Schwimm-WM in Südkorea:Wie reden über das Schwimmen?

Der neue Sportdirektor Kurschilgen und der neue Teamchef Berkhahn haben zu alldem wenig gesagt in den letzten Monaten, womöglich zu wenig, und Hannes Vitense aus Neckarsulm, bei dem als neuem sogenanntem Teamcoach nun die fachliche Konzeption, Steuerung und Führung liegen, musste die Reise nach Südkorea wegen einer Erkrankung stornieren. Bloß: Wie soll man gerade öffentlich reden über das gegenwärtige Schwimmen, ohne es immer gleich von seiner jüngeren Vergangenheit abzugrenzen?

Also ohne schmutzige Wäsche zu waschen? Mitte vergangener Woche, da hatte er bereits die ersten Schlagzeilen vom angeblichen Planlos-Verband DSV lesen müssen, hatte Kurschilgen dann aber doch genug. Im Interview mit der SZ rief er Lambertz ein paar Dinge hinterher: seine "absurden Normen", seine "gnadenlose Konzeptdoktrin", den Umstand, dass er die erfolgreichsten Trainer "ausgegrenzt" habe. Trainingssteuerung heiße eben nicht, sagte Kurschilgen, dass es einen "Obercoach" geben müsse, "der sich als besserer Trainer versteht und permanent in die tägliche Arbeit seiner kompetenten Kollegen eingreift".

Peng. Und schon ist man wieder mitten drin in einer dieser Stil- und Führungsdebatten, die die Schwimmer doch eigentlich hinter sich lassen wollten. In "Pippi-Langstrumpf-Manier" mache sich Kurschilgen die Welt, wie sie ihm gefalle, antwortete wiederum Lambertz. Übrigens sei auch kein Trainer ausgegrenzt worden, es hätten sich nur manche "nicht integrieren wollen". Und: "Jeder gute Trainer wird polarisieren. Entscheiden heißt verletzen."

Die Wunden heilen derzeit noch zu. Ein Wort, das dabei wieder wichtiger geworden ist im DSV, lautet: Vertrauen. Im Kleinen, weil nun kein Cheftrainer mehr jede absolvierte Kniebeuge abfragt. Aber auch im Großen, weil jetzt kein Athlet mehr Weltjahresbestzeit in der Quali schwimmen musste, um in Gwangju dabei zu sein. Das Team ist viel größer als 2017. In der Theorie haben sich alle störungsfreier vorbereiten können ohne die Lambertz'schen Hardcore-Normen. Aber Gewissheit, ob sich das auszahlt, hat man natürlich nicht.

Schwimm-WM in Südkorea: Umstritten: Henning Lambertz.

Umstritten: Henning Lambertz.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Besuch zum Beispiel in Neckarsulm, bei Fabian Schwingenschlögl, 27, dem besten Deutschen über 100 Meter Brust. Er soll mit der Lagenstaffel die Olympia-Qualifikation schaffen. Schwingenschlögl arbeitet halbtags als Fertigungsplaner - so ist das im deutschen Schwimmen, leben kann davon kaum einer -, aber er war zuletzt oft freigestellt, etwa für Höhentrainingslager. Also, wie ist die Form? "Da muss noch ein bisschen was kommen." Klingt ja nicht so optimistisch ... Doch, schiebt Schwingenschlögl schnell hinterher: "Ich habe noch nie so hart trainiert! Jetzt ein paar Tage Pause", hofft er, "dann bin ich auf einem ganz neuen Level."

Und Philip Heintz berichtet Ende Juni in Heidelberg von seiner Erleichterung, dass er diesmal "nicht, um mich zu qualifizieren, schon alle Körner verbrauchen musste". Er peilt eine Zeit in Richtung der ersehnten 1:55 Minuten an. "Die Speicher sind voll."

Ob das alles klappt? Und wofür es dann gut ist im internationalen Vergleich, gegen Amerikaner, Chinesen, Australier? Klar ist ja auch: Es ist noch keine einzige Medaille gewonnen dadurch, dass im deutschen Schwimmen jetzt wieder ein konstruktives Miteinander herrscht.

Obwohl, doch, eine, die aber schon hundertmal. In Philip Heintz' Kopf.

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