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Ski alpin:Die Trasse war noch glatter als sonst

Rebensburg trug das enorme Tempo jedenfalls sauber durch den Eishang und an allen weiteren Fallen vorbei; im Ziel lag sie sechs pralle Zehntelsekunden vor Federica Brignone - und die Italienerin, viermalige Weltcupsiegerin in diesem Winter, war schon technisch piekfein durch den Eishang gerauscht. Die Tschechin Ester Ledecka kam dem Führungsduo noch am nächsten: Ledecka, die Snowboard- und Super-G-Olympiasiegerin von 2018, zieht nach wie vor als Mehrkämpferin durch den Winter, bei den Winterspielen hatte sie der Österreicherin Anna Veith das Super-G-Gold um eine Hundertstelsekunde entrissen - diesmal reichte es immerhin fürs Podium, 0,83 Sekunden hinter der Siegerin. Rebensburgs Fanklub stimmte bald darauf ein erstes Ständchen auf der Tribüne an, die Besungene winkte gelöst zurück.

Viele Abfahrten waren bei den Frauen zuletzt an Expertinnen aus den kurvigeren Disziplinen gefallen, auch weil Strecken wie Bansko die Speed-Könnerinnen nicht gerade bevorteilten. Aber Rebensburg durfte sich am Samstag als Siegerin einer vollwertigen Abfahrt fühlen. Auf der Kandahar war wieder einmal alles geboten gewesen, Gleitpassagen, Steilhänge, Kurven jeglicher Couleur, Ausdauer. Die Trasse war zudem noch glatter als sonst; die Helfer hatten viel Wasser in die Strecke gepumpt und gefrieren lassen, weil die Piste nach den Weltcups der Männer sonst kaum befahrbar gewesen wäre.

"Das war sicher die schwierigste Kandahar, die ich mit Ausnahme der WM 2011 gesehen habe", sagte Alpindirektor Maier. Die größte Tugend, die am Samstag gefragt war, sei da wohl die Überwindung gewesen. Dass Rebensburg das am besten von allen gelungen war, fand Maier "schon beeindruckend". Zumal sie sich in der Abfahrt längst nicht immer so forsch ans Limit gewagt hatte. Es bedeute ihr jedenfalls "extrem viel", sagte Rebensburg, dass sie in allen drei Disziplinen, die sie mittlerweile bestreite, nun mindestens ein Rennen gewonnen habe.

Und die jüngste Kritik ihres Vorgesetzten?

Ach, das habe überhaupt keine Rolle mehr gespielt, sagte sie. Und aussprechen wolle sie sich mit dem Sportdirektor erst, wenn es die Zeit erlaube. Maier sagte am Wochenende, dass seine Kritik in den Medien ohnehin überzogen dargestellt worden sei, da mache man "aus einer Mücke einen Elefanten und stellt die Leute gegeneinander".

Das Thema wird sie so oder so noch ein wenig begleiten, am Sonntag steht für die Frauen in Garmisch ein Super-G an, am nächsten Samstag geht es in Kranjska Gora weiter. Dann mit einem Riesenslalom.

© SZ vom 09.02.2020/ska
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