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Sepp Blatter und die Krawalle in Brasilien:Auch der "Kaiser" versteht es nicht

Blatter gibt sich dünnhäutig, wenn seine Herzensprojekte kritisiert werden oder gar er selbst. Bei der WM 2006 schlug ihm die Dauer-Kritik der Deutschen aufs Gemüt. Zur Pokalübergabe nach dem Finale im Berliner Olympiastadion schickte er gegen jedes Protokoll den damaligen Uefa-Präsidenten Lennart Johansson vor.

2012 bei Olympia traute er sich in London zur Medaillenübergabe und wurde ausgebuht. Seine Reaktion in einem TV-Interview: "Stars werden immer ausgebuht, also bin ich ein Star. So muss man das nehmen. Ich dachte, dass Olympia-Publikum wäre ein bisschen gebildeter."

Auch politische Korrektheit ließ er schon oft vermissen. Frauen wollte er 2004 in möglichst erotischem Outfit spielen lassen, um deren Sport zu pushen. "Lassen wir Frauen doch in anderen Tenüs spielen als Männer", sagte er tatsächlich. "Heutzutage spielen schöne Frauen Fußball." Klar, dass diese Aussagen als verunglimpfend aufgenommen wurden.

Der damalige Pressechef war bemüht, die Dinge zu relativieren. Das Interview sei falsch übersetzt worden. Sechs Jahre später offenbarte Blatter sein Verhältnis zu seinen Medienleuten: "Ich würde viel mehr sprechen, aber die Pressestelle der Fifa erlaubt das nicht", sagte er in einem dpa-Interview 2010.

Kommenden Mittwoch wird Blatter dann rechtzeitig zu den Halbfinals des WM-Testlaufs nach Brasilien zurückkehren. Und es gibt einen Termin, der ihm viel Freude bereitet: In Belo Horizonte weiht er das nächste Zentrum des Fifa-Sozialprojekts "Football for Hope" ein. Seine Worte beim Festakt werden in Brasilien sicherlich genau verfolgt werden.

Die Funktionäre und das politische Weltgeschehen - diese Verbindung ist aber auch aus deutscher Sicht nicht einfach. Während Blatter sich in Südamerika gerade aus dem Staub machte, reist Franz Beckenbauer an diesem Donnerstag als Botschafter an den Zuckerhut.

Sein Kommentar zur Lage in Brasilien lässt ebenfalls Verständnis vermissen: "Die Protest-Bilder kommen für mich überraschend," sagte der 67-Jährige der Bild-Zeitung, "kein Land liebt den Fußball mehr als Brasilien." Dass Beckenbauer sensibler auftritt als Blatter, ist also nicht zu erwarten.

© SZ.de/dpa/jbe/sonn
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