Silber und Bronze im Speerwurf:Obergföll und Stahl bejubeln Medaillen

Eine Tschechin wirft den Speer am weitesten, aber zwei Deutsche freuen sich über Edelmetall: Christina Obergföll und Linda Stahl gewinnen Silber und Bronze im Speerwurf. Die deutsche Frauen-Staffel läuft ins 4x100-Meter-Finale, auch Caster Semenya präsentiert sich in guter Form - im Dreisprung darf ein Amerikaner feiern.

Christian Obergföll und Linda Stahl hatten ihre Speere weit geworfen, sehr weit sogar - doch es gab eine, die noch mehr schaffte: Die Tschechin Barbara Spotakova schleuderte ihr Arbeitsgerät an diesem Abend 69,55 Meter weit, was ihr letztlich die Goldmedaille einbrachte. Das sollte die beiden Deutschen aber nicht stören, denn für sie sprangen am Ende ebenfalls zwei Medaillen heraus: Obergföll gewann Silber, ihre Teamkollegin Stahl Bronze. Im Speerwurf der Frauen ist das ein äußerst positives Ergebnis für die Offenburgerin und die Leverkusenerin.

London 2012 - Leichtathletik

Grinsende Deutsche: Christina Obergföll (li.) und Linda Stahl belegten im Speerwurf die Plätze zwei und drei. 

(Foto: dpa)

In einem Wettkampf auf nicht unbedingt überragenden Niveau nutzten die Deutschen ihre Chancen und sorgten hinter Spotakova, Olympiasiegerin 2008 und Weltmeisterin 2011, für strahlende Gesichter in der deutschen Mannschaft. Spotakova war die einzige der Favoritinnen, die die Erwartungen erfüllte. Die Siegweite und persönliche Saisonbestleitung warf sie im vierten Versuch. Obergföll blieb mit 65,16 knapp zwei Meter hinter ihrer größten Weite in diesem Jahr zurück, dagegen warf Ex-Europameisterin Stahl mit 64,91 Metern so weit wie nie in dieser Saison.

Katharina Molitor belegte mit 62,89 Metern Rang sechs. Obergföll gewann vier Jahre nach dem Bronze von Peking eine zweite Olympiamedaille, dennoch bleibt sie "die große Unvollendete" des Speerwurfs. Gold, das diesmal niemand von ihr erwartete, hat die 31-Jährige als Mitfavoritin in keinem ihrer neun Finals bei WM, EM oder Olympia gewonnen. Viermal war sie Zweite bei einer WM oder EM geworden. In Peking, als sie die einzige Medaille für Deutschlands damals historisch schlechte Leichtathleten gewann, hatte Obergföll Bronze erst als Misserfolg angesehen.

"Ich war traurig, dass es wieder kein Gold war, am Ende konnte ich mich dann doch noch freuen", sagte sie. Mehr als Bronze hatte Obergföll für London nicht erwartet: "Ich bin sicher, dass man für Silber 70 Meter werfen muss. Ob ich das drin habe, kann ich jetzt nicht sagen. Aber 68 Meter sind mein Ziel." Weil die Konkurrenz schwächelte, reichte eine weit geringere Leistung. Große Meisterschaften waren für die Freundin von Speerwurf-Bundestrainer Boris Henry, Coach von Weltmeister Matthias de Zordo (Saarbrücken) und selbst zweimal WM-Dritter in dieser Disziplin, bisher immer Nervenschlachten.

Fast nie hat sie das Optimum erreicht. Weder bei ihren vier Silbermedaillen bei WM (2005 und 2007) und EM (2010 und 2012), schon gar nicht bei den drei medaillenlosen Fehlschlägen der WM 2009 in Berlin (Fünfte beim Sieg von Steffi Nerius) noch 2011 (Vierte). Weinend hatte Obergföll vor einem Jahr bei der WM in Daegu den Rang hinter den Medaillen zur Kennnis genommen und sich geschworen, endlich einmal was für die Stärkung der Psyche zu tun. "Ich habe zuletzt verstärkt mit dem Heidelberger Psychologen Hans Eberspächer zusammengearbeitet. Ich weiß jetzt mit einigen Dingen anders umzugehen. Aber eine Erfolgsgarantie ist das alles nicht."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB