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Sepp Blatter in Bedrängnis:Unterschrieben vom P.

Der frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner erhielt TV-Rechte zum Spottpreis von der Fifa. Er sagt: Seine Gegenleistung war Wahlkampfhilfe für Sepp Blatter. Der Fifa-Boss allerdings simuliert weiter Reformeifer.

Als Sepp Blatter am 1. Juni 2011 in die vierte Amtszeit als Fifa-Präsident geschickt wurde, stand unter den jubelnden Funktionären auch Jean-Marie Weber. Nicht überall ist der Elsässer so willkommen wie in Blatters Fußballfamilie. Das Internationale Olympische Komitee akkreditiert ihn nicht mehr, denn Weber war der Mann mit dem Geldkoffer.

Fußball-Weltverband

Das zwielichtige System der Fifa

Als Chefmanager der Zuger Sportmarketingfirma ISL hatte er viele Jahre lang Sportfunktionäre aus aller Welt geschmiert. Dies war, so räumten ISL-Vertreter 2008 vor dem Strafrichter ein, das Geschäftsprinzip. Weber war der Geldbote. Verlässlich bis in den Tod: Die Namen der Empfänger, sagt er, werde er "mit ins Grab nehmen".

Das ist wohl die Sprache jener Familie, die Webers Männerfreunde Blatter und dessen Vorgänger, João Havelange, über vier Jahrzehnte kreiert haben. Und deshalb ist das, was nun aus Papieren der Schweizer Justiz zum Schmiergeldverkehr zwischen ISL und Fifa-Leuten ruchbar wurde, nur die Spitze des Eisberges.

Wolfgang Niersbach, der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sagt mit Blick auf die Fifa-Exekutivsitzung am Dienstag: "Wir sind gespannt, ob es Konsequenzen gibt. Die Sitzung wurde ja anberaumt zur Verabschiedung des Reformprozesses. Aber aus meiner Sicht wird sie davon überschattet, was jetzt aktenkundig wurde."

Gemeint ist das aktuelle Justizpapier - das aber auch nicht alle Fragen klärt. So beteuert Blatter, erwiesen sei, dass er nicht selbst kassiert habe; laut Staatsanwaltschaft sei kein Schweizer Bürger unter den Geldempfängern. Das ist richtig. Nur kann die Feststellung gar nicht den ganzen Fall umfassen.

Die Empfänger eines großen Teils der bis zu 160 Millionen Franken, die in allerlei Sportverbände flossen, sind gar nicht bekannt. An welche Personen gingen zum Beispiel die Millionen, die aus dem Ausland in die Schweiz zurückgebracht und von Weber bar verteilt wurden?

Belegt ist, dass Blatter von Bestechung wusste, spätestens seit 1997. Damals landete eine Million für Havelange auf einem Fifa-Konto. Gerade aber behauptete Blatter, er habe erst zur ISL-Insolvenz 2001 von deren Bräuchen erfahren. Selbst wenn es so wäre: Warum ließ er zu, dass sechs Jahre später die Fußball-WM 2014 an Brasilien vergeben wurde? Das geschah anno 2007, da wusste Blatter längst, dass Brasiliens Fußballchef Ricardo Teixeira zu den größten Korruptions-Sündern zählte.

Konkret liegen noch andere Dinge vor. Etwa, dass Blatter seinem Vizepräsidenten Jack Warner jahrzehntelang die WM-Fernsehrechte für die Karibik zuschanzte. Warner, bis zu seinem erzwungenen Rücktritt 2011 Chef des Nord- und Mittelamerika-Verbandes Concacaf, spielte Blatter als Gegenleistung bei Wahlen sein 40-Stimmen-Paket zu. Die Rechte-Gaben aus dem Fifa-Fundus machten ihn zum Multimillionär.

Warner hatte 2011 angekündigt, er wolle auspacken über die "überaus brutalen Präsidentschaftswahlkämpfe", die er für Blatter 1998 und 2002 geführt habe, gemeinsam mit Mohamed Bin Hammam. Der frühere Fußballchef Asiens hatte Blatter im Vorjahr herausgefordert, wurde aber selber beim Stimmenkauf in der Karibik ertappt und von der Fifa lebenslang gesperrt.

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