Serie A Abschied in Liebe

Ciao Napoli: Marek Hamsik verabschiedet sich nach elfeinhalb Jahren vom SSC Neapel und wechselt nach China.

(Foto: Francois Mori/dpa)

Marek Hamsik, einer der prägenden Fußballer der vergangenen Jahre in der Serie A, wechselt nach China. Das Außergewöhnliche: In Neapel ist ihm dafür scheinbar niemand so richtig böse.

Von Ludwig Haas

Wechsel nach China gelten unter den Fußball-Transfers als verpönt. Wen es nach China zieht, so das Klischee, dem geht es eher um Geld als um Sport, der hat Sympathien verspielt. Doch in diesem Fall ist es anders. Marek Hamsik, 31, hat unter der Woche den SSC Neapel verlassen. Der slowakische Nationalspieler wechselt zu Daliang Yifang, jenem Erstligaklub, der bis vor ein paar Tagen noch vom Deutschen Bernd Schuster trainiert wurde. Aber um seine Reputation in Italien muss Hamsik nicht fürchten.

520 Spiele machte er in den vergangenen elfeinhalb Jahren in Süditalien. Obwohl er in seiner ersten Saison gleich zum Nachwuchsspieler des Jahres gewählt wurde, war 2007 kaum zu erwarten, welche Rolle Hamsik bei Napoli einmal spielen würde. Nach mehr als einem Jahrzehnt hat er sich neben Eigengewächs Lorenzo Insigne zum absoluten Publikumsliebling hochgearbeitet. Das mag zu einem großen Maße auch an seinem Auftreten liegen. Da wäre zum einen der nicht gerade unauffällige Irokesenhaarschnitt. Wie auch bei seinen beiden Fußballerkollegen Arturo Vidal und Radja Nainggolan sind mit dieser Frisur gewisse Erwartungen und Eigenschaften verbunden: Zweikampfhärte, Führungsqualität, Hingabe, selbst wenn es über die Schmerzgrenze hinausgeht. All diese Kriterien erfüllt Hamsik.

Dass diese Qualitäten in Neapel besonders angesehen sind, erklärt die Stellung sowohl innerhalb des Vereins als auch bei den Fans. Treue hat im Calcio eine besondere Bedeutung, das zeigt das bekannteste Beispiel Francesco Totti, der in seinem Leben trotz vieler Angebote nur für AS Rom spielte. Doch Hamsik ist nicht wie Insigne, Totti oder etwa Antonio Di Natale von Udinese Calcio ein Einheimischer oder schon seit seiner Jugend im Verein aktiv. Die Zustimmung der bekanntermaßen heißblütigen und emotionalen neapolitanischen Anhänger hat sich der 31-Jährige durch seine Leistungen auf dem Platz verdient. Seine vorletzte Saison beendete Hamsik als Rekordtorschütze des Klubs, überholte mit 121 Treffern im blauen Trikot Diego Maradona.

Trotz einiger bedeutender Angebote anderer europäischer Spitzenklubs blieb Hamsik Neapel stets treu, was nun auch dafür sorgt, dass sein Abschied vordergründig von Wehmut begleitet wird. Dass das in Neapel auch anders aussehen kann, zeigt das Beispiel Gonzalo Higuain. Als der Argentinier 2016 nach Turin wechselte, verbrannten Napoli-Fans öffentlich sein Trikot. Dabei war die mehrmalige Entscheidung Hamsiks zum Verbleib in Neapel nicht nur aus sportlichen Gesichtspunkten heraus interessant. Mehrmals in den vergangenen 12 Jahren war der Slowake in Kontakt mit der Mafia gekommen. Er zeigte seine Verbundenheit zum Klub trotz Überfällen auf Verwandte, Freunde und sich selbst.

In China warten auf Marek Hamsik nun angeblich etwa neun Millionen Euro Gehalt pro Jahr, das Dreifache seines Verdiensts in Italien, er hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Dass ihm der Abschied alles andere als einfach fiel, zeigt ein offener Brief, mit dem er sich über die sozialen Netzwerke an seine Fans wandte. Darin heißt es unter anderem: "Sobald wie möglich hoffe ich darauf, dass ich noch eine letzte Runde auf dem Feld im San Paolo drehen kann - um euch den Abschied zu geben, den ihr verdient. Ich liebe euch und diese Stadt für immer". Er trägt diese Liebe auch auf der Haut: "Napoli" steht als Tattoo auf seinem Oberarm geschrieben - wahrscheinlich für immer.