Sieben Kurven der Formel 1:Vettel fährt rückwärts

Sebastian Vettel bettelt verzweifelt, aber vergebens. Bottas hat Probleme beim Kuppeln und Hamilton klebt sich einen weißen Schnauzer auf: Die Höhepunkte des Formel-1-Wochenendes.

Von Elmar Brümmer, Barcelona

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Dieter Zetsche

F1 Grand Prix of Spain

Quelle: Getty Images

Vor einer Woche ist der Daimler-Vorstandschef 66 geworden, seine Geburtstagsparty feiert er aber schon seit einigen Jahren am liebsten in Spanien. Meistens lässt der Formel-1-Kalender eine Doppelfeier zu - erst den eigenen Ehrentag, dann den Jubel an der Rennstrecke. Denn Doc Z. gilt als echter "Racer". Der Besuch an diesem Wochenende war der letzte in offizieller Mission, Zetsche scheidet aus dem Vorstand aus, wird aber als baldiger Aufsichtsratchef gehandelt. Deshalb posierten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas schon vor dem Rennen mit aufgeklebten weißen Schnauzbärten, dem Markenzeichen des Automobilmanagers.

Alle im Champions-Rennstall wissen, dass Zetsche das Formel-1-Engagement zu Beginn des Jahrzehnts gerettet hatte, als es auf der Kippe stand. "Er hat uns an der langen Leine gelassen", lobte Teamchef Toto Wolff. Deshalb durfte der Stuttgarter auch auf dem Podium den Konstrukteurspokal abholen, was mit einer kräftigen Champagnerdusche verbunden war. Sein Nachfolger Ola Källenius ist übrigens auch ein alter Bekannter, er leitete am Anfang seiner Karriere die Rennmotorenschmiede.

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Sebastian Vettel

F1 Grand Prix of Spain - Qualifying

Quelle: Getty Images

Ausgebremst. Erst bei der verzweifelten Attacke am Start, die fast zum Erfolg geführt hätte. Dann von einem so genannten Bremsplatten auf dem Vorderrad, den er sich bei der Aktion eingefahren hatte. Schließlich von den Strategen des Ferrari-Teams, die den Heppenheimer trotz Bettelei nicht früher zum Boxenstopp reinholten, um die Unwucht des Autos zu beseitigen. Es waren diese Sekunden und Positionen, die am Ende fehlten, um doch noch aufs Podium zu kommen. Vettel hatte auch im Zweikampf mit Teamkollege Charles Leclerc und beim verpatzten Reifenwechsel noch Zeit verloren. Die Bilanz des 31-Jährigen war entsprechend desillusioniert: "Es war ein großer Schritt zurück, Mercedes ist ganz weit weg. Wir hatten gedacht, dass wir viel schneller sind. Leider sind wir das nicht." Bei einem Rückstand von schon 48 Punkten rückt das Ziel WM-Titel in immer weitere Ferne, selbst das vorgezogene Motorenupgrade nutzte nichts. "Ein Schuss in den Ofen", sagte der Hesse. Er meinte damit zwar den ersten Rennabschnitt, aber es passt auch zum Gesamtbild.

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Lewis Hamilton

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Quelle: AP

Irgendwann beim Vorgeplänkel zum Europastart kam es zu der Frage, wer denn zurückziehen würde, wenn beide Silberpfeile nebeneinander in die erste Kurve einbiegen würden. Der Titelverteidiger antwortete ausweichend, sprach vom Respekt vor Bottas, und davon dass die Situation vor drei Jahren beim Crash mit Nico Rosberg eine ganz andere gewesen sei. Aber Gestik, Mimik und ein paar Nebensätze ließen keinen Zweifel, dass der Brite nicht der sein würde, der als erster zuckt. Die Siegermentalität ließ er sich auch von der verpassten Pole-Position nicht nehmen. Nachdem er Bottas früh kassiert hatte, stand dem ungefährdeten Sieg nichts entgegen. "Hier wird Geschichte geschrieben, und ich bin stolz, dabeizusein", lobte Hamilton die eigene Dominanz. Tatsächlich sei der Mercedes aber nicht immer einfach zu fahren, wie auch die Blasenbildung am Hinterreifen gegen Rennende zeigte: "Wir kommen nicht immer miteinander klar, aber ich bin froh, dass wir im Rennen unsere Differenzen beilegen konnten", sagte er nach seinem Sieg-Hattrick in Barcelona über die Beziehung zu seinem Dienstwagen. Das Grinsen danach war Frontflügelbreit.

