Missbrauch im Schwimmen:"Täglich kommen neue Fälle hinzu"

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Missbrauch im Schwimmen: Jan Hempel 1997 bei den Europameisterschaften in Sevilla. In diesem Jahr will er Funktionäre des Deutschen Schwimm-Verbands über die Missbrauchsvorwürfe informiert haben.

Jan Hempel 1997 bei den Europameisterschaften in Sevilla. In diesem Jahr will er Funktionäre des Deutschen Schwimm-Verbands über die Missbrauchsvorwürfe informiert haben.

(Foto: Christof Stache/AP)

Der Wasserspringer Jan Hempel ist kein Einzelfall: Beim Deutschen Schwimm-Verband haben sich nach Veröffentlichung der Missbrauchsvorwürfe weitere mutmaßliche Opfer gemeldet.

Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe des früheren Weltklasse-Wasserspringers Jan Hempel, 51, gegen seinen früheren Trainer sind dem Deutschen Schwimm-Verband weitere Fälle gemeldet worden. "Immer noch kommen täglich Fälle dazu. Wie viele kann ich nicht sagen", sagte DSV-Leistungssportdirektor Christian Hansmann am Sonntag bei den Europameisterschaften in Rom. "Es haben sich bei unserer Präventionsbeauftragten viele Geschädigte und Opfer gemeldet. Das heißt, das wird jetzt alles zusammengetragen und dokumentiert, um eben auch zu zeigen, wie wir intern damit umgehen." Hansmann betonte, dass allen Fällen nachgegangen werde.

In einer Dokumentation der ARD unter dem Titel "Missbraucht - Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport" hatte Hempel, der Olympia-Zweite von Atlanta 1996, in bewegenden Worten über Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen seinen inzwischen gestorbenen früheren Trainer Werner Langer berichtet. Von 1982 bis 1996 sei er von Langer immer wieder sexuell missbraucht worden. 1997 informierte Hempel nach eigenen Angaben die damalige Bundestrainerin über die Vorkommnisse. Er wirft dem Deutschen Schwimm-Verband vor, damals falsch mit der Situation umgegangen zu sein. Bereits am Donnerstag stellte der DSV daraufhin den Wassersprung-Bundestrainer Lutz Buschkow vorläufig frei, der bereits 1997 im DSV tätig war und laut Hempel von den Vorwürfen wusste, aber nichts unternahm.

Drohen Verbänden finanzielle Konsequenzen bei Untätigkeit?

"Natürlich sind die Vorwürfe sehr schwerwiegend. Wir prüfen sie sowohl intern als auch mit einer Beratung extern", sagte Hansmann. Er verwies auf zahlreiche Angebote des Verbands für Betroffene. "Wir sind daran vorzubeugen, dass es eben nicht wieder passiert", sagte er. "Wir sind dabei, die Trainerausbildung zu revolutionieren, dieses Thema sexualisierte Gewalt mit reinzubringen von der Landesebene bis zur Bundesebene." Hansmann ergänzte: "Es muss eine verpflichtende Schulung für Mitarbeiter im DSV geben. Es gibt bereits einige Angebote. Wir müssen das jetzt noch stärker forcieren und eben auch zur Pflicht machen, um dem vorzubeugen und das nicht wieder geschehen zu lassen."

Die Politik erhöht derweil den Druck und droht mit der Streichung öffentlicher Fördermittel. Das deutete jedenfalls Mahmut Özdemir (SPD), der für den Sport zuständige Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, in einem am Sonntag veröffentlichten Beitrag der ARD-Sportschau an. Ein Verband, der sich nicht an Auflagen und Bedingungen für Fördermittel halte, "der sexualisierte Gewalt, Doping oder andere interpersonelle Gewalt duldet, nicht aufklärt, vertuscht - solche Verbände dürfen keinen Cent von Steuermitteln bekommen", sagte Özdemir, ohne allerdings den DSV konkret eines dieser Dinge zu beschuldigen. DSV-Sportdirektor Christian Hansmann hatte bereits zuvor am Rande der Schwimm-Europameisterschaften in Italien gesagt, es könnte Konsequenzen für den Verband wie finanzielle Einschnitte geben: "Das ist natürlich zu befürchten."

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