Süddeutsche Zeitung

SD Eibar in der Primera División:Zwerg empfängt Messi

  • Der spanische Winzling SD Eibar war eigentlich schon aus der Primera División abgestiegen, doch wegen eines Gerichtsurteils ist er wieder dabei.
  • Das Stadion in Eibar fasst nur 6000 Zuschauer, über das Budget des Klubs kann Real Madrid nur lachen. Ob der Klassenverbleib dennoch gelingt?
  • Am Wochenende beginnt die Saison in Spanien, zum Spielplan geht es hier.

Von Lisa Sonnabend

Es muss jetzt alles ganz schnell gehen. Verteidiger Aleksandar Pantić traf am Mittwoch in Eibar ein. Der 23-jährige Serbe ist bereits der 14. Zugang innerhalb von nur vier Wochen. Es geht hektisch zu in dem beschaulichen baskischen Städtchen. Der Klub muss sein Team aufrüsten, doch er hat dafür kaum Zeit. Denn erst seit wenigen Tagen steht fest, dass Sociedad Deportiva Eibar nun doch in der ersten spanischen Liga bleiben darf, die am Wochenende beginnt. Viele Spieler waren da längst verkauft.

Im Mai waren auf Eibars Straßen viele traurige Gesichter zu sehen. Der Verein schloss seine erste Saison in der Primera División auf Rang 18 ab, das bedeutete: zurück in Liga zwei. Doch wegen Steuerschulden wurde der FC Elche wenig später zum Zwangsabstieg verurteilt. Elche legte Widerspruch ein, wochenlang war es ungewiss, ob Eibar nun in der kommenden Saison in der ersten oder zweiten Liga spielen würde. Ende Juli schließlich bestätigte ein Gericht die Entscheidung endgültig: Eibar bleibt.

Der Fußball-Zwerg hat also tatsächlich geschafft, was ihm vor einem Jahr kaum jemand zugetraut hatte, als er auf wundersame der Aufstieg gelang. SD Eibar ist der Verein aus der kleinsten Stadt, der je in der Primera División gespielt hat. Nie war zudem das Budget eines Klubs niedriger. Eibar hatte in der vergangenen Saison 30 Millionen Euro zur Verfügung, Real Madrid das 20-fache. Trikotsponsor ist ein örtliches Schrottunternehmen.

Niemals zuvor hatte zudem ein Erstliga-Verein in Spanien ein kleineres Stadion. Gerade einmal 5200 Zuschauer fasst das Estadio Ipurúa. Derzeit wird an der Osttribüne gewerkelt, in der kommenden Spielzeit können nun immerhin 6200 Anhänger die Partien verfolgen. Doch ausbauen lässt sich das Stadion danach nicht mehr: Hinter einer Tribüne verläuft die Autobahn, die anderen Seiten sind umrahmt von Hochhäusern. Das Tal ist viel zu schmal, um ein neue Spielstätte zu bauen.

"Wir haben Spieler, die hungrig sind"

Auch in die anderen höchsten europäischen Ligen haben sich Winzlinge geschlichen. Der SV Darmstadt 98 mischt in der Bundesliga mit, in England ist erstmals der AFC Bournemouth dabei, in Italien sind bereits gleich zwei Provinzklubs überraschend aufgestiegen: der FC Carpi und Frosinone Calcio. Doch Eibar ist mit Abstand der winzigste.

Und einer, der ziemlich kuriose Geschichten schreibt. Denn es war lange nicht abzusehen, wer den Klub in der kommenden Saison trainieren würde. Der Baske Gaizka Garitano, seit 2012 Coach, besaß einen Vertrag, der sich im Falle des Klassenerhalts automatisch verlängerte. Doch erst dachte der Klub ja, er sei abgestiegen, dann war die Lage unklar. Garitano überlegte, was er nun tun solle. Schließlich warf er hin. Er war der Meinung, er verdiene den Job nicht mehr. Nun leitet der erfahrene José Luis Mendilibar das Team, natürlich auch ein Baske. Der 54-Jährige hat schon Athletic Bilbao, Real Valladolid, CA Osasuna und UD Levante betreut.

Ob er die defensive Taktik seines Vorgängers beibehält? Ob er mit diesem Kader überhaupt eine andere Wahl hat? Eibar glänzte in der vergangenen Spielzeit nicht mit einem Sturmtrio wie der FC Barcelona, er hat keinen extrovertierten Freistoßtreter wie Cristiano Ronaldo. Nein, Eibar versuchte, die Gegner zu zermürben. Die Mannschaft steht kompakt und geschlossen, nur hin und wieder wagt sie Angriffe. In der Hinrunde der vergangenen Saison lief das überraschend gut, in der Rückrunde gelangen dann jedoch nur noch zwei Siege und zwei Unentschieden.

Zahlreiche Spieler haben inzwischen den Verein verlassen, die Defensive musste Eibar komplett neu zusammensuchen. Die meisten der 14 Zugänge sind aufstrebende Fußballer aus der zweiten spanischen Liga. Für den Angriff wurde Simone Verdi, ein Talent vom AC Mailand, ins Baskenland gelockt, ausgeliehen für ein Jahr. Wertvolle Spieler stehen weiterhin nicht im Kader. Vereinspräsident Alex Aranzábal sagt: "Stattdessen haben wir Spieler, die hungrig sind, die triumphieren wollen."

Am Montag in Granada könnten sechs Spieler in der Startformation stehen, die erst vor wenigen Tagen verpflichtet wurden. Auch in dieser Saison muss eben viel improvisiert werden in dem baskischen Städtchen. Vereinspräsident Aranzábal sagt: "Wir versuchen alles, um noch ein Jahr in der Primera División zu bleiben." Und irgendwie wird das vielleicht tatsächlich wieder gelingen.

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