Süddeutsche Zeitung

Sieg gegen Griechenland:Kolumbiens mitreißender Flashmob

Lesezeit: 3 min

16 lange Jahre hat Kolumbien auf eine WM-Teilnahme warten müssen. Und die Südamerikaner kehren mit einem Sieg zurück. 3:0 bezwingen sie Griechenland - und zeigen, dass sie den bitteren Ausfall ihres Nationalhelden Falcao kompensieren können.

Von Matthias Schmid

Wenn Pablo Armero nach seiner Karriere als Fußballer eine neue Beschäftigung suchen sollte, die er ähnlich gut beherrscht wie das Spiel mit dem Ball, dann als Tänzer. Nach seinem Tor zum 1:0 gegen Griechenland stürmte er zur Bank, wo alle Kolumbianer aufgesprungen waren: Trainer, Betreuer, Mitspieler.

Armero, der Linksverteidiger von West Ham United, begann eine witzige Schunkelnummer, er bewegte geschmeidig seine Beine, wischte mit seinen Armen wild von links nach rechts, von rechts nach links. Er animierte alle zum Mittanzen. Mitten auf dem Rasen des Estadio Mineirao in Belo Horizonte entwickelte sich ein Flashmob, der schöner und mitreißender hätte nicht sein können.

Die kolumbianische Nationalmannschaft feierte ihr Führungstor bei der Weltmeisterschaft im ersten Gruppenspiel gegen Griechenland wie den Einzug ins Achtelfinale. Man muss es ihnen nachsehen. Die Mannschaft des argentinischen Cheftrainers José Pekerman durfte lange nicht mehr mitspielen bei einer WM, es dauerte 16 Jahre, bis sich die "Cafeteros", die Kaffeebauern, wieder qulifiziert hatten.

Und am Ende hatten sie das Spiel tatsächlich gewonnen, 3:0 nach weiteren Treffern von Teofilo Gutierrez (58.) und James Rodriguez (90.). Die Südamerikaner können den nächsten Spielen gegen die Elfenbeinküste und Japan nun entspannter entgegenblicken. "Wir wollen die Hoffnungen des kolumbianischen Volkes erfüllen", hatte Pekermann pathetisch formuliert. Sie wollen ins Achtelfinale einziehen. Mindestens.

"Wir sind ein starkes Team", bekannte hinterher Rodriguez: "Ich bin sehr glücklich. Zuerst weil Kolumbien gewonnen hat und dann, weil ich auch noch getroffen habe."

Missgeschick am Geburtstag

Frühe Führungstore wie jenes von Armero erleichtern natürlich vieles. Juan Cuadrado hatte in der fünften Minute flach nach innen gepasst, wo Armero mitgelaufen war, kein griechischer Abwehrspieler war weit und breit zu sehen - er zog ab, flach, aber nicht sehr wuchtig. Kostas Manolas versuchte einige Meter entfernt, den Ball noch abzuwehren, es misslang, der Ball rollte ins Tor. Manolos hatte sich seinen Auftritt an diesem Tag anders vorgestellt, es sollte sein Tag werden, der Abwehrspieler von Olympiakos Piräus feierte seinen 23. Geburtstag. Und dann dieses Missgeschick!

Beinahe hätte sein Mitspieler Panagiotis Kone im Gegenzug den Fehler wieder vergessen gemacht, doch sein Schuss ging knapp vorbei. Die Griechen taten sich schwer gegen die beweglichen, spielfreudigen Kolumbianer - nur auf die Defensive verlassen konnte sich die Mannschaft des Portugiesen Fernando Santos nun nicht mehr. Leider offenbarte sich im Spiel des Teams um Kapitän Konstantinos Katsouranis Altbekanntes: Den Griechen fehlen Ideen sowie Spieler, die mit einem überraschenden Dribbling oder einem letzten Pass eine Partie entscheiden können. Sie spielten sich zwar mit zunehmender Spieldauer nett im Mittelfeld die Bälle zu, mehr aber auch nicht.

Viele hochbegabte Kicker in der Offensive

Erschwerend kam hinzu, dass es kolumbianische Innenverteidigung um Cristian Zapata und Mario Yepes seriös ihre Arbeit verrichtete - nicht verwunderlich, sie spielen beide in der italienischen Serie A, Zapata für den AC Mailand, Yepes für Atalanta Bergamo. Catenaccio und resolutes Abwehrspiel beherrschen beide bestens.

Vorne verfügen die Kolumbianer auch ohne den verletzten Helden Falcao über genügend Hochbegabte, die irgendwann genauso umschwärmt sein können wie ihr Landsmann vom AS Monaco. Einer von ihnen: James Rodriguez, Rückennummer 10, wie Falcao gleichfalls im Fürstentum beschäftigt. Der 22-Jährige hatte in der 37. Minuten die Chance zum 2:0, doch seine Volleychuss ging übers Tor. Die beste Chance für die Griechen hatte abermals Kone kurz vor dem Pausenpfiff, seinen Schlenzer klärte Torhüter David Ospina mit einer sehenswerten Flugeinlage.

Gekas trifft nur die Latte

Nach dem Seitenwechsel waren es wieder die Kolumbianer, die auffälliger agierten, effizienter kombinierten und mehr Wumms entwickelten. Nach einem Eckball verlängerte Abel Aguillar in der 58. Minute den Ball weiter, in der Mitte stand Teofilo Gutierrez frei, er musste für das 2:0 nur noch seinen Fuß hinhalten.

Es stand 2:0 für Kolumbien - und das, obwohl mit dem künftigen Dortmunder Adrian Ramos sogar noch ein weiterer Klassemann nur auf der Bank saß. Die Entscheidung? Nicht ganz. Fast hätte der frühere Frankfurter Theofanis Gekas, der mittlerweile in der Türkei für Konyaspor stürmt, im Gegenzug den Anschlusstreffer erzielt. Sein Flugkopfball aus drei Metern klatschte allerdings nur an die Latte. Gekas musste anschließend vom Platz - er hatte einfach kein Glück.

"Die Kolumbianer waren besser", erkannte Griechenlands Trainer Santos: "Sie haben uns von Beginn an Probleme bereitet, wir waren nicht konzentriert genug und haben nicht reagiert."

Die Griechen gelang es nicht mehr, der Partie eine Wendung zu geben, im Gegenteil. Kolumbien erhöhte durch Rodriguez noch in der Nachspielzeit auf 3:0 - und Pablo Armero erlebte den Schlusspfiff von der Bank aus. Natürlich tanzend.

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