Segeln:Riskantes Manöver beim America's Cup

America's Cup

Spektakuläre Szene vor der Golden Gate Bridge: Der America's Cup 2013

(Foto: John G. Mabanglo/dpa)

Mitten in der Vorbereitungsphase ändert der America's Cup seine Regeln. Die Riesen-Katamarane sollen kleiner werden. Die Segel-Veranstaltung könnte dadurch Schiffbruch erleiden.

Kommentar von René Hofmann

Der America's Cup ist eine der traditionsreichsten Sportveranstaltungen überhaupt. 1851 wurde sie zum ersten Mal ausgetragen, als Regatta um die britische Insel Isle of Wight. Auf eine größere Historie blickt keine andere Segelregatta zurück. Und wie das so ist, wenn eine Veranstaltung so alt und ehrwürdig ist: Es bleibt nicht aus, dass es mit ihr mal aufwärts geht und mal abwärts, ganz wie beim Ritt auf den Wellen auf hoher See. Nun aber sieht es so aus, als könnte der Cup kentern.

Zumindest Jochen Schümann sieht das so. "Desaster", "Ding der Unmöglichkeit", "der Cup gehört in andere Hände": Deutschlands bekannteste Segler schimpft wie ein Klabautermann über die neuen Regeln, die für die nächste Wettfahrt 2017 beschlossen wurden. Der Anlass für die Philippika: Dann sollen nicht wie geplant riesige Katamarane durch das Meer rund um die Bermuda-Inseln sausen, sondern kleinere Ableger. Schümanns Befürchtung: Diese könnten zu klein geraten, sodass der Wettbewerb nicht mehr spektakulär wirkt. Und: Die Wende kommt mitten in der Vorbereitungsphase.

Es könnten langfristig wieder mehr mitspielen

Allerdings gibt es ein gutes Argument für die kleineren Boote: Sie sind schlicht günstiger. Es könnte also sein, dass langfristig wieder mehr mitspielen wollen. Und selbst wenn das Teilnehmerfeld zunächst einmal nicht wächst, sondern erst vielleicht sogar schrumpft, könnte es von Vorteil sein, dass der Einfluss des Geldes auf den Ausgang der Rennen geringer wird. Ja, die Neuausrichtung erfolgt mitten in der laufenden Kampagne. Aber zumindest folgt sie basisdemokratischen Spielregeln. Die Cup-Verteidiger, die stets die Spielregeln bestimmen dürfen, haben die Meinung der Herausforderer eingeholt. Am Ende war die Mehrheit für die Mini-Katamarane. Ein wirklich großer Schaden in der Öffentlichkeit würde erst entstehen, wenn die Unterlegenen ihren Ärger nun eskalieren lassen und es - wie so manches Mal in der Vergangenheit - eine juristische Schlacht gibt und Richter entscheiden, was letztlich gilt.

Jochen Schümann hat recht: Für die Entwicklung eines Sports ist es am besten, wenn er klare und stabile Regeln hat. Wenn er verlässlich ist. Wenn alle früh wissen, woran sie sind, die Teilnehmer genauso wie die Zuschauer. Gleichzeitig aber übertreibt der erfahrene Seemann: An der Frage, ob die Boote 18,90 Meter lang sein sollen oder nur 13,70, wird sich die Existenz des America's Cup nicht entscheiden. Vor dem jüngsten Wettsegeln, das vor zwei Jahren vor San Francisco stieg, sah es auch schon aus, als würde die Veranstaltung Schiffbruch erleiden. Streit, kaum Boote - und dann stand es im Finale zwischen den USA und Neuseeland auch noch schnell 1:8. Am Ende triumphierten die Gastgeber dann aber doch 9:8. Und die ganze Welt schaute gebannt zu.

© SZ vom 02.04.2015
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