Schwimm-WM in Shanghai Das große Rätsel um Britta Steffen

Superschnell im Training, im Becken langsam wie lange nicht: Der WM-Auftritt von Britta Steffen in Shanghai gibt große Rätsel auf. Deutschlands Vorzeigeschwimmerin kann den plötzlichen Leistungsabfall nicht erklären - ihre Teamkolleginnen werfen ihr mangelnden Teamgeist vor.

Von Carsten Eberts

Was Bundestrainer Dirk Lange vor einigen Tagen sagte, klingt mittlerweile fast wie Hohn. Er habe noch "nie eine Frau schneller schwimmen sehen" als Britta Steffen, verkündete Lange euphorisch. Er meinte Steffens Trainingszeiten, die nach allgemeinem Vernehmen wirklich herausragend waren. Diese WM sollte die Rückkehr von Steffen werden, so viel war klar.

Keine WM-Starts mehr: Britta Steffen in Shanghai.

(Foto: dapd)

Nun, am Donnerstag danach, ist die WM für Steffen bereits vorbei. Nach dem enttäuschenden 16. Platz in den Vorläufen über 100 Meter hat sie alle weiteren Starts abgesagt. Verwundert über die eigene Leistung, ratlos und enttäuscht. "Ich habe alles gegeben, was drin war. Es ging nicht mehr, leider", sagte Steffen: "Ich glaube, dass man in dieser Situation erst mal wirklich schlucken muss, verdauen muss, um dann zu gucken, was kann es gewesen sein."

Diese Frage stellt sich tatsächlich: Denn plausible Gründe für ihre schlechte Zeit gibt es nicht. Nach diversen rätselhaften Infekten hatte Steffen zwar 22 Monate keine Wettkämpfe im 50-Meter-Becken absolviert. Sie hatte sich jedoch Zeit genommen, das Training langsam intensiviert, sich gezielt auf diese WM vorbereitet. Steffen schwamm zuletzt wieder schnelle Zeiten, und: Sie fühlte sich vor allem auch mental stark.

An zwei WM-Titel wie noch 2009 dachte die Doppel-Weltmeisterin, Doppel-Olympiasiegerin und Doppel-Weltrekordlerin freilich nicht. Das wäre auch vermessen gewesen. Auf Augenhöhe mit der Weltspitze sah sich Steffen jedoch schon, liebäugelte mit einer Medaille, auch wenn diese nicht golden werden würde. "Ich bin zurück", verkündete sie noch wenige Tage vor dem WM-Start im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Viele glaubten ihr das.

Und nun diese WM-Zeiten. 54,86 Sekunden über 100 Meter - diese Zeit schwimmt Steffen eigentlich im Schlaf. Haben die Athletin und ihr Trainerstab in der Selbsteinschätzung wirklich so fatal danebengelegen? Der plötzliche Leistungsabfall ist an sich nicht zu erklären. Irgendwo zwischen Trainingsbecken und WM-Arena sind Steffen die schnellen Arme und Beine abhandengekommen. Wird nicht noch ein medizinischer Grund präsentiert, könnte es für immer ein Mysterium bleiben.

Auch Steffen äußerte sich in diese Richtung. "Wir waren in einer Super-Form, ich hab ein gutes Gewicht, ich habe mich bombig entwickelt, was die Ausdauer anbelangt, die Kraft", erklärte Steffen: "Ich war sehr zuversichtlich, ich habe mit meiner Mentaltrainerin gearbeitet. Ich kann mir in keiner Hinsicht einen Vorwurf machen."

Sie sagte aber auch: "Wahrscheinlich muss Britta Steffen jetzt eben auch mal lernen, dass es nicht immer nur gutgeht, wenn man gut vorbereitet ist. Es kann auch genauso gut anders sein. Du kannst super vorbereitet sein und es kann trotzdem nicht funktionieren."

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