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Sicherheit beim Länderspiel:Maschinenpistolen im Stadion

Training Niederlande

Polizeibeamte bewachen das Training der Nationalmannschaft in Hannover.

(Foto: dpa)

Das Stadion in Hannover dürfte an diesem Abend der bestbewachte Ort Deutschlands sein. Der Fußball muss sich aber darüber hinaus neue Gedanken um die Sicherheit machen.

Kommentar von Gunnar Jans

Die Kanzlerin kommt, sie bringt eine Reihe ihrer Minister mit, und nicht nur deswegen wird das Polizei-Aufgebot in Hannover beim Länderspiel gegen die Niederlande drastisch erhöht sein - bis hin zu Polizisten mit Maschinenpistolen. Das Stadion am Maschsee wird an diesem Dienstag beim ersten Auftritt der deutschen Nationalmannschaft seit dem Terrorakt von Paris der bestbewachte Ort Deutschlands sein, schließlich gilt es, ein Signal von hier rund um den Globus zu senden: "Wir werden der Welt und den Terroristen zeigen: Wir lassen uns nicht kleinkriegen", kündigt der niedersächsische Innenminister an. Auch weniger pathetisch ausgedrückt, bleibt die Botschaft dieselbe: Es ist richtig, dass wieder und weiter Fußball gespielt wird, gerade jetzt - nach den Anschlägen, die im Stade de France begannen, gerade nach der Attacke auf die freiheitlichen Werte.

Sich einschüchtern zu lassen vom Terror, wäre die falsche Konsequenz. Man will, so der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bunds, "ein deutliches Zeichen setzen, dass sich die Zuschauer im Stadion weiterhin sicher fühlen können".

So effizient wie nötig, so sensibel wie möglich

Eine hundertprozentige Sicherheit kann freilich niemand garantieren, und deshalb ist das Gefühl durchaus eine wichtige Basis, gerade für die Zeit nach den Tagen besonderer Symbolik. Wenn der Alltag zurück und Paris zwar nicht aus den Köpfen ist, aber die Bedrohung nicht mehr ständig präsent, muss das Vertrauen ins gewohnte Leben und seine Banalitäten wiederhergestellt sein, und dazu gehört auch der Besuch eines Fußballspiels.

Die Voraussetzungen dafür müssen jetzt geschaffen werden, von der Politik und denjenigen, die sie umsetzen, bis hin zur Polizei und anderen Sicherheitskräften, deren Präsenz auch bei gewöhnlichen Ligaspielen künftig wohl deutlich erhöht werden dürfte. Essenziell wird in diesem Zusammenhang bald schon die Kostenfrage: Wer finanziert auf Dauer erhöhte Sicherheitsanforderungen? Die Lösung wird vermutlich nicht jene sein, die dem Bremer Senat vorschwebt, der im Sommer der Deutschen Fußball-Liga 425 818 Euro für den verstärkten Polizeieinsatz beim Sicherheitsspiel Werder gegen den HSV in Rechnung stellen wollte.

Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, Vertrauen herzustellen und dabei so effizient wie nötig, aber auch so sensibel wie möglich vorzugehen; in einem zur Schau gestellten Hochsicherheitstrakt mag auf Dauer niemand seine Zeit verbringen. Auch das ist eine Aufgabe nach Paris, die ja nicht nur den Fußball trifft, auch für Open-Air-Konzerte, den Wiesn-Besuch, für jedwede Art von Großveranstaltung gilt: Diesen Balance-Akt hinzubekommen, ohne dass am Ende stets ein beklemmendes Gefühl bleibt.

© SZ vom 17.11.2015

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