Fußball-WM:Senegal tanzt ins Achtelfinale

Lesezeit: 3 min

Fußball-WM: Kalidou Koulibaly (vorne) feiert das 2:1 für Senegal gegen Ecuador.

Kalidou Koulibaly (vorne) feiert das 2:1 für Senegal gegen Ecuador.

(Foto: Dylan Martinez/Reuters)

Durch einen 2:1-Sieg gegen Ecuador erreichen die Senegalesen die K.o.-Phase. Auch ohne Sadio Mané ist das Team die vielleicht beste afrikanische Mannschaft seit Jahren.

Von Martin Schneider, al-Rayyan

Selbst beim Elfmeter trommelten sie weiter. Senegals Fans hatten ein ganzes Orchester an Sabar-Trommeln im Khalifa International Stadion aufgebaut, ein Mann hatte sogar ein Saxophon durch die Sicherheitskontrollen gebracht. Was für Südafrika die Vuvuzelas sind, sind für Senegal die Trommeln, es wird getrommelt und getanzt und in der Stadt erkennt man echte Senegal-Anhänger daran, dass sie ihre Fan-Lieder zweistimmig singen. Wer es mit Senegal hält, kommt niemals aus dem Rhythmus, schon gar nicht, wenn es um alles geht. Und so lag ein Trommeln in der Luft von al-Rayyan, als Ismaila Sarr zum Strafstoß anlief. Er trippelte kurz, als würde er den Takt der Schläge aufnehmen - und dann war der Ball drin.

Sein Treffer war der Auftakt zu Senegals 2:1-Sieg gegen Ecuador und der ersehnte WM-Achtelfinal-Einzug des Afrika-Cup-Siegers, der ja bekanntlich ohne seinen besten Spieler antreten muss. Sadio Mané vom FC Bayern fiel unmittelbar vor dem Turnier aus. Senegal tat noch nicht mal so, als könnte man ihn ersetzen.

Vor vier Jahren in Russland war das Team von Trainer Aliou Cissé in der Gruppenphase noch auf die knappestmögliche Art und Weise ausgeschieden: Es unterlag dem punkt- und torgleichen Japan in der Fair-Play-Wertung, Cissés Mannschaft hatte zwei gelbe Karten zu viel gesehen. "Letztendlich haben wir es nicht verdient, so ist das Leben", sagte der Trainer damals.

Nach dem Schlusspfiff im Khalifa Stadion verschwand Cissé, der nun erst als zweiter afrikanischer Trainer überhaupt die K.o.-Phase einer WM erreicht hat, mit seinem markanten grauen Jogger sofort in den Katakomben, während Torhüter Edouard Mendy mit dem Umarmen gar nicht mehr aufhören konnte. "Das war für Senegal ein besonderer Tag. Der ganze senegalesische Fußball hat heute gewonnen", sagte Kalidou Koulibaly, Kapitän und Torschütze des zweiten Treffers. Senegals Spieler hielten nach dem Spiel ein Bild von Papa Bouba Diop hoch, der bei der WM 2002 das legendäre 1:0 gegen Frankreich im ersten Gruppenspiel schoss - er starb 2020, der 29. November ist sein Todestag. "Wahre Löwen sterben nicht", stand auf dem Bild.

Fußball-WM: Senegals Spieler halten ein Bild zu Ehren von Papa Bouba Diop in die Höhe.

Senegals Spieler halten ein Bild zu Ehren von Papa Bouba Diop in die Höhe.

(Foto: Buda Mendes/Getty Images)

Die Lage war vor dem Spiel klar: Senegal musste gewinnen, um das Achtelfinale zu erreichen. Entsprechend begann Cissés Team: In der dritten Minute legte Pape Gueye auf Idrissa Gueye ab, schon der Versuch hätte drin sein müssen. Fünf Minuten später hätte auch Boulaye Dia treffen müssen, auch er vergab, ebenso wie Pathé Ciss und wieder Ismaila Sarr, der mit seinen Leistungen bei der WM dafür sorgt, dass er bald kein englischer Zweitligaspieler beim FC Watford mehr sein dürfte.

Ecuador, das wieder mit dem angeschlagenen Top-Torschützen Enner Valencia (drei WM-Tore) antreten konnte, kam gar nicht ins Spiel, konnte gegen Senegal auch seine Körperlichkeit nicht so ausspielen, wie es noch gegen die Niederlande und vor allem Katar möglich war. Das 1:0 zur Pause nach dem Sarr-Elfmeter war verdient.

Cissé schickte seine Mannschaft anschließend mit einer viel defensiveren Ausrichtung wieder aufs Feld. Der Plan schien zunächst aufzugehen, doch dann pennte ausgerechnet Sarr nach einem Eckball: Er hob das Abseits auf, reklamierte vergebens, Moises Caicedo bedankte sich (68. Minute). Doch Senegal konterte im Gegenzug, Koulibaly, Abwehrautorität beim FC Chelsea, traf ebenfalls nach einer Standardsituation nur zwei Minuten später.

Die Fifa kürt ausnahmsweise den richtigen Spieler zum "Man of the Match"

Ecuador startete eine Schlussoffensive, und auch in der war Koulibaly der entscheidende Mann. Als die Fifa ihn nach dem Spiel zum "Man of the Match" machte, traf sie ausnahmsweise mal die richtige Wahl. In der Vergangenheit unterstellte man Teams aus Afrika gern mal - manchmal begründet, oft wegen des Klischees -, sie hätten taktische Defizite. Das trifft auf Cissés Team definitiv nicht zu. Ecuador hatte in der Schlussphase, in der es um alles ging, nicht mal eine echte Torchance, so diszipliniert verteidigten die Senegalesen. Die Enttäuschung war natürlich trotzdem groß, Spieler weinten, nachdem feststand, dass sie das Achtelfinale nicht erreichen würden, auf das sie nach dem überzeugenden Auftaktsieg gegen Katar und dem Unentschieden gegen die Niederlande beste Chancen hatten.

Weil die Niederlande im Parallelspiel gegen Katar ungefährdet mit 2:0 gewannen, zieht Senegal als Gruppenzweiter ins Achtelfinale ein und trifft auf den Sieger der Gruppe B. Das beste WM-Ergebnis erreichten die Westafrikaner 2002, damals war im Viertelfinale gegen die Türkei Schluss. Wer auch immer kommt, wird es aber mit der vielleicht besten afrikanischen Mannschaft seit Jahren zu tun haben, auch ohne Sadio Mané.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusDeutsche Nationalmannschaft
:Hansi Flick, der Puzzlespieler

Müller raus? Sané rein? Und warum eigentlich Kehrer? Das Spiel gegen Spanien zeigt eindrücklich, wie schwierig es für den Bundestrainer ist, die richtigen elf Spieler für das richtige Spiel zu finden - die Gefahr des Vercoachens lauert ständig.

Lesen Sie mehr zum Thema