Schwimmen Verschlossene Türen

16 Jahre lang an der Spitze des Deutschen Schwimmverbandes: Christa Thiel ist nach den Misserfolgen eine Reizfigur.

(Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Der kriselnde Deutsche Schwimm-Verband will die Nachfolge für Präsidentin Thiel klären.

Ein Neuanfang hinter verschlossenen Türen: Wenn der kriselnde Deutsche Schwimm-Verband (DSV) am Samstag nach 16 Jahren mit Christa Thiel an der Spitze eine neue Führung wählt, wird die Kongresshalle am Leipziger Zoo für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Presse hat man aus einem bestimmten Grund lieber nicht dabei: Die Stimmung ist wegen der sportlichen Talfahrt, finanzieller Engpässe und interner Streitigkeiten aufgeheizt.

"Es ist zu erwarten, dass sich viel gefetzt wird. Das sollten wir vielleicht erst mal in den eigenen Reihen halten", sagte Vico Kohlat, einer der drei Präsidentschaftskandidaten. Das ist wohl auch Noch-Chefin Thiel recht, denn ihr droht ein unrühmlicher Abgang. "Es gibt Bestrebungen, sie nicht zu entlasten", verrät der zweite Präsidentschaftskandidat, Dietmar Schott: "Auf der anderen Seite wollen manche sie zur Ehrenpräsidentin machen."

Unberechenbar - das ist auch die Wahl zum neuen Oberhaupt des 600 000-Mitglieder-Verbandes. Gabi Dörries, derzeit Vorsitzende der Fachsparte Schwimmen, geht mit ihrem Team zwar als Favoritin ins Rennen, doch sicher ist die Wahl der Unternehmerin aus Elmshorn nicht. Ihr Antrag auf eine Anschubfinanzierung in den kommenden zwei Jahren in Höhe von insgesamt einem Euro pro Mitglied stößt - wie erwartet - auf Gegenwehr. Kurzfristig reichten selbst die großen Landesverbände aus Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, die Dörries die volle Unterstützung zugesagt hatten, einen Zusatzantrag ein, der dies vorerst verhindern soll.

"Da war ich schon überrascht. Das ist eine emotionale Berg- und Talfahrt", gesteht Dörries, "aber ich bin nach wie vor optimistisch gestimmt." Sollten die vier großen Verbände wie angekündigt Dörries wählen, hätten die beiden anderen Kandidaten, der aktuelle DSV-Vizepräsident Kohlat und Schott, Vorsitzender des Hamburger Schwimmverbandes, keine Chance.

Die ehemaligen Spitzenschwimmer Britta Steffen und Paul Biedermann ergriffen im Vorfeld mit einer Selfie-Aktion Partei für Dörries: In einem öffentlichen Schreiben riefen die beiden Weltrekordler dazu auf, ein Foto mit einer 1-Euro-Münze aufzunehmen und per Mail an "1eurofuergabi@online.de" zu verschicken. Die Bilder wollen Steffen und Biedermann beim Verbandstag aufhängen: "Wir sind davon überzeugt, dass eine Anschubfinanzierung notwendig ist, um die bisherigen organisatorischen Abläufe aufzubrechen und neue Strukturen zu schaffen."

Der Hamburger Unternehmer Schott sieht dagegen im Dörries-Team "kein Konzept" und entschied sich deshalb vor rund zwei Wochen für eine eigene Kandidatur. Der 63-Jährige will mit der seiner Meinung nach "tradierten Verbandspolitik" brechen und "externe Top-Leute" ins Boot holen, die sich in neuen Kommissionen einbringen sollen. Nach einem Jahr will sich Schott bei einem außerordentlichen Verbandstag an seinen Taten messen lassen und sich zur Disposition stellen.

Kohlat, bislang im DSV-Präsidium für den Bereich Recht zuständig, will bei den Einnahmen ebenfalls stärker auf die Wirtschaft zugehen. Dafür nutze der DSV derzeit viel zu wenig seine Kontakte zu ehemaligen DSV-Athleten, meint Kohlat: "Christa Thiel kommt halt aus dem Tanzen und nicht aus dem Schwimmen." Verbale Spitzen wie diese dürften viele fallen - hinter verschlossenen Türen.