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Schwimm-WM:Ein kleiner Dopingunfall zu viel

Sun Yang, Mack Horton, Gabriele Detti

Kein Handschlag, kein gemeinsamer Gang aufs Podest: Der Australier Mack Horton (links) setzt auf Konfrontation mit Sun Yang (Mitte).

(Foto: Lee Jin-man/AP)

Weil der Chinese Sun Yang trotz zerstörter Dopingprobe seinen WM-Titel verteidigen darf, protestieren immer mehr Schwimmer lautstark. Aber der Weltverband ist in Sachen Anti-Doping ein hoffnungsloser Fall.

Dass der hier schwimmt, ist eine Frechheit für jeden, der für den sauberen Sport einsteht", sagte am Montag Jacob Heidtmann, der Athletensprecher der deutschen Schwimmer, bei der WM in Gwangju. Dass der Chinese Sun Yang, Olympiasieger und Serien-Weltmeister, seinen Titel über 400 Meter Freistil verteidigen durfte, sei "ein Schlag ins Gesicht. Das frisst alle im Team an, und alle waren froh, dass endlich mal ein Zeichen gesetzt wurde". Derart deutliche Worte hat man früher kaum von Athleten gehört - es war jene für die Verbände behagliche Zeit, in der sie einfach so tun mussten, als würden sie Doping ernsthaft bekämpfen, dann lief der Betrieb. Doch inzwischen begehren immer mehr Athleten auf gegen Kollegen, die ihnen trotz Dopingvergangenheit und/oder aktueller Verdachtslagen die Finalplätze, Medaillen und Prämien streitig machen. Das Zeichen, das Heidtmann guthieß, hatte der Australier Mack Horton gesetzt. Der Silbergewinner hatte nach Sun Yangs Sieg den Gang aufs Podest ebenso verweigert wie das Foto der Medaillengewinner. Er hoffe, dass dieses Zeichen nun mal "ausreicht, damit der Weltverband einsieht, dass Sun Yang eigentlich nie wieder auf so einer Bühne stehen darf", sagte Heidtmann. Die Hoffnung dürfte sich nicht erfüllen. Zwar sprach die Fina eine Verwarnung aus - aber gegen Horton und den australischen Verband. Wegen Missachtung des Zeremoniells.

Sun Yang zertrümmerte mit dem Hammer eine Dopingprobe - und die Fina sprach ihn frei

Im September 2018 hatte Sun Yang bei einer Dopingkontrolle eine zuvor abgegebene Blutprobe von einem Vertrauten mit einem Hammer zertrümmern lassen. Und er hatte über Stunden eine Urinprobe verweigert, weil ihm die Zulassungspapiere des Kontroll-Assistenten nicht genügten. Erst nach Ende der WM muss Sun Yang deshalb vor den Sportgerichtshof Cas - als mutmaßlicher Wiederholungstäter: Schon 2014 war er mit einem Positivtest aufgefallen, vom Weltverband Fina aber bloß diskret für drei Monate gesperrt worden. Und in der Hammer-Causa von 2018? Da hatte die Fina ihren Schwimm-Helden sogar freigesprochen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hat dagegen Einspruch eingelegt.

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Die Olympiasiegerin Lilly King aus den USA erzählte am Montag, Horton sei bei seiner Rückkehr ins Athletendorf mit Ovationen begrüßt worden: "Der ganze Essenssaal hat vor Applaus gebebt, es war großartig zu sehen, dass die Sportler in seiner Haltung vereint sind." Und selbst wenn da mancher, der applaudiert hat, selbst ein dunkles Geheimnis haben mag: In anderen Verbänden würde so ein Signal der Aktiven womöglich Eindruck machen. Die Fina ist aber ein hoffnungsloser Fall. Sie twitterte nach dem Rennen sogar euphorisch: "SUN YANG made 4 in a row": Sun Yang sei nun "der Erste in der Geschichte", der die 400 Meter Freistil bei Weltmeisterschaften viermal nacheinander gewinnen konnte. Toll! Schon im Zusammenhang mit Sun Yangs Mini-Sperre 2014 hatte der Fina-Generalsekretär Cornel Marculescu seine Prioritäten zu erkennen gegeben: Man könne die "Stars nicht von der Schwimm-WM ausschließen, nur weil sie einen kleineren Unfall mit Doping hatten". Manchmal erweist sich eine vermeintliche Beule erst im Nachhinein als Totalschaden.

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