Sechserpack:Dezibel-Alarm in Müngersdorf

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Von Mavropanos, Carro und Tigges über Rogel und Inzaghi bis zu Ransford-Yeboah Königsdörffer: sechs Geschichten von einem langen Fußball-Wochenende

Konstantinos Mavropanos

Sechserpack: Erfolgreich und doch am Ende mit leeren Händen im Regen: Konstantinos Mavropanos traf für VfB Stuttgart - und verlor in letzter Minute gegen Wolfsburg.

Erfolgreich und doch am Ende mit leeren Händen im Regen: Konstantinos Mavropanos traf für VfB Stuttgart - und verlor in letzter Minute gegen Wolfsburg.

(Foto: Stuart Franklin/Getty)

Nach acht Spielen genauso viele Niederlagen wie Borussia Dortmund zu haben, das hätten die meisten beim VfB Stuttgart vor dem Saisonstart wohl unterschrieben. Ärgerlich ist nur, dass zu den drei Niederlagen beim VfB fünf Unentschieden kommen (im Gegensatz zu fünf BVB-Siegen), womit der Verein erneut in der Abstiegszone steht. Auswärts in Wolfsburg zeigte sich immerhin, dass die Stuttgarter ihren abgewanderten Stürmer Sasa Kalajdzic durchaus ersetzen können. Einerseits mit Serhou Guirassy im Sturmzentrum, andererseits mit Konstantinos Mavropanos in der Rolle, in der man ihn dringend braucht. Acht Spiele und zahlreiche Versuche aus der Distanz und per Kopf hatte es gedauert, nun erzielte der Grieche sein erstes Saisontor. Und weil die Stuttgarter, die gar nicht viel falsch machen, aber eben genug, um nicht zu gewinnen, weiterhin nach Verbesserungen suchen: So komisch es sich anhört, möglicherweise sollten ihre Innenverteidiger mehr Torschüsse trainieren. Felix Haselsteiner

Fernando Carro

Sechserpack: Kaum verschlüsselte Worte: Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bayer Leverkusen.

Kaum verschlüsselte Worte: Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bayer Leverkusen.

(Foto: Marco Steinbrenner/dpa)

Bayer Leverkusens erfolgloser Trainer Gerardo Seoane hat nach der 0:4-Niederlage beim FC Bayern München ein striktes Ultimatum erhalten. In der Sport1- Talkshow 'Doppelpass' sagte Bayers Geschäftsführer Fernando Carro, 58, überraschend unverblümt, dass die Mannschaft am Dienstagabend in Porto nicht verlieren sollte und am Samstag gegen Schalke gewinnen muss. Carro wörtlich: "Wir benötigen Ergebnisse, schon am Dienstag in der Champions League beim FC Porto, außerdem musst du am Samstag gegen Schalke drei Punkte holen." Sollte dies nicht gelingen, folgerte Carro: "Wir sind nicht blauäugig und auch nicht unvorbereitet." Auf die Frage, ob der beim FC Chelsea entlassene Thomas Tuchel ein Kandidat sei, antwortete Carro: "Thomas Tuchel ist ein exzellenter Trainer, mit dem Rudi Völler schon vor Jahren mal Kontakt hatte." Klingt so, als seien die Pläne weit gediehen. Ulrich Hartmann

Steffen Tigges

Sechserpack: Hinter ihm ein Haufen frustrierter Ex-Kollegen in Schwarz und Gelb: Steffen Tigges (rechts), bis zum Sommer noch in Dortmund angestellt, traf für Köln gegen den BVB.

Hinter ihm ein Haufen frustrierter Ex-Kollegen in Schwarz und Gelb: Steffen Tigges (rechts), bis zum Sommer noch in Dortmund angestellt, traf für Köln gegen den BVB.

(Foto: Ralf Treese/Imago)

Als der Name von Anthony Modeste fiel, kam es im Müngersdorfer Stadion zu einem Pfeifkonzert, dessen Dezibel-Zahl einen Polizei-Einsatz gerechtfertigt hätte. Die meisten Kölner haben dem Stürmer nicht verziehen, dass er seinen angeblichen Herzensklub kurz nach Saisonbeginn in Richtung Dortmund verlassen hatte. Es tröstet sie offenbar auch nicht, dass der Franzose dort immer noch nicht Fuß gefasst hat und wie ein Fremdkörper wirkt.

Die Wahrscheinlichkeit war dennoch groß, dass es einen "Ausgerechnet"-Moment geben würde, schließlich standen bei der Borussia zwei ehemalige Kölner in der Startelf (neben Modeste noch Salih Özcan). Und tatsächlich, der "Ausgerechnet"-Moment kam, freilich anders als erwartet: Steffen Tigges, den der FC im Sommer beim BVB als möglichen Modeste-Ersatz erworben hatte, erzielte in Modeste-Manier per Kopf das zwischenzeitliche 2:1 (56.), mit dem die Kölner das Spiel innerhalb von 150 Sekunden gedreht hatten. Und die Dezibel-Zeiger endgültig verrückt spielten. Milan Pavlovic

Agustin Rogel

Sechserpack: Zufrieden mit seinem Liga-Debüt: Agustin Rogel, Herthas neuer Arbeiter.

