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Krise im Schwimmsport:Wir leiden!

Bundestrainer Hannes Vitense und Bernd Berkhahn

Haben genug vom Chaos im DSV: die Bundestrainer Hannes Vitense (links) und Bernd Berkhahn (rechts).

(Foto: Jo Keindl/dpa)

Chaos, Intransparenz, "Krise zur Unzeit": In einem offenen Brief an den Präsidenten des Deutschen Schwimm-Verbands erheben Bundestrainer und Sportler schwere Vorwürfe. Unterstützt werden sie von Franziska von Almsick und Britta Steffen.

Von Claudio Catuogno

Drei Monate vor den Olympischen Spielen in Tokio eskaliert die Lage im deutschen Schwimmen. In einem offenen Brief an den Vorstand des Schwimm-Verbands DSV, insbesondere an den neuen Präsidenten Marco Troll, kritisieren die wichtigsten Bundestrainer der Beckenschwimmer, aber auch Ehemalige wie Franziska van Almsick, Britta Steffen und Paul Biedermann, die "bedenklichen Zustände in der Führung des Verbandes" sowie zahlreiche "Fehentscheidungen" der vergangenen Wochen. Und sie stellen die Grundsatzfrage: "Wir fragen uns ernsthaft, wie auf dieser Grundlage zukünftig eine Zusammenarbeit und Kommunikation aussehen soll?"

Auch die Athletensprecherin Sarah Köhler hat den Brief unterzeichnet, die aktuelle WM-Zweite über 1500 Meter Freistil und Medaillenhoffnung für Tokio, außerdem die Betriebsratsvorsitzende und weitere Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle. Eine so massive Front gegen einen ehrenamtlichen Vorstand gab es wohl noch nie in einem deutschen Spitzenfachverband. Aber auch die Vorwürfe sind massiv: Vor allem "wir Trainer*innen, wir Athlet*innen und auch große Teile des hauptamtlichen Personals" würden unter einer "Krise zur Unzeit" leiden, heißt es, wie es sie "zuvor im DSV noch nicht" gegeben habe - "verursacht durch den Vorstand, durch Sie selbst".

Kommunikation finde nicht statt, Briefe blieben unbeantwortet, fragwürdige Vorgänge rund um die fristlos Kündigung des bisherigen Direktors Leistungssport, Thomas Kurschilgen, würden nicht erklärt - und auch die für Tokio so wichtige Frage einer Nachbesetzung komme nicht voran. Die Hängepartie um Olympiasieger Michael Groß, der hier seine Hilfe angeboten hatte, sei inzwischen "rufschädigend".

Zwölf konkrete Fragen werden gestellt, auch zur aus Sicht der Unterzeichner um Chef-Bundestrainer Bernd Berkhahn offenbar prekären Finanzsituation des DSV. "Es fällt uns schwer, in Ihrem Krisenmanagement und Ihrer Kommunikation ein strukturiertes und zukunftsweisendes Vorgehen zu erkennen", heißt es weiter. Auf die Antwort des DSV-Präsidenten darf man gespannt sein. Wenn es denn eine gibt.

© SZ/sjo/ska
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