Silber für Jacqueline Lölling:Zittern bis zur letzten Sekunde

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Die Skeleton-Pilotin zeigt in den ersten drei Läufen viele Fehler - erst im letzten Durchgang fährt die Weltmeisterin wieder so souverän, dass sie sogar noch den zweiten Platz erreicht.

Erst lief Skeleton-Pilotin Jacqueline Lölling nach ihrem Silber-Coup zu ihrer Familie. Danach wurde sie von den Rodlerinnen Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger innig umarmt. Die in Pyeongchang zweimal zu Gold gefahrene Geisenberger und die Olympia-Zweite Eitberger hatten am Samstag im Olympic Sliding Centre Lölling und ihre Teamkolleginnen angefeuert. Zumindest bei der 23-Jährigen half es. "Ich bin überglücklich. Ich kann es noch nicht in Worte fassen", sagte sie. "Ich war schon völlig zufrieden, als ich Bronze hatte."

Jacqueline Loelling GER during 2018 Olympic Games Olympische Spiele Olympia OS in Pyeongchang 17

Kaum zu bremsen in der Eisrinne: Jacqueline Lölling.

(Foto: Schreyer/imago)

Nach vier Läufen lag die Weltmeisterin aus Brachbach nur 0,45 Sekunden hinter der Britin Lizzy Yarnold, die ihren Olympiasieg von Sotschi 2014 wiederholte. So eng war es noch nie, seit die Skeleton-Medaillen in vier Durchgängen entschieden werden. "Das war bis zur letzten Sekunde Nervenkrieg", meinte Lölling mit einem Lächeln. "Es waren nervenzerreißende zwei Tage." Dritte wurde Laura Deas, ebenfalls aus Großbritannien. Die vor dem Final-Durchgang führende Österreicherin Janine Flock fiel noch auf Platz vier zurück und wurde von Lölling getröstet. Sie selbst ist die dritte deutsche Skeleton-Pilotin, die bei Olympia eine Medaille holte. Zuvor war das Kerstin Szymkowiak und Anja Huber mit Silber und Bronze in Vancouver 2010 gelungen.

Zwischen dem dritten und dem sechsten Platz liegen 14 Hundertstelsekunden

Das Edelmetall sei sehr wichtig für ihren Sport in Deutschland, sagte Lölling, vor allem nach den enttäuschenden Spielen in Sotschi. "Das war verdient für die gesamte Mannschaft. Allein hätte ich es nicht geschafft." Ex-Weltmeisterin Tina Hermann aus Königssee und Anna Fernstädt verpassten es knapp, die olympische Erfolgsbilanz für das deutsche Skeleton noch auszubauen. Hermann wurde Fünfte, die Berchtesgadenerin Anna Fernstädt Sechste. Zwischen dem dritten und sechsten Platz betrug der Abstand nur 14 Hundertstelsekunden. "Gestern der zweite Lauf war eine völlige Katastrophe. Natürlich ist das ärgerlich, wenn man jetzt die engen Abstände sieht", meinte die 25-jährige Hermann.

Pyeongchang 2018 - Skeleton

Das Ende zweier "nervenzerreißenden" Tage: Jacqueline Lölling freut sich im Ziel über Silber.

(Foto: Maye Wong/dpa)

Lölling hatte in den ersten drei Läufen in der schwierigen Eisrinne immer wieder Fahrfehler gezeigt. Dennoch war die Weltcup-Siegerin als Führende in die letzten beiden Durchgängen gestartet. Die Abstände auf die zweitplatzierte Flock und auf Yarnold waren allerdings knapp. Durch einen Fehler in der Kurve neun, in der auch Rodler Felix Loch seine sicher geglaubte Goldmedaille vergeben hatte, verlor sie Zeit im dritten Lauf und rutschte auf den dritten Platz zurück. Der Rückstand auf die dann führende Flock blieb mit 0,1 Sekunden äußerst knapp. Im letzten Durchgang gelang ihr dann endlich die erste souveräne Fahrt, die auf dem Silberrang endete.

Lölling war nach vier Siegen in acht Weltcuprennen in dieser Saison und dem Gewinn des Gesamtweltcups die Topfavoritin. Schon bei den Olympischen Jugendspielen 2012 stand sie ganz oben auf dem Podest. Danach qualifizierte sie sich als Junioren-Weltmeisterin für die WM 2015 und fuhr auf ihrer Heimbahn in Winterberg prompt auf Rang zwei. Zwei Jahre später war sie Welt- und Europameisterin.

Dabei stand ihre Karriere bei den Frauen sogar auf der Kippe. Nach den schwachen Startleistungen der Deutschen in Sotschi 2014 durften nur die Athleten im Weltcup fahren, die die vom Bob- und Schlittenverband (BSD) gesetzte Startnorm knackten. Da sie allen davonfuhr, wurde eine Ausnahme gemacht. Erst in diesem Winter schaffte sie erstmals die geforderte Norm. In Peking 2022 soll nun die Krönung mit dem Olympiasieg folgen.

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