Zufrieden mit seinem Liga-Debüt: Agustin Rogel, Herthas neuer Arbeiter.

(Foto: Sebastian Räppold/Matthias Koch/Imago)

Er ist uruguayischer Innenverteidiger, und bei seinem Bundesligadebüt für Hertha BSC gegen die TSG Hoffenheim (1:1) führte Agustín Rogel, 24, sich ein, als wollte er einem Klischee genügen: Nach Rogels erster Aktion wälzte sich Hoffenheims Angreifer Andrej Kramaric, nach der gefühlt zweiten Aktion lag Georginio Rutter auf der Tartanbahn. Im Fall von Rutter war die Sache klar: angelegter Arm. Doch bei Kramaric war die Frage angebracht, ob er sich da etwas Respekt verschaffen wollte. "No, no, no!", lachte Rogel nach dem Spiel, "ganz ehrlich: Für mich war das kein Foul!" So oder so: Er war zufrieden mit seinem ersten Bundesligaauftritt überhaupt, nach seiner Einwechslung zur 46. Minute verlieh er der Hertha-Abwehr Stabilität und Präsenz, die Berliner kassierten mit ihm kein Tor mehr. Was ihm gelegen kommt, er feierte Tage zuvor ein weiteres Debüt, für Uruguays Nationalelf. "Ich habe die Hoffnung, zur WM zu fahren. Dafür muss ich Minuten sammeln - und meine Sache bei Hertha dann gut machen", sagte Rogel. Javier Cáceres

Ransford-Yeboah Königsdörffer

Sechserpack: Unwiderstehlich: Ransford-Yeboah Königsdörffer auf dem Weg zum Siegtreffer für den HSV.

Unwiderstehlich: Ransford-Yeboah Königsdörffer auf dem Weg zum Siegtreffer für den HSV.

(Foto: Stuart Franklin/Getty)

Noch weist Google beim Suchbegriff "Yeboah HSV" den ehemaligen Hamburger Stürmer Anthony Yeboah als ersten Treffer aus. Das ist berechtigt, denn Yeboah war früher ein ausgezeichneter Torjäger, der in seiner Karriere stolze 96 Bundesliga-Treffer vorweist. Im Algorithmus drängt neuerdings aber auch ein anderer Yeboah nach oben, dem eine große Karriere prophezeit wird: Ransford-Yeboah Königsdörffer, 21, auch er Stürmer, auch er in Diensten des HSV. Am Freitag erzielte er beim 2:1 in Hannover in der Nachspielzeit den Siegtreffer, nach einem Solo-Lauf über den halben Platz. Auch sonst ist der junge Zugang in dieser Saison einer der auffälligsten Akteure des HSV, der an der Tabellenspitze der zweiten Liga steht. Königsdörffer hätte es also verdient, den großen Anthony mal kennenzulernen; die beiden Yeboahs haben sich noch nie persönlich getroffen. Eine HSV-Aufstiegsfeier im Mai 2023 könnte ein guter Anlass sein. Thomas Hürner

Simone Inzaghi

Sechserpack: Wer schreit, hat selten recht: Inter-Trainer Simone Inzaghi bei der Heimniederlage gegen die Roma.

Wer schreit, hat selten recht: Inter-Trainer Simone Inzaghi bei der Heimniederlage gegen die Roma.

(Foto: Spada/LaPresse/Imago)

Das Schicksal schlägt meist dann zu, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Fest steht: Simone Inzaghi, der Trainer von Inter Mailand, hätte auf das Schicksal gut verzichten können. Sein Team spielt derzeit ja schlecht genug, wie bei der 1:2-Heimniederlage gegen die AS Roma erneut zu besichtigen war. Und dann traf für die Roma just der argentinische Topstürmer Paulo Dybala, der im Sommer auf gepackten Koffern saß, weil er ablösefrei bei den Nerazzurri anheuern wollte. Inzaghi höchstpersönlich lehnte eine Verpflichtung ab: Zu verletzungsanfällig, glaubte der Coach. Dybala ging also nach Rom, während Inter in eine tiefe Krise stürzte: Nur Platz neun in der Liga, in der Champions League droht das Aus in der Gruppe mit dem FC Bayern. Am Dienstag, beim Königsklassen-Duell mit dem FC Barcelona, dürfte sich daher Inzaghis berufliches Schicksal entscheiden: Bei einer Niederlage, da sind sich die italienischen Gazetten sicher, ist er seinen Job los. Thomas Hürner

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