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Vettel in Montreal:Vettel muss sich von hinten durchkämpfen

Die Laune des Wiesbadeners, der zehn Punkte hinter Hamilton auf Platz zwei in der Weltmeisterschaft liegt, war dahin. "Das war nix ganz am Ende. Ich hatte einen sehr guten Rhythmus, was dann passiert ist, kann ich noch nicht erklären. Irgendwas war da, da ging gar nichts mehr, und das hat mich sehr geärgert." Es folgte eine verbale Mutmacher-Runde: "Enttäuschend ist das, na klar. Aber es ist noch nicht alles verloren fürs Rennen. Wenn es schlecht läuft, und man wird trotzdem Zweiter, dann kann man nur sein Auto loben. Die Piste hier ist eine, auf der man überholen kann."

Um wieder in die zählbaren Ränge zu kommen, muss Sebastian Vettel reichlich überholen, oder auf das Glück einer Safety-Car-Phase zur rechten Zeit hoffen. Während sein finnischer Kollege Kimi Räikkönen sich den dritten Startplatz sichern konnte, muss sich der Heppenheimer von ganz hinten aus nach vorn durchkämpfen. Damit war für den WM-Dritten schon in der ersten Qualifikationsrunde alles gelaufen. Ausgerechnet an dem Wochenende, an dem Ferrari eine komplett überholte Fahrzeug-Aerodynamik und einen verstärkten Motor in die Aufholjagd schickte.

Offenbar handelte es sich bei dem Defekt, der den Deutschen lange in der Boxengarage aufhielt, um die gefürchteten "Gremlins" - elektronische Teufelchen, die alles lahmlegen. Das Energierückgewinnungssystem ERS soll deshalb übermäßig gezickt haben. Die Folge: Dem Ferrari fehlte es an der nötigen Power, er landete zunächst auf Quali-Platz 15 .

Zuverlässigkeit ist für gewöhnlich eine der Stärken bei den Italienern, deshalb hatte die internationale Fernsehregie über Vettels Funkspruch nach dem Ausscheiden sicherheitshalber einen langen Piepton gelegt. Wäre gar nicht nötig gewesen, behauptete der 27-Jährige: "Ich habe überhaupt nicht geflucht, ich war sehr ruhig. Das war eben ein technisches Problem, vielleicht nur ein Zehn-Euro-Teil. Ich hoffe, dass sich das bis zum Rennen beheben lässt."

In das er allerdings aus der ungünstigsten Position geht. Denn es blieb für Vettel nicht bei Startplatz 15, es kam noch schlimmer: Vettel ist mit fünf Strafplätzen und drei Strafpunkten belegt worden, weil er am Morgen bei roter Flagge im 3. Training Roberto Merhi (Manor) überholt hatte. Er startet damit aus der letzten Reihe. Und so herrschte bei ihm Frust nach der Upgrade-Offensive: "Das ist bitter für uns, ich dachte, wir wären hier näher an Mercedes dran gewesen. Aber wie nah, werde ich nicht herausfinden." Angefühlt habe sich der neue Motor schon ziemlich gut. Immerhin so eine Art moralische Pole-Position.

© SZ vom 07.06.2015/fie
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