Singapur, das ist das Land der Gegensätze: Wer schon mal ganz oben in der 57. Etage des Schnäppchenhotels Marina Bay Sands (knapp fünf Milliarden Euro Baukosten) einen Singapore Sling geschlürft hat, weiß warum. Direkt neben der Bar badet man bis Mitternacht im weltgrößten Rooftop-Infinity-Pool – aber nur als Hotelgast, wie in der Premier Suite für schlappe 2500 Euro die Nacht.
Aber der Ausblick ist nett, Wolkenkratzer-Finanzzentrum, das drittgrößte Riesenrad der Welt (in den Kapseln gibt es auch Hummeressen), Tanker und Ölraffinerien. Hier trifft sich also die aufgebrezelte Upper-Class eines der reichsten Länder der Erde. Und hier machen auch Touristen – oder die schwedischen Wasserspringer – Selfies. Aber für jene Einheimischen, die für all die Geschäftsleute und Besucher kochen, deren Zimmer sie machen oder sie mit dem Taxi von A nach B bringen, ist das hier eine verschlossene Welt. Der Mindest-Monatslohn für Reinigungskräfte? 800 Euro.
Sie essen eher in den Hawker-Märkten, die sich überall in der Stadt verteilen. Wunderbare Orte sind das, an denen man an kleinen Ständen für drei, vier, fünf Euro hervorragendes chinesisches, indisches, malaysisches oder indonesisches Essen bekommt und es an großen runden Tischen mit Hockern verzehrt.
Drei Kilometer Luftlinie von der wohl spektakulärsten Aussichtsplattform der Stadt entfernt liegt der gigantische Sportkomplex. Drei Wochen lang war er Schauplatz der Schwimm-WM. Die Ticketpreise? Nicht erschwinglich für Singapurs Unterschicht. Wenn dort spätabends dichtgemacht wird, ist der schnellste Weg, noch etwas zu essen zu bekommen: nach Geylang. 15 Minuten Fußweg – und schon ist man im Sündenviertel Singapurs. Überall blinkt es aus Hunderten Läden, Märkten, Obstständen, Bars. Und wer zum Friseur will, hat hier die Qual der Wahl, selbst nachts. Allerdings bieten diese im Hinterzimmer offenbar noch ganz andere Extras. Waschen, Schneiden, Föhnen – Legen?
Wer hier mitten im (von den Behörden geduldeten) größten Rotlichtviertel Singapurs beispielsweise einen Papayasalat vertilgt, bekommt gratis noch freien Blick auf die ein oder andere Ratte oder Kakerlake, die unter dem Tisch oder am Obststand entlangläuft.
Am Ende einer Singapur-Reise ist dann für viele Passagiere noch Zeit am Flughafen. Sie können sie am 40 Meter hohen, größten Indoor-Wasserfall der Welt verbringen. Oder in den Pool samt Jacuzzi springen, Eintritt umgerechnet 17 Euro, Handtücher sind inklusive. Direkt daneben liegt Singapurs berüchtigtes Gefängnis. Dort warten Häftlinge auf die Prügelstrafe – und auf den Tod durch den Strang.



