Shorttrackerin Anna Seidel In den Ferien nach Sotschi

Shorttrackerin Anna Seidel: Olympia-Premiere mit 15

Anna Seidel hat mit 15 Jahren geschafft, wovon andere Sportler lange vergebens träumen: Sie darf zu den Olympischen Spielen. Als einzige deutsche Shorttrackerin ist sie in Sotschi dabei, seit der erfüllten Norm ist ihr Leben ein ganzes Stück aufregender geworden.

Von Saskia Aleythe

Noch zehn Tage. In Schultagen gezählt sogar nur noch sechs, dann hat Anna Seidel erstmal frei. Ihre Freundinnen vom Sportgymnasium Dresden können zwei Wochen später in den Winterurlaub starten, wenn die Ferien in Sachsen beginnen. Seidel ist dann schon in Sotschi, mit der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen. Sie wird mit 15 Jahren eine der Jüngsten sein.

"Qualifikation für Sotschi" heißt die nüchterne Nachricht, die sich im Homepage-Archiv des Sportgymnasiums Dresden versteckt. Veröffentlicht am 17. November 2013, es sind nur vier kurze Sätze, der letzte lautet: "Wir gratulieren ganz herzlich."

Dieser eine Tag im November war der Tag, von dem die allermeisten Sportler träumen, und nur ein Bruchteil davon erlebt ihn tatsächlich. Es ist der 14. November, als Anna Seidel, geboren am 31. März 1998, im russischen Kolomna die Norm für die Olympischen Spiele knackt. Zum Weltcup mitgenommen hatte das deutsche Shorttrack-Team sie eigentlich nur als Ersatzläuferin für die Staffel, doch dann passiert im Halbfinale über 1500 Meter das Entscheidende: Vor Seidel rutschen drei Läuferinnen vom Eis in die Bande, sie kann als Zweite die Ziellinie überqueren und steht damit im Finale. Wer das schafft, darf mit nach Sotschi.

Mehr als zwei Monate ist das schon her, dieser Tag im November hat viel Aufregung in das Leben von Anna Seidel gebracht, und nun, wo es nur noch zehn Tage sind, nimmt die Nervosität auch nicht ab. "Ganz angekommen ist das noch immer nicht, dass ich wirklich mitfahre", sagt Seidel. "Ich freue mich total und kann es kaum erwarten - aber es fühlt sich auch komisch an, weil da etwas Unbekanntes auf mich wartet."

Ungewissheit treibt viele Shorttracker um, vor allem die, die an die Zukunft ihrer Sportart denken. Seit 1992 ist der Sport im Olympischen Programm, so dünn besetzt wie in diesem Jahr war die deutsche Mannschaft schon lange nicht mehr. Nur Seidel und Robert Seifert, der erste deutsche Weltcup-Sieger überhaupt, fahren nach Sotschi. Die Staffeln schafften die Qualifikation nicht, Nationen wie Südkorea und China sind ohnehin unerreichbar, doch auch die Konkurrenten aus den Niederlanden waren dieses Mal stärker. Als Folge musste Bundestrainer Mike Koorman gehen, der Bulgare Miroslaw Bojadschijew übernahm kommissarisch das Amt. Seidels Qualitäten beschreibt er so: "Sie ist beweglich und kann gut Schlittschuhlaufen. Dass sie klein ist, ist ein Vorteil, weil dann der Körperschwerpunkt nahe am Eis liegt."