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Ski alpin:Komplimente für eine Rakete

Ski alpin: Weltcup in Kvitfjell

So sieht eine Sicherheitsfahrt aus – zumindest beim Hochgeschwindigkeitsspezialisten Thomas Dreßen, Achter in Kvitfjell.

(Foto: Gabriele Facciotti/dpa)

Thomas Dreßen beendet die Saison als Weltcup-Zweiter in der Königsdisziplin Abfahrt - dabei wollte er sich nach überstandener Verletzung erst wieder herantasten an die Spitze.

Für das letzte Bild seiner herausragenden Saison hätte Thomas Dreßen kaum einen besseren Rahmen finden können. Die Abfahrt der Weltcupsaison war gerade vorüber, als er sich am Fuße des Olympiabakken in Kvitfjell in Norwegen ein weiteres Mal zu einem Siegerfoto aufstellen durfte. Geehrt wurden die Besten des Winters in der alpinen Königsdisziplin, und hinter dem Schweizer Beat Feuz, dem Souverän der Hochgeschwindigkeitspisten, hat es Dreßen unerwartet in die Rolle des Kronprinzen geschafft.

"Grundsätzlich war die Saison unglaublich, und die drei Siege waren eh der Wahnsinn", sagte Dreßen, 26, nachdem er die neunte und wegen der Absage des Weltcup-Finales letzte Abfahrt des Winters auf Rang acht beendet hatte. "Ich bin in Schönheit gestorben, das war nichts Besonderes", fügte er selbstironisch an, am Gesamteindruck hatte er freilich wenig auszusetzen: "Wenn mir das jemand vor der Saison gesagt hätte, dass ich auf dem zweiten Platz liege, hätte ich es nicht geglaubt."

Tatsächlich hätte im Herbst wohl kaum jemand eine derart optimistische Prognose für Dreßen gewagt: 2018 war er bereits Dritter gewesen im Abfahrtsweltcup. Doch nach seinem Sturz mit Totalschaden im Knie im November 2018 war dieser Winter eigentlich als "Aufbausaison" gedacht, wie der Alpinchef des Deutschen Skiverband, Wolfgang Maier, am Sonntag nochmals erläuterte: "Wir wollten ihn unabhängig von Ergebnissen wieder an die Weltspitze heranführen." Dann aber ging alles unfassbar schnell beim Comeback. "Er ist die völlige Rakete gewesen", sagte Maier.

Zunächst gewann Dreßen zur Überraschung der Experten die erste Abfahrt der Saison in Lake Louise in Kanada, zuletzt dann auch die Rennen in Garmisch und in Saalbach in Österreich. Wohlgemerkt in einem Winter, in dem ein frisch Genesener solch eine Verletzung "ja auch erst mal mental verarbeiten" muss, wie Maier zu Bedenken gab. Dreßen und sein Team könnten daher extrem stolz sein auf diese "außergewöhnlich gute Saison", sagte der Alpinchef, sie zeige auch, welche "außergewöhnlichen Fähigkeiten er hat".

Konstanter als der formidable DSV-Abfahrer war nur Beat Feuz: Der muskulöse Schweizer Spezialist stand nach der Absage der Finalrennen in Cortina, die vom 18. bis 22. März geplant waren, schon am Freitag zum dritten Mal nacheinander als bester Abfahrer der Saison fest, 212 Punkte lag er vor Dreßen. Der zweimalige österreichische Olympiasieger Matthias Mayer, der die letzte Schussfahrt in Norwegen vor Aleksander Aamodt Kilde aus Norwegen, sowie den Schweizern Carlo Janka und Feuz gewann, kam nur noch bis auf 14 Punkte an den Dreßen heran.

Mit seinem Rennen war Dreßen indes nicht ganz zufrieden. Er sei doch zu sehr auf Nummer sicher gegangen, aber "nach der Brezn in Hinterstoder war das okay", sagte er; bei besagter "Brezn" (für Nichtskifahrer: Sturz) vor einer Woche hatte er sich beide Schultern ausgekugelt. Weil der Super-G am Sonntag in Kvitfjell wegen Nebel, Regen und weicher Piste abgesagt wurde, war der Skiwinter für Dreßen früher beendet als geplant. Angesetzt sind nur noch ein Riesenslalom und ein Slalom am nächsten Wochenende in Kranjska Gora. Kilde reist mit einem Vorsprung von 54 Punkten im Gesamtweltcup auf den Franzosen Alexis Pinturault nach Slowenien.

© SZ vom 09.03.2020 / sid

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