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Lazio Rom:Auf dem Fußballplatz statt in Quarantäne

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Ciro Immobile, als Torjäger ein Lazio-Schlüsselspieler, reiste im November mit nach Turin, obwohl er in Quarantäne hätte sein müssen.

(Foto: imago images/Independent Photo A)

Wegen Corona-Verstößen eröffnet der italienische Verband einen Prozess gegen Bayerns nächsten Champions-League-Gegner Lazio Rom. Im Höchstfall droht der Liga-Ausschluss.

Von Oliver Meiler, Rom

Bis zuletzt hatte man auf einen Vergleich gehofft, auf etwas Außergerichtliches - vielleicht eine Geldstrafe, notfalls auch eine gesalzene. Claudio Lotito, der Vereinspräsident von Lazio Rom, soll sich am Montag noch heimlich mit den Ermittlern getroffen haben, für einen allerletzten Versuch. Doch die ließen sich nicht erweichen. Gegen Lazio, den Klubchef Lotito und gegen zwei Vereinsärzte wird es einen Prozess vor dem Gericht des italienischen Fußballverbands geben, wohl von März an. Ihnen wird vorgeworfen, im vergangenen Herbst die Regeln des Corona-Protokolls missachtet zu haben, in mehreren Fällen.

Lazio drohen Geldbußen, Punkteabzüge - und im Höchstfall sogar der Ausschluss aus Italiens erster Liga, der Serie A. Lotito persönlich könnte zudem seinen Sitz als Ratsmitglied im Verband verlieren, für immer. "Erdbeben Lazio", titelte der Corriere dello Sport, die Sportzeitung der Römer. Und das Lokalblatt Il Messaggero schrieb: "Die Hölle der Tests ist noch nicht überstanden, sie droht sogar, Lazio zu überwältigen."

Bei Ligaspielen kamen Lazio-Profis zum Einsatz, die in Quarantäne hätten sein müssen

Die Ermittlungen des Verbandes beim Gegner des FC Bayern im Achtelfinale der Champions League begannen Ende Oktober 2020. Damals kam der Verdacht auf, dass Lazio Spieler, die positiv getestet worden waren, oder Spieler, die in Kontakt mit positiv getesteten Personen waren, nicht in Quarantäne geschickt und in einigen Fällen bei Spielen aufgeboten hatte. Und das kam so: Als einziger Verein der Serie A hatte Lazio ein Labor außerhalb seiner Region mit den Testverfahren beauftragt, bei der Futura Diagnostica im süditalienischen Avellino. Offenbar war es dort billiger, und das Labor hatte Kapazitäten frei. Außerdem wurden dort auch die Abstriche der Salernitana aus der Serie B ausgewertet - und die gehört ebenfalls Claudio Lotito.

Für Verwirrung sorgte, dass Spieler, die laut Futura Diagnostica als negativ galten, bei den Tests des Uefa-Labors vor den Champions-League-Spielen gegen Brügge und Zenit Sankt Petersburg coronapositiv getestet wurden. Trainer Simone Inzaghi ließ für die europäischen Spiele jeweils die halbe Mannschaft draußen. Doch für Trainings und für die Spiele in der italienischen Meisterschaft bot er die meisten von ihnen trotzdem auf. Im Visier der Justiz steht unter anderem das Spiel FC Turin gegen Lazio vom 1. November: Ciro Immobile, als Torjäger ein Lazio-Schlüsselspieler, reiste mit, obwohl er in Quarantäne hätte sein müssen. Er wurde in der zweiten Halbzeit eingewechselt und erzielte prompt ein Elfmetertor. Lazio gewann 4:3. Auch gegen Juventus Turin war mindestens ein Spieler dabei, der gemäß Protokoll nicht hätte dabei sein dürfen.

Die Ermittler werfen Lazio und seinen Verantwortlichen nun vor, sie hätten die positiven Tests nicht, wie gefordert, den zuständigen Gesundheitsbehörden gemeldet - und damit mutwillig die Anstrengungen aller hintertrieben, einen einigermaßen sicheren Betrieb zu garantieren. Lazio kontert, das Melden sei nicht Aufgabe des Vereins gewesen, sondern jene des medizinischen Labors. Um die Futura Diagnostica kümmert sich schon die ordentliche Strafjustiz der Republik, nämlich die Staatsanwaltschaft von Avellino. Sie untersucht, ob dem Labor "fahrlässige Herbeiführung einer Epidemie" nachgewiesen werden kann.

Dieser gravierende Tatbestand wird von der Sportjustiz im Verfahren gegen Lazio nicht verhandelt. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass er in einer späteren Phase aufkommen könnte, sofern die Sportrichter das Verhalten Lotitos, der Ärzte und des Vereins als vorsätzlichen Regelbruch erachten. Und dann wäre das "Erdbeben Lazio" richtig groß.

© SZ/mok/tbr
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