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Andreas Seidl

F1 Grand Prix of Spain

Quelle: Getty Images

Seit dem Renn-Wochenende in Katalonien gibt es wieder einen Deutschen mehr in der Startaufstellung. Nicht im Rennwagen, aber für die Autos verantwortlich: Andreas Seidl ist neuer Teamchef beim Traditionsrennstall McLaren, am 1. Mai durfte der 43-Jährige endlich seinen Job antreten. Zuvor war er bei Porsche für das erfolgreiche Sportwagen-Programm verantwortlich gewesen, das aber eingestellt wurde. Zu dem angedachten Formel-1-Einstieg der Stuttgarter kam es nicht. Also kehrt Seidl wieder auf die Grand-Prix-Bühne zurück, auf der der Ingenieur schon mal mit dem BMW-Werksrennstall stand. Ein Mann großer Ansagen ist Seidl nicht. McLaren-Besitzer Zak Brown begründet seine Top-Personalie so: "Er besitzt das technische Verständnis für das Auto und er ist ein echter Teamplayer." Ein Stratege dazu, Seidl denkt bereits an 2021, wenn ein neues, kostengünstigeres Reglement eingeführt werden soll. Akklimatisiert hat er sich schnell in der Formel 1. Zitat: "Druck sehe ich eher als Motivation."

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Valtteri Bottas

F1 Grand Prix of Spain

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Die Kupplung war's, na klar. Eine der beliebtesten Ausreden von Rennfahrern, wenn sie den Start verhaut haben. Vielleicht war es so, wie der Finne hinterher zu Protokoll gab, als er zu Beginn der 66 Runden seine Pole-Position und dann auch seine WM-Führung verspielt hatte: "Die Kupplung hat sich sehr seltsam verhalten. Sie vibrierte, hat immer wieder gepackt und dann wieder getrennt. So etwas habe ich noch nie erlebt." Bottas ahnt, dass er seinem Gegenspieler Hamilton damit unfreiwillig vielleicht wieder zu der mentalen Stärke verholfen hat, die den Briten so außergewöhnlich macht. "Das machte leider all die harte Arbeit an diesem Wochenende direkt am Anfang zunichte. Aber so läuft es eben manchmal", klagt Bottas. Er will nicht nachlassen, auch nicht bei der Ursachenforschung mit seinen Ingenieuren - man müsse sicherstellen, dass sich das nie mehr wiederholen dürfe. Der 29-Jährige spürt, dass er in der Form seines Lebens ist. Jetzt bloß nicht durchdrehen - mit schönem Gruß an die Räder.

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Barcelona

F1 Grand Prix of Spain

Quelle: Getty Images

Zum 30. Mal würde sich in der kommenden Saison ein auf dem Circuit de Catalunya ausgetragener Großer Preis von Spanien jähren. Aber ob es tatsächlich soweit kommt? Der Vertrag läuft aus - wieder ein Klassiker weniger? Trotz optimistisch gemeldeter 87 000 Zuschauer könnte das Rennen gestrichen und durch die Rückkehr des Grand Prix der Niederlande in Zandvoort ersetzt werden. Dann hätten die größten Fangruppen, die in Katalonien gesichtet wurden, auch keine so weite Anreise. Max Verstappen hat das Potenzial, dass Fernando Alonso mal für Spanien besessen hatte, als dieser zweimal erfolgreich um den Titel fuhr. Aber der ehemalige McLaren-Pilot Alonso, der sein Glück jetzt bei den Indycars in Nordamerika sucht, äußert sich eher abfällig über seinen alten Arbeitsplatz. Schlimmer noch trifft es die Veranstalter, dass die Stadtregierung Barcelonas die Zuschüsse blockiert und ganz kappen will. Was bleibt? Vielleicht ein Dasein als beliebteste Testpiste der Formel 1.

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Toto Wolff

Toto Wolff

Quelle: AP

Der Österreicher ist zumindest sportlich schon der mächtigste Mann der Formel 1, ihm gehören 30 Prozent des Mercedes-Rennstalls, den er seit Januar 2013 leitet. Zuvor hatte er das Williams-Team an die Börse gebracht. Das Multi-Talent dürfte deshalb auf der Kandidatenliste von Liberty Media stehen. Die Rechteinhaber suchen für die Zeit nach 2020 einen Nachfolger für den US-Amerikaner Chase Carey. Wolff betont, wie sehr er mit seiner Situation mit Mercedes zufrieden sei und deshalb einen Wechsel nicht in Betracht ziehe. Der 47-Jährige musste in Barcelona dennoch weiter über Personalgerüchte sprechen - einen möglichen Platztausch zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Das Thema hatte er mit seinem Paradefahrer vor dessen Vertragsverlängerung diskutiert. Der Brite ist bis 2020 fix bei Silber, gleiches gilt bei Vettel in Rot. Aber dann? Im Wissen darum, dass seine Antwort Schlagzeilen machen werde, antwortete Wolff hypothetisch mit einem "Warum nicht?", er könne sich Vettel bei Mercedes "absolut" vorstellen.

© Sz.de/sonn
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