Schwimmen:Voller Wildheit zum Weltrekord

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Schwimmen: "Animalischer Instinkt": David Popovici ist erst 17 - aber schon Weltmeister und neuer Weltrekordhalter im Schwimmen.

"Animalischer Instinkt": David Popovici ist erst 17 - aber schon Weltmeister und neuer Weltrekordhalter im Schwimmen.

(Foto: Andrea Masini/Imago)

Der erst 17-jährige Rumäne David Popovici stellt bei der EM in Rom einen Weltrekord über 100 Meter Freistil auf - und bestätigt seine fabelhafte Form von der WM. Für den Deutschen Schwimm-Verband holen Isabel Gose und Lukas Märtens die ersten drei Medaillen.

Von Sebastian Winter, München

Vor rund sieben Wochen, bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Budapest, hat David Popovici im Anschluss ans Finale einen schönen Satz über die 100-Meter-Freistil-Strecke gesagt. Der 17-jährige Rumäne, der eine bilinguale Schule in Bukarest besucht, sagte in geschliffenem Englisch, diese Strecke sei "voller Wildheit, für die man einen animalischen Instinkt braucht". Popovici, den einheimische Medien und Fans damals nach seinem WM-Gold über 100 und 200 Meter Freistil als neues Wunderkind des Schwimmens hochleben ließen, hat seiner erstaunlichen Vita nun ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Am Samstag unterbot der 1,90-Meter-Mann bei den Europameisterschaften in Rom den Weltrekord über 100 Meter Freistil - in einer der Königsdisziplinen des Schwimmens.

Das Erstaunliche daran ist nicht nur das Tempo, in dem der Teenager Popovici in die Weltspitze vorstößt, sondern auch die Selbstverständlichkeit, mit der er den ersten Weltrekord bei dieser EM aufstellte. Der neue Europameister schlug bei seinem Finalsieg nach 46,86 Sekunden an und war damit fünf Hundertstelsekunden schneller als César Cielo, der die alte Bestmarke bei der WM 2009, ebenfalls in Rom, aufgestellt hatte. Allerdings schwamm Cielo in einem der damals noch erlaubten Ganzkörperanzüge, die nach der WM dann verboten wurden. In den künstlichen High-Tech-Häuten wurden binnen eines einzigen Jahres weit mehr als 100 Weltrekorde aufgestellt, der Sport artete in eine Materialschlacht aus, was viel Kritik hervorrief, auch bei Athleten und Trainern.

Popovici trug nun ein enges Modell nach Art einer Radlerhose, als er zur neuen Bestmarke schwamm. Am Montagabend gewann er über 200 Meter Freistil sein nächstes Gold, verfehlte aber den 13 Jahre alten Weltrekord von Paul Biedermann. Bereits bei der WM in Budapest hatte er Gefallen am Generationenwechsel gefunden, der auch vor dem Schwimmen nicht Halt macht: "Ich mag den Gedanken, dass das hier jetzt die Zeit für die Newcomer ist. Und ich denke, wir müssen auch versuchen, für Wandel in unserem Sport zu sorgen."

Aus deutscher Sicht können das Isabel Gose und Lukas Märtens, beide auch erst 20, nur bestätigen. Die DSV-Schwimmer, die in Magdeburg zusammen mit Florian und Sarah Wellbrock trainieren und ebenfalls auch privat ein Paar sind, bescherten ihrem Verband am Wochenende die ersten Medaillen bei den kontinentalen Titelkämpfen.

Schwimmen: Die Längste auf dem Treppchen, mit Silber dekoriert: Isabel Gose (von links) lächelt neben der italienischen Europameisterin Simona Quadarella und Merve Tuncel aus der Türkei nach dem 800-Meter-Finale.

Die Längste auf dem Treppchen, mit Silber dekoriert: Isabel Gose (von links) lächelt neben der italienischen Europameisterin Simona Quadarella und Merve Tuncel aus der Türkei nach dem 800-Meter-Finale.

(Foto: Andrew Medichini/AP)

Gose hatte am Freitag über 800 Meter Freistil Silber gewonnen, der WM-Zweite Märtens machte es seiner Freundin tags darauf auf der gleichen Strecke nach. Am Sonntag wurde Gose dann Dritte über 200 Meter Freistil - es waren ihre ersten beiden internationalen Einzel-Medaillen auf der Langbahn. Märtens hatte sich, wie so viele andere Schwimmer nach der WM, mit Corona angesteckt, was auch für Gose in der gemeinsamen Wohnung ein Problem war in der EM-Vorbereitung. "Ich habe ihn im dritten Zimmer eingesperrt und dort gelassen, habe ihm immer Essen gebracht. Das hat ganz gut geklappt, wie man sieht."

Am Montag gewann zudem Ole Braunschweig, 24, über 50 Meter Rücken die Bronzemedaille. Florian Wellbrock zog unterdessen in Rom mit der fünftschnellsten Zeit ins 1500-Meter-Finale am Dienstag ein. Weltrekorde, wie bei Popovici, sind vom ebenfalls Corona-geschwächten Weltmeister und Olympiasieger nicht zu erwarten.

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