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Silber für Maria Höfl-Riesch im Super-G:Endlich Zeit für Scherze

Sotschi 2014 - Ski alpin

"Dankbar und glücklich": Maria Höfl-Riesch

(Foto: dpa)

Ein Streckenposten kommt ihr ungewöhnlich nahe, im Zielhang bleibt sie nach einem Fahrfehler fast stehen: Trotzdem gewinnt Maria Höfl-Riesch im Super-G bei den Olympischen Spielen noch Silber. Danach wirkt sie gelöst wie selten zuvor.

Da stand sie nun, die andere Maria Höfl-Riesch. Jedenfalls hatte diese Maria Höfl-Riesch mit der Maria Höfl-Riesch der vergangenen Tage nur wenig gemein. Zum Auftakt der Winterspiele in Sotschi hatte sie Gold in der Super-Kombination gewonnen, doch sie wirkte eher tief verspannt als überglücklich. Groß war der Druck gewesen. Groß die Favoritenlast.

Nun blitzten ihre Augen, die Mundwinkel zuckten unaufhörlich nach oben. Sie scherzte, machte Witze. Endlich war Platz für reine Freude. Die ganze Anspannung: aufgelöst.

Auch wenn es diesmal nur Silber war.

Olympia Historische Fahrt von Höfl-Riesch
Silber im Super-G

Historische Fahrt von Höfl-Riesch

Beinahe-Kollision, Fehler, Silber: Im Super-G muss sich Maria Höfl-Riesch nur der Österreicherin Anna Fenninger geschlagen geben. Mit drei goldenen und einer silbernen Medaille ist sie nun die erfolgreichste deutsche Skirennfahrerin der Historie. Viktoria Rebensburg wird Neunte.

Nur Silber im Super-G hinter der Siegerin Anna Fenninger und vor der Dritten Nicole Hosp, nur Silber also, davon wollte Höfl-Riesch natürlich nichts wissen. Ungläubig winkte sie bei der Siegerehrung den bekannten Gesichtern im Publikum entgegen, dann umarmte sie Tom Stauffer, den Bundestrainer. "Ich habe gekämpft und wurde belohnt", jubilierte sie, "dafür bin ich dankbar und glücklich."

Es war in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Super-G, nicht nur für Höfl-Riesch. Zu Beginn waren ihre Kontrahentinnen mit dem anspruchsvollen, weil kurvig gesteckten Kurs schlecht zurecht gekommen. Von den ersten acht Fahrerinnen erreichte nur die Amerikanerin Leanne Smith den Zielstrich. Die anderen schieden frühzeitig aus, das Publikum johlte ungläubig.

Auch Höfl-Riesch hatte ihre Probleme. Schon kurz nach dem Start war sie einem Streckenposten gefährlich nahe gekommen, der noch an einem Tor hantierte. Der Mann sprang weg, die Deutsche raste vorbei. Im unteren, sehr kurvigen Teil baute sie dann einen schweren Fehler ein, gleich beim ersten Tor im Steilhang. Die Geschwindigkeit war weg. Das Rennen war fast vorbei.

"Ich war kurz vor dem Stehenbleiben", erzählte Höfl-Riesch später. Drei Tore habe es gedauert, bis sie wieder in der Spur war. Das Rennen, so dachte sie zu diesem Zeitpunkt, war eigentlich verloren: "Ich habe mir gedacht, dann fahren wir halt mal ins Ziel."

Dort blickte sie auf die Anzeigetafel. Platz zwei. "Wahnsinn", sagte Höfl-Riesch.