Süddeutsche Zeitung

Sieg des VfB Stuttgart:Drei Tore aus dem Nichts

  • Der VfB Stuttgart dreht das Spiel gegen Eintracht Frankfurt. Daniel Ginczek erzielt beim 3:1-Sieg zwei Tore.
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Von Matthias Schmid

Sechs Tore hatte Huub Stevens aufstellen lassen im Training. Sechs Tore auf ein nicht mal ganzes Feld. Der Trainer des VfB Stuttgart lässt wirklich nichts unversucht im Wettstreit gegen den Abstieg. Er wollte seinen Spielern in den Übungseinheiten vor der Partie gegen Eintracht Frankfurt Erfolgserlebnisse ermöglichen, aus allen Lagen sollten sie schießen, mit Wucht und Raffinesse.

Natürlich hat er es seinen Spielern nicht zu leicht gemacht, sechs Torhüter aus allen VfB-Mannschaften hatte er jeweils vor ein Tor postiert, sie sollten zwar nicht Kopf und Kragen riskieren, aber verboten war es ihnen nicht, die Bälle auch abzuwehren. "Es ist nicht so einfach zu treffen", hat der niederländische Trainer des Tabellenletzten kundgetan: "Das Toreschießen ist im Fußball das schwierigste, aber auch das schönste."

Seine unorthodoxe Spielvorbereitung brachte jedenfalls den gewünschten Erfolg. Gegen Frankfurt durften die Stuttgarter am Samstagnachmittag tatsächlich den erhabenen Moment des Torjubels erleben, sogar gleich dreimal, der VfB gewann 3:1 (0:0) und feierte den zweiten Heimsieg in dieser Saison, zuletzt hatten sie im September des vergangenen Jahres eine Partie vor heimischer Kulisse für sich entscheiden können. Die Diskussionen, ob Stevens der richtige Trainer ist, werden jetzt vor der Länderspielpause erst einmal verstummen. Letzter bleibt der VfB dennoch.

Dabei hatten sich die Stuttgarter Fußballfreunde nach den ersten trostlosen 45 Minuten noch gefragt, wie ihre Spieler in dieser Saison je wieder ein Tor schießen wollten. Sie störten zwar früh, bisweilen sogar mit fünf Spielern in der gegnerischen Hälfte, aber sobald sie an den Ball kamen, verloren sie ihn auch innerhalb von wenigen Sekunden schon wieder. Sie spielten so hibbelig und aufgeregt wie ein Haufen F-Jugendlicher beim ersten Training.

Alexandru Maxim chippt so kunstvoll wie Lionel Messi

Das große Problem des VfB in diesen Wochen ist, dass es die Mannschaft erst gar nicht bis in den Strafraum des Gegners schafft, zu viele Fehlpässe, unerklärliche Ballverluste verhindern kluge Zuspiele in die Spitze, der eifrige Daniel Ginczek konnte einem Leid tun. Der erste Torschuss war deshalb auch nicht die Folge einer gelungenen Kombination, sondern eher einer Verzweiflungstat, Serey Dié versuchte aus 30 Metern einen Heber, weil er gesehen hatte, dass Frankfurts Torhüter Kevin Trapp ein wenig zu weit vor seinem Tor stand, der Ball flog weit und hoch vorbei. Auch Martin Harnik probierte es aus der Ferne.

Nur zehn Tore in zwölf Spielen waren dem VfB unter Stevens gelungen. Und Frankfurt? Die Gäste spielten nicht besser, doch Alexander Meier wäre trotzdem beinahe zu einem Kopfballtor gekommen, nach einer Ecke des Japaners Inui verfehlte er das Tor nur um wenige Zentimeter (33.).

Plötzlich muss Trapp den Ball aus seinem Tor holen

"Wir müssen unbedingt gewinnen", sagte der verletzte Stuttgarter Nationalspieler Antonio Rüdiger in der Pause. Er klang wenig hoffnungsvoll. Und es dauerte auch nur sechs Minuten, bis Frankfurt nach einem Tor des im Fünfmeterraum allein gelassenen Haris Seferovic 1:0 führte (51). Niemand im Stadion glaubte jetzt noch an den VfB. Doch plötzlich musste Trapp den Ball aus seinem Tor holen. Wie aus dem Nichts kam der VfB zum Ausgleich (63.). Nach einem Geistesblitz von Kapitän Christian Gentner leitete Harnik den Ball schnell weiter zu Ginczek, der diesen nur noch mit der Hüfte über die Linie drücken musste.

200 Sekunden später durfte der ehemalige Nürnberger schon über seinen zweiten Saisontreffer jubeln. Alexandru Maxim chippte den Ball so kunstvoll auf Ginczek, wie es sonst nur Lionel Messi vermag. Der Stürmer konnte gar nicht mehr anders, als zum 2:1 zu treffen. Als der Rumäne dann noch ein feines Zuspiel des eingewechselten Filip Kostic zum 3:1 (81.) einschob, fühlten sich die VfB-Fans endgültig im falschen Film, sie hatten drei Tore aus dem Nichts erlebt, und eines war schöner als das andere. Ginczek vergab sogar noch die Chance zum 4:1 (87.). Der VfB hatte in der zweiten Hälfte eine wundersame Verwandlung durchgemacht. Vielleicht stellt Huub Stevens ab sofort in jedem Training sechs Tore auf.

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