bedeckt München 21°
vgwortpixel

Serie A:"Du wirst eine Epoche prägen", orakelte Buffon

Ein Cousin von Raiola hatte Gigio Donnarumma einst auf den staubigen Plätzen seiner Heimat entdeckt und nach Mailand gebracht. Mit Erfolg. Bereits mit 16 Jahren und acht Monaten absolvierte der Junge sein Debüt in der Serie A, prompt bekam er einen Stammplatz und avancierte zur Nummer 1. Mit 17 folgte dann der Einstand in der Nationalelf, im September 2016 gegen Frankreich. Seither gilt Donnarumma als designierter Erbe von Gianluigi Buffon. "Du wirst eine Epoche prägen", orakelte Buffon gegenüber dem jungen Kollegen - öffentlich, in einer Videobotschaft zu dessen 18. Geburtstag am 25. Februar.

Selten war in der Welt des Fußballs ein Eintritt ins Erwachsenenalter derart fieberhaft herbeigesehnt worden. Denn mit 18 kann Donnarumma nicht nur endlich selbst die 50 Kilometer vom Milan-Wohnheim am Giuseppe-Meazza-Stadion mit dem Auto zum Trainingsgelände in Milanello fahren. Er verfügt nun auch über seine Zukunft. Angeblich ist ja die gesamte europäische Fußballelite an dem Zweimetermann aus der Provinz Neapel interessiert. Das jedenfalls behauptet Agent Raiola, der den Wert seines Schützlings kurzer Hand auf 150 Millionen Euro festschraubte. Die angebotenen 4,5 Millionen Euro jährlich vom AC Mailand schlug Donnarumma noch am 15. Juni aus. Auf ihn schienen höhere Weihen und viel mehr Geld zu warten. Fantasiesummen standen auf einmal im Raum. Paris St. Germain soll 13 Millionen Euro geboten haben. Im Jahr.

Zuerst aber regnete es falsche Dollars auf Gigio, den Treulosen. Bei der U21-Europameisterschaft bewarfen ihn die eigenen, enttäuschten Fans damit und prompt verpassten sie ihm einen neuen Spitznamen: "Dollarrumma". Die italienischen Medien mokierten sich über die Geldgier des Talents, das sich mit den von Milan gebotenen Millionen nicht zufrieden geben wolle. Andere wollten indes nur in Raiola den bad guy sehen. Der feilsche um seinen Schützling ebenso rücksichtslos wie die Sklavenhändler im alten Rom um ihre Gladiatoren.

Am Dienstag kam plötzlich die Kehrtwende: Gigio bleibt, jubelte die Gazzetta dello Sport. Für sechs Millionen Euro im Jahr habe man das Talent überzeugen können. Buffon verdient bei Juventus vier Millionen, nur Manuel Neuer und Spaniens Nationaltorhüter David De Gea (Manchester United) bekommen höhere Jahresgehälter als das große Kind im Tor des AC Mailand. Fünf Jahre soll Donnarumma in Mailand bleiben, die Ablösesumme wurde angeblich auf 100 Millionen Euro taxiert, falls Milan am Saisonende die Champions-League-Qualifikation erreicht. Andernfalls reiche die Hälfte, um sich ein Talent zu sichern, das noch nichts gewonnen hat, außer einem Ligapokal im Wüstensand von Doha. Noch nicht einmal einen Schulabschluss.

© SZ vom 07.07.2017/chge

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite