Ski alpin Frische Zuversicht

Seit Anfang Januar stabil in der Weltspitze unterwegs: Stefan Luitz, 24, stand beim Riesenslalom in Garmisch zum vierten Mal auf einem Weltcup-Podest. Nur ein Sieg fehlt ihm noch.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Stefan Luitz wird im Riesenslalom von Garmisch Dritter, Neureuther Sechster und Rebensburg in Cortina Fünfte: Die Deutschen hoffen wieder auf WM-Medaillen.

Von Johannes Knuth, Garmisch-Partenkirchen

Plötzlich brach noch einmal Hektik aus im Zielgelände von Garmisch-Partenkirchen. Stefan Luitz wollte gerade abreisen, nach einem Rennen werden ja nur die besten drei Skifahrer im Ziel prämiert, und Luitz würde gleich von Alexis Pinturault auf Rang vier geschoben werden, vom letzten Fahrer, der oben gewartet hatte. Doch dann tappte Pinturault in eine Falle im Eishang. Der Franzose rutschte auf Rang vier, hinter Sieger Marcel Hirscher, Matts Olsson aus Schweden und Stefan Luitz vom SC Bolsterlang. Die Verantwortlichen leiteten den 24-Jährigen wieder in den Zielraum um, dort ließ Luitz das Protokoll über sich ergehen: lachen, winken, rauf aufs Treppchen, Blumen entgegennehmen, winken, lachen, zum ersten Mal seit Dezember 2014.

Felix Neureuther wird Sechster, trotz Kapselverletzung im Knie

Der Sonntag war bereits ein guter Tag für den Deutschen Skiverband (DSV) gewesen, und nach Luitz' verlängerter Anreise aufs Podium beim Riesenslalom von Garmisch wurde es sogar ein sehr guter. Felix Neureuther hatte den sechsten Platz gesichert, trotz einer Kapselzerrung im linken Knie. Aus Cortina war die Kunde von Viktoria Rebensburgs fünftem Platz im Super-G eingetroffen, hinter Siegerin Ilka Stuhec. Weil Rebensburg in der Abfahrt schon Platz vier in die Wertung getragen hatte, schürte das die Medaillenhoffnungen für die WM (ab 6. Februar). Der Bringer war aber freilich Luitz' Podium, "mein schönstes", sagte er, "weil es das Heimrennen ist".

Frust und Euphorie sind im Skirennsport eng beieinander, doch bei Luitz waren die Gefühlspole in den vergangenen Wintern oft noch dichter zusammen. Er hatte im Dezember 2012 erstmals in der Elite hospitiert, als Zweiter im Riesenslalom von Val d'Isère. Er galt als Geheimtipp. Im Training riss sein Kreuzband. Er drängelte sich wieder in die Elite, wurde zwei Mal auf Weltcup-Podien vorstellig, führte bei den Winterspielen in Sotschi eine famose Fahrt vor. Dann fädelte er am letzten Tor ein. Seitdem baumelte dieses Etikett an seinem Namen, schludriges Genie.

Bei der Fehlerbehebung waren sie sich im DSV nicht immer ganz einig. Alpindirektor Wolfgang Maier empfahl Luitz öffentlich, einen Psychologen zu konsultieren (was er mittlerweile getan hat). Cheftrainer Mathias Berthold ortete das Problem in der technischen Ausbildung; Luitz hatte sich einst ein falsches Bewegungsmuster angeeignet. Und jetzt? "Irgendwie ist der Knoten aufgegangen", sagte er, erst im Slalom, wo er nach zähen Jahren zuletzt in die erweiterte Spitze aufstieg. "Da habe ich viel Selbstvertrauen in den Riesenslalom mitgenommen", sagte Luitz. Sein dritter Platz versorgte den DSV auch mit einer frischen Dosis Zuversicht für die WM. Rebensburg und Neureuther hatten zuletzt die Erwartungen alleine getragen, im Riesenslalom erhält Neureuther nun wohl Verstärkung. Der 32-Jährige war in Garmisch über eine Delle im Kurs gestolpert, wieder traf es das lädierte linke Knie. Den Schlag hätte man auch vorher abtragen können, sagte er, das sei "ein bisschen bitter". Er wird den Parallelslalom am Dienstag in Stockholm auslassen, sicher ist sicher.

Man reise mit "Grundoptimismus" zur WM, sagte Maier noch, aber mit dritten Plätzen sei es eben auch so: Sie verwandeln sich bei einer WM gerne einmal in vierte oder fünfte Ränge.