirennen im ZDF, zuvor war sie für einen österreichischen Getränkehersteller tätig. „Ich kam ja von der Dose“, sagt sie. Und trotzdem bleibe sie bei ihrer Haltung. In den österreichischen Richtlinien sind Sponsorenflaschen als Werbung im TV erlaubt, hierzulande eben nicht. Andere würden sich daran halten, sagt Stiefvatter. „Marco Odermatt und Lucas Braathen stellen sofort die Dose auf den Boden.“ Straßer habe am Mittwochabend bekräftigt, dass er seine Prinzipien habe und dem Sponsor gegenüber loyal sei. Es prallen also gewissermaßen zwei Prinzipien aufeinander.

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