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Zum 75. Geburtstag von Sepp Maier:"Ein normaler Mensch wird kein guter Torwart, das ist klar"

1 BL Saison 1974 1975 Eintracht Braunschweig gegen FC Bayern München 3 1 am 05 10 1974 Torwart Se; Sepp Maier wird 75 Jahre alt - er war für seine geschmeidigen Paraden bekannt.

Sepp Maier wird 75 Jahre alt - er war für seine geschmeidigen Paraden bekannt.

(Foto: imago/Rust)

Sepp Maier ist für seine Erfolge bekannt und für seine massentauglichen Scherze beliebt. An diesem Donnerstag wird er 75 - und feiert fernab der Fußballwelt, die ihm fremd geworden ist.

Groß feiern, sagt Sepp Maier, werde er an diesem Donnerstag nicht, jedenfalls nicht seinen 75. Geburtstag. Eher schon das Leben an sich, das ihm auch nach einem Dreivierteljahrhundert viel Freude bereitet - und in dem er noch viel vorhat. Reisen will er vor allem, auch wenn er Reisen einst als Torwart des FC Bayern und der Nationalmannschaft sowie später in beiden Teams als Torwarttrainer zur Genüge erlebt hat; aber dabei hat er ja selten mehr gesehen als Trainingsplätze, Stadien und Hotelzimmer.

Längst geht es für ihn vor allem darum, zu genießen, fernab des Fußballs, den er meist nur noch im Fernsehen verfolgt. Mit seiner zweiten Ehefrau Monika Roth war er vor drei Jahren in der Arktis und kürzlich in der Antarktis. Australien und Neuseeland sollen bald folgen. Doch die Zeit rund um seinem Geburtstag verbringt Maier mit seiner Frau in seiner Ferienwohnung in Südtirol. Ganz in Ruhe, ohne große Party, nur "essen gehen, fertig", wie er sagt. Dort kann Sepp Maier, der wegen seiner geschmeidigen Paraden "Die Katze von Anzing" genannt wurde, das sein, was er seit seinem Abschied als Torwarttrainer des FC Bayern 2008 am liebsten ist: der Genießer von Meran.

Dass Josef Dieter Maier gerade so zufrieden und mit sich im Reinen auf seine bisherigen 75 Lebensjahre und seine imposante Torwartkarriere zurückblicken kann, hat viel mit ein paar Zufällen und vor allem mit einer Entscheidung zu tun, die er nur widerwillig über sich ergehen ließ. Als Jugendlicher spielte der Maiersepp beim Münchner Vorortklub TSV Haar als Stürmer und war dort Torschützenkönig. Doch als Haars Torhüter wegen eines Handbruchs ausgerechnet in einem Pokalspiel gegen den FC Bayern nicht mitwirken konnte, wurde Maier von seinem damaligen Trainer das Tor anvertraut. Auch, weil Maier nach dem Training "oft aus Gaudi" ein paar Bälle hielt. Das Pokalspiel gegen die Bayern verlor Maier bei seiner Torwartpremiere zweistellig. "Ich habe gedacht: Das war's mit dem Ausflug ins Tor. Doch Pustekuchen! Die Bayern haben mich zum Probetraining eingeladen." Maier aber wollte nicht und blieb Stürmer in Haar, "da war ich doch der König".

442 Bundesliga-Spiele ohne Unterbrechung: Darauf ist Sepp Maier "besonders stolz"

Jedenfalls bis zu einer Einladung zu einem Spiel der Oberbayern-Auswahl gegen Salzburg. "Der Betreuer kam von Bayern - und hat mich ins Tor gestellt. Wir haben 3:1 gewonnen, ich habe zwei Elfmeter gehalten, das habe ich meine ganze Karriere nicht mehr geschafft", erzählt Maier im Vereinsmagazin der Münchner, "auf der Rückreise im Bus haben mich dann die Bayern-Spieler bearbeitet. Ein paar Tage später bin ich zum Training bei Bayern gefahren."

Es war der Beginn einer bis heute beispiellosen Torwartkarriere: Maier spielte 17 Profijahre lang beim FC Bayern, den er trotz Angeboten von Schalke 04, Atlético Madrid, den Boca Juniors und vom FC Arsenal nie verließ. Maier wurde als Nationalspieler Weltmeister 1974 und Europameister 1972, je vier Mal deutscher Meister und Pokalsieger, gewann zwischen 1974 und 1976 drei Mal hintereinander den Europapokal der Landesmeister, den Vorläufer der Champions League, zudem den Europapokal der Pokalsieger 1967 und den Weltpokal 1976. Mit seinen 95 Einsätzen ist Maier noch immer Rekordtorwart der Nationalmannschaft sowie mit 699 Einsätzen Rekordspieler des FC Bayern, davon 442 in der Bundesliga ohne Unterbrechung, worauf er "besonders stolz" ist.

"Das macht mir keiner nach. Das ist mehr wert als jede Meisterschaft", sagt Maier im kicker. Ebenso, "dass ich drei Mal zum Fußballer des Jahres gewählt wurde, trotz Franz Beckenbauer, trotz Gerd Müller, trotz Wolfgang Overath, trotz Günter Netzer. Und das als Torwart!"