Laura Siegemund bei den US Open:"Wir müssen brüllen, wenn wir was besprechen wollen"

Lesezeit: 2 min

Laura Siegemund bei den US Open 2020

Beliebte Doppelpartnerin: Laura Siegemund steht im Finale der US Open.

(Foto: AFP)

An der Seite von Vera Swonarewa steht Laura Siegemund im Finale der US Open - und erklärt, was das Doppelspiel in Coronazeiten so kompliziert macht.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Wenn Laura Siegemund über den Platz läuft, sieht es immer so aus, als hätte sie es sehr eilig, und so war es auch nach dem Halbfinale im Doppel bei den US Open: Sie wollte zu ihrer Partnerin Vera Swonarewa (Russland) und ihr um den Hals fallen nach dem 5:7, 6:3, 7:5 gegen das russische Duo Anna Blinkova/Veronika Kudermetova. "Ich bin nun mal eine emotionale Person, ich mache gerne Luftsprünge", sagte sie später: "Sie ist ganz schön erschrocken - sie hatte Angst, dass wir disqualifiziert werden, wenn ich ihr zu nahe komme."

Die Freude war berechtigt, Siegemund steht nach 2016, als sie im Mixed mit Mate Pavic (Kroatien) den Titel holte, zum zweiten Mal in einem Finale der US Open. Es blieb nun aber beim kurzen Abklatschen per Schläger, gemäß der Coronavirus-Regeln. Dabei kommt es gerade im Doppel auf die Kommunikation an, die nun erheblich eingeschränkt ist. "Wir sitzen beim Seitenwechsel drei Meter auseinander. Wir müssen brüllen, wenn wir was besprechen wollen", sagt Siegemund: "So können wir gleich rüber zu den anderen gehen und ihnen verraten, was wir vorhaben."

Strategische Änderungen waren dringend notwendig während der Partie, Siegemund und Swonarewa hatten gegen Ende des ersten Satzes Probleme mit der variablen Spielweise ihrer Gegnerinnen. "Wir mussten Plan B und Plan C entwickeln", sagt Siegemund. Das ist nicht so einfach, wenn man mit der Mitspielerin noch kein Turnier bestritten hat."

Siegemund würde gerne raus in die Natur

Siegemund, 32, ist eine beliebte Partnerin, sie hat auf der WTA-Tour bereits fünf Titel geholt und auf der untergeordneten Serie ITF Circuit gar 20. Im Einzel stand sie im Herbst 2016 auf Platz 27 der Weltrangliste, ein halbes Jahr später verletzte sie sich schwer am Knie. Nun, nach der Corona-Pause, fingen alle von vorne an, und Siegemund entschloss sich im Doppel für eine neue Partnerin. Gegen Swonarewa hatte sie ein paar Mal gespielt, ihr war klar: "Das kann klappen."

Es klappte bei diesen US Open, nach der Niederlage im Einzel gegen Elise Mertens (Belgien) - die nun im Viertelfinale steht -, konnte sie sich aufs Doppel konzentrieren. Die beiden besiegten namhafte Gegner, etwa das Duo Viktoria Asarenka (Belarus)/Sofia Kenin (USA) oder das an Rang zwei gesetzte Doppel Mertens/Aryna Sabalenka (Belarus). Siegemund ist dabei die aktive Spielerin am Netz, Swonarewa deckt aufgrund ihrer Beweglichkeit den Rest des Platzes ab. Beide erspüren gut die im Doppel so wichtigen Winkel und beherrschen überraschende Volley-Stopps.

Zwei Tage Pause haben sie nun, die Final-Gegnerinnen am Freitag wurden erst am späten Mittwochabend ermittelt. "Ich werde versuchen abzuschalten. Es ist nun ein bisschen ruhiger im Hotel, da findet man schon ein Plätzchen", sagt Siegemund. Mit dem Leben in der Blase müsse man sich arrangieren, und doch: "Ich muss zugeben, dass ich gern mal raus würde, in die Natur."

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