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Shorttrack:Der Sieger, der aus dem Wasser kam

Pyeongchang 2018 Winter Olympics

Perfekte Schieflage: der 21 Jahre alte Südkoreaner Lim Hyo-jun (vorne) auf seinem Weg zum Olympia-Titel.

(Foto: Damir Sagolj/Reuters)

Der erst 21 Jahre alte Lim Hyo-jun gewinnt gleich am ersten Wochenende der Winterspiele die erste Goldmedaille für das Gastgeberland Südkorea.

Die Bilder flimmerten noch weit nach Mitternacht über alle Kanäle. Sogar in den hochmodernen Bussen, die im Landkreis Pyeongchang-gun in der Provinz Gangwon-do, vermutlich aber überall im Lande, mit einem riesigen Flachbildschirm ausgestattet sind: Zu sehen war also, wie der Favorit, Hwang Dae-heon, in der Kurve verkantet. Wie er rücklings fällt, dann auf dem Hintern in die Bande rutscht. Wie er sich aufrappelte und, schwer enttäuscht, minutenlang den Kopf auf die dicke Bahnpolsterung lehnt, getröstet von allen Umstehenden. Das sei der Moment gewesen, in dem sogar Staatspräsident Moon Jae-in aufgestöhnt habe, berichteten anderntags die Agenturen. Aber das präsidiale Leid währte nur kurz an diesem Abend, weil Lim Hyo-jun, 21 Jahre alt, in die Bresche sprang und sich, am Weltrekordler Sjinkie Knegt aus den Niederlanden vorbei, als Erster über die Ziellinie schob.

Ein Rennen, das erste dieser Winterspiele, hat genügt, um der Welt vorzuführen, warum die Südkoreaner Shorttrack so lieben. Da ist zunächst der nicht unbedeutende Fakt, dass sie einige der besten Athleten ausbilden, wie Lim Hyo-jun, der dem Gastgeberland der Spiele am Samstag das erste Gold bescherte. Abgesehen davon, verbindet diese Sportart Tempo, Cleverness und Kufenkunst mit großem Drama. Und in schöner Regelmäßigkeit bietet sie den Zuschauern außerdem Massenkarambolagen wie in der Formel 1. Nur eben ein paar Nummern kleiner, auf einem Rundkurs, der in jede Eishockeyhalle passt.

Südkorea ist im Shorttrack die führende Nation - zwölf Mal Gold seit 1988 lautet die Bilanz

Zwölfmal Olympiagold, einschließlich der Staffeln, hat Südkorea gewonnen, seit Shorttrack 1988 erst Demonstrationssportart wurde, dann mit dem offiziellen Ringe-Status geadelt wurde. In diesem Jahr vor heimischem Publikum in der Gangneung Arena aber haben die behelmten Eisflitzer einiges gutzumachen, weil 2014 in Sotschi das Unerhörte passierte und die führende Shorttrack-Nation bei den Männern ohne Olympiasieg blieb. Teilweise wurde dies damit erklärt, dass sich der frühere Liebling auf dem Eis, Ahn Hyun-soo, dreimaliger Triumphator von Turin 2006, wegen interner Querelen nach Russland absetzte, wo er den Namen Viktor Ahn annahm und weitere drei Medaillen gewann. Ahn gehört 2018 zu den vom IOC als unerwünscht erklärten russischen Athleten. Aber dass er eine Inspiration für die Jüngeren war und ist, zeigte sich am Samstag, als der neue Olympiasieger über 1500 Meter in seiner Ansprache seinem Kindheitsidol dankte: "Viktor hat mir immer gesagt, dass ich das Können habe", sagte er: "Seit ich ihn das erste Mal auf dem Eis sah, wollte ich Olympiasieger werden."

Lim Hyo-juns Eiskarriere hat im Becken angefangen. Er wurde als Kind zum Schwimmen geschickt und wäre im Wasser geblieben, hätte er sich nicht beim Spielen mit einem Wattestäbchen das Trommelfell durchbohrt. Fortan wurde das Ohr geschont und der Junge im Grundschulalter im Shorttrack angeleitet, weil es in der Nähe der elterlichen Wohnung eine Halle gab, in der er sich austoben konnte. Temperament hat er noch: "Ich bin hier noch nicht fertig", sagte er, weil ja weitere Rennen anstehen. Die Nation wird am Fernseher zugeschaltet sein.