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Schwimmen:Lange war er ein Einzelkämpfer - jetzt ist er Teamspieler

Dann die WM 2011 in Shanghai, die Hightech-Anzüge aus Weltraum-Fasern, von denen Biedermann mehr profitiert hatte als andere, waren inzwischen verboten. Biedermann gewann drei Mal Bronze und nahm sich vor, ab jetzt keine konkreten Ziele mehr zu benennen; bei Olympia ein Jahr später in London wurde er Fünfter. Die WM 2013 in Barcelona verpasste er wegen einer Viruserkrankung. Und als der Bundestrainer Henning Lambertz kürzlich beklagte, das deutsche Schwimmen habe "keine Galionsfiguren" mehr und könne sich auch keine schnitzen oder backen, konnte man das auch als Hinweis darauf verstehen, dass Biedermanns Bedeutung als deutscher Vorschwimmer verblasst ist.

Jetzt also Kasan. Und vorher Berlin, als WM-Qualifikation und Standortbestimmung. Die zehrenden 400 Meter Freistil lässt Biedermann weg, die 100 und 200 Meter finden am Wochenende statt. Das Ziel? Biedermann, der immer noch die zwei Weltrekorde aus der Anzug-Ära hält, der aber in diesem Leben vermutlich nicht mehr Olympiasieger wird, sagt: "Meine bestmögliche Leistung abzurufen. Und damit dann auch zufrieden zu sein."

Emotionaler Triumph bei der Heim-WM

Nach Rio, das hat er angekündigt, ist Schluss. Aber man darf sich die Karriere des Paul Biedermann jetzt nicht als eine Art Ausschwimmen vorstellen. Vor einem Jahr, am Ende seiner krankheitsbedingten Auszeit, plagten ihn Zweifel, ob er zu alt sein könnte - das ist vorbei: "Zweifel zerstreue ich täglich im Training." Und Ziele gibt es auch abseits des Olympiasiegs, das hat ihm der emotionale Triumph mit der 4x200-Meter-Freistil-Staffel bei der Heim-EM 2014 in Berlin vor Augen geführt.

Früher war Paul Biedermann ein Einzelkämpfer, einer, der dank seiner Verdienste weitgehend unbehelligt vom Verband sein Ding machen durfte. Jetzt will er Mannschaftsspieler sein, regelmäßig trifft er sich etwa mit den Staffel-Kollegen Christoph Fildebrandt, Robin Backhaus und Florian Vogel, um die Abläufe zu optimieren. Staffel-Medaillen sind auch Medaillen. Dass er in diesem Frühjahr offenbar nicht so schleppend in Form kommt wie sonst immer, nennt der Bundestrainer Lambertz "eindrucksvoll". Trotzdem: Am Sonntag sollte er über die 200 Meter Freistil noch mal schneller sein. 1:47,49 - im weltweiten Vergleich liegt er damit nur auf Rang 13 der Jahresbestenliste.