Ski alpinFünf Fahrer innerhalb einer Zehntelsekunde

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Knapp am Treppchen vorbeigerast: Linus Straßer am Sonntag in Kranjska Gora.
Knapp am Treppchen vorbeigerast: Linus Straßer am Sonntag in Kranjska Gora. Matic Klansek/Gepa pictures/Imago

Winzigkeiten entscheiden am Wochenende im Skiweltcup: Linus Straßer landet mit neun Hundertstelsekunden Rückstand auf Rang fünf, Emma Aicher muss im Wettkampf um den Gesamtsieg Rückschläge verkraften.

Von Korbinian Eisenberger

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Der Skisport entpuppt sich in der Spätphase des Winters als neue Kunstform. In der Zeitrechnung dieser Tage entscheiden Hundertstelsekunden über Sieger und Treppchen. Kaum mehr auszumachen war etwa am Sonntag, warum der Skirennläufer Atle Lie McGrath zwischen den Slalomstangen schneller gemessen wurde als sein norwegischer Teamkollege Henrik Kristoffersen, der im Ziel 0,01 Sekunden langsamer war. Die Vermessung der Weltspitze gönnte sich an diesem Tag in Kranjska Gora weniger als ein Zehntel, Dritter wurde – mit 0,04 Sekunden Rückstand – der für Brasilien startende Lucas Pinheiro Braathen, dahinter kamen der Österreicher Michael Matt (+ 0,06) und der Deutsche Linus Straßer ins Ziel. Dem Skilöwen vom TSV 1860 München fehlten neun Hundertstelsekunden zum Sieg.

Straßer dürfte seinen ersten Weltcupstart nach den Olympischen Spielen dennoch gut in Erinnerung behalten, zumal der 33-Jährige in Slowenien sein zweitbestes Saisonergebnis verbuchte, nach seinem bis dato einzigen Podestplatz in Kitzbühel. „Sehr, sehr enges Rennen, fünfter Platz, coole Platzierung“, sagte Straßer. „Da wäre auch der Sieg oder das Podium drin gewesen, keine Frage.“ Bei den Olympischen Spielen war er Neunter geworden und hatte danach Kritik an der Stimmung in Bormio geübt. Nun wirkte er besser gelaunt, nachdem er nicht nur knapp das Siegertreppchen verpasst hatte, sondern auch von Rang zehn nach Lauf eins einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht hatte. Straßer wirkte gelöst, ähnlich wie der Tagessieger.

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McGrath hatte in Bormio eine erinnerungswürdige Szene geliefert: Im Finale des Slaloms war er als Führender ausgeschieden – ehe er von der Rennpiste in den Wald stapfte, als wolle er sich ins Unterholz verabschieden. Im Kampf um den Sieg im Slalom-Gesamtweltcup hat der WM-Zweite von 2025 nun die beste Ausgangsposition: Vor dem letzten Rennen im norwegischen Hafjell liegt er 41 Punkte vor Braathen und 77 vor Clement Noël aus Frankreich.

In ähnlichen Angelegenheiten musste die Deutsch-Schwedin Emma Aicher in Diensten des Deutschen Skiverbands am Wochenende Rückschläge verkraften. Nachdem die 22-Jährige am Freitag ihrerseits um eine Hundertstelsekunde am Sieg im ersten Abfahrtsrennen von Val di Fassa vorbeigezischt war, wollte ihr in den italienischen Dolomiten nichts mehr so recht gelingen. Es folgte ein verbremster zwölfter Platz im zweiten Abfahrtslauf, ehe ihr am Sonntag im Super-G ein Fehler in der Linienwahl unterlief, bekräftigt durch eine Bodenwelle, die sie offenbar übersehen hatte.„Dumm“ sei das gewesen, sagte Aicher später. „Das sollte nicht passieren.“ Ob sie die Kurssetzung vor Rennbeginn zu schleunig analysiert habe, wie sie es gerne tut? „Wenn ich länger besichtige, habe ich sowieso nur Scheiße im Kopf“, erklärte Aicher. Das jedenfalls kann niemand wollen.

Die leibhaftige sportliche Bedrohung, die von dieser Frau ausgeht, war später in diesem Rennen zu erahnen, als eine neun Jahre ältere US-Amerikanerin sich aus dem Starthäuschen stürzte. Mikaela Shiffrin, die sich in den vergangenen Jahren auf die technischen Disziplinen Slalom und Riesenslalom spezialisiert hat, hatte mehrere Tage Super-G-Kurse trainiert und schickte sich an, auf zuletzt ungewohntem Terrain Punkte zu sammeln. Es war schnell zu erkennen, dass sie den Speedpisten länger ferngeblieben war, und doch brachte sie die langen Latten – anders als Aicher – ins Ziel und wurde 23.; viel Aufwand für acht Weltcuppünktchen. Der Sieg ging wieder an eine Italienerin. Nachdem Laura Pirovano beide Abfahrtsrennen mit je 0,01 Sekunden Vorsprung gewonnen hatte, triumphierte diesmal deren Teamkollegin Elena Curtoni vor der Norwegerin Kajsa Vickhoff Lie und Asja Zenere, auch Italien.

Der Gesamtweltcup der Männer ist praktisch längst entschieden, Marco Odermatt aus der Schweiz ist enteilt. Im Ranking der Frauen ist Aicher an Shiffrin herangerückt, 125 Punkte trennen die beiden. Und doch dürften sich deutsche und eventuell auch schwedische Skianhänger mehr von diesem verlängerten Wochenende in den Dolomiten erhofft haben. Das Restprogramm der Alpin-Frauen sieht noch je zwei Slalomrennen und Riesentorläufe vor, nur noch je eine Abfahrt und einen Super-G. Und Aicher? Sie freue sich darauf, nach Schweden, in die Heimat ihrer Mutter, zu fahren, sagte sie. Und sich in der Kunst üben, den Kopf zu befreien von finsteren Gedanken.

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