Fast Food als Olympia-Lohn:Goldhähnchen auf Lebenszeit

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Fast Food als Olympia-Lohn: Chicken-Pensionisten: Die Shorttracker Hwang Dae-heon (links) und Choi Min-jeong (3. v. l.) mit Mäzen und Verbandschef Yoon Hong-geun samt Huhn.

Chicken-Pensionisten: Die Shorttracker Hwang Dae-heon (links) und Choi Min-jeong (3. v. l.) mit Mäzen und Verbandschef Yoon Hong-geun samt Huhn.

(Foto: AFP)

Südkorea setzt ein neues Zeichen im Umgang mit Olympiasiegern: Die Bezahlung erfolgt in Naturalien - mit frittiertem Freihuhn für immer. Glückwunsch. Oder?

Von Thomas Hahn, Tokio

Die sogenannte Chicken-Pension für Südkoreas Olympiasiegerinnen und -sieger begann als Witz des National-Shorttrackers Hwang Dae-heon. Es war nämlich so: Bei Olympia in Peking war Hwang nach einer umstrittenen Jury-Entscheidung im Halbfinale des 1000-Meter-Turniers ausgeschieden. Die Stimmung war gedrückt. Chef de Mission Yoon Hong-geun, gleichzeitig Präsident der Koreanischen Eislauf-Union KSU, fragte Hwang, wie er helfen könne vor dem nächsten Wettkampf.

"Ich wollte die Laune aufhellen", erklärt Hwang in der Nachrichtenagentur Yonhap, also sagte er, ihn würde zusätzlich motivieren, wenn es die Aussicht auf eine lebenslange garantierte Grundversorgung mit frittiertem Huhn gäbe. Yoon versprach, diesen Fast-Food-Traum im Falle einer Goldmedaille wahr zu machen. Prompt siegte Hwang über 1500 Meter. Und nun wird das Huhn tatsächlich ausbezahlt - ordnungsgemäß auch an 1500-Meter-Olympiasiegerin Choi Min-jeong, die im Shorttrack Südkoreas zweites Gold bei den Peking-Spielen gewann.

Fast Food als Olympia-Lohn: Siegte in Peking über 1500 Meter: Hwang Dae-heon (vorne).

Siegte in Peking über 1500 Meter: Hwang Dae-heon (vorne).

(Foto: Natacha Pisarenko/AP)

Diese Geschichte erzählt von der Liebe südkoreanischer Menschen zu frittiertem Geflügel. Sie zeigt, dass einzelne Sportfunktionäre ungeahnte Kräfte besitzen. Yoon ist der Vorstand der Firma Genesis BBQ, die Südkoreas größten Fried-Chicken-Anbieter betreibt. Huhn auf Lebenszeit ist für ihn ein Kinderspiel.

Chicken-Diät bis zum 60. Lebensjahr

Und diese Geschichte zeigt den Wert des Belohnens. Die Vergütung im Olympia-Sport ist ein wichtiges Thema. Die Plackerei muss sich schließlich lohnen. Und eine Goldmedaille ist normalerweise nicht als Anlageobjekt geeignet; denn es ist gar nicht viel echtes Gold drin. Das Gold von den Spielen 2021 in Tokio bestand zum Beispiel in erster Linie aus recycelten Elektrogeräten.

Normalerweise ist Geld der Lohn für Medaillen, wobei die nationalen Unterschiede riesig sind. Singapur zum Beispiel war 2021 in Tokio beim Gold-Preisgeld Deutschland mit 622 000 zu 20 000 Euro überlegen. Anderer Lohn? Die Siegerprominenz, die gut dotierte Sponsorenverträge bringen kann. Autos. Und in Südkorea wird männlichen Olympiasiegern die Wehrpflicht erlassen.

Jetzt setzt Südkorea also ein neues Zeichen im Umgang mit Siegertypen: Bezahlung mit Naturalien. Laut Genesis BBQ bekommen Choi, 23, und Hwang, 22, von nun an jeden Tag bis zu ihrem 60. Lebensjahr Mitgliederpunkte im Wert von 30 000 Won (22,30 Euro). Das dürfte für den Rest des Lebens reichen. Freihuhn für immer. Glückwunsch. Oder?

Wie alle Fantasien hat auch diese einen Haken. Frittiertes Huhn ist nicht gerade Athletenkost. Und bei den Glücklichen dürfte sich auch bald die Erkenntnis durchsetzen, dass eine einseitige Fried-Chicken-Diät zu Völlegefühl und Unwohlsein führt. "Ich hätte nicht gedacht, dass die ganze Sache zu diesem Punkt kommt", sagte Hwang Dae-heon, als er seinen Chicken-Gutschein überreicht bekam. Er konnte ja nicht ahnen, dass der Hühnerbaron Yoon seinen Witz nicht versteht.

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