Schwimm-WM "Die härtesten Wettkämpfe meines Lebens"

Wasserspringer Patrick Hausding: In Budapest beeindruckend konstant.

(Foto: Jens Büttner/dpa)
  • Patrick Hausding springt bei der WM in Budapest vom Drei-Meter-Brett zu Silber.
  • Das ist seit 28 Jahren keinem Deutschen mehr gelungen.
  • Bei der EM in Kiew vor einem Monat war Hausding im Vorkampf ausgeschieden.
Von Saskia Aleythe

Patrick Hausding hat jetzt ein Problem. Sieben Mal hat er in den zurückliegenden sieben Tagen bei der WM in Budapest seinen Job als Wasserspringer erfüllt und man braucht nur wenig Vorstellungskraft, um zu erkennen: Das ist ziemlich viel. "Er schläft wahrscheinlich in der Umkleide", sagte ein italienischer Kommentator. Als Hausding am Donnerstagabend seinen Wettbewerbsmarathon mit der zweiten Medaille beendete, merkte er: "Wenn ich meinem Trainer jetzt zu Hause nach einer Sechs-Tages-Woche sage, ich kann nicht mehr, dann lüge ich ja."

"Silber ist unglaublich"

Es gibt genau einen deutschen Wassersportler, der bei Olympia in Rio de Janeiro eine Medaille holte. Kein Freiwasser- oder Beckenschwimmer war das, die Wasserballer hatten sich erst gar nicht qualifiziert, der einzige deutsche Medaillengewinner hieß: Patrick Hausding. Und nun, elf Monate später? Sprang der Berliner vom Drei-Meter-Brett zu Silber, was seit 28 Jahren kein Deutscher mehr geschafft hat.

"Ich wäre mit den Top sechs zufrieden gewesen. Silber ist unglaublich", sagte der 28-Jährige danach, aber auch: "Das waren die härtesten Wettkämpfe meines Lebens." Er war fast zu erschöpft zum Jubeln. Schon am Montagabend hatte er mit seinem Synchronpartner Sascha Klein Bronze vom Zehn-Meter-Turm gewonnen. Es ist gut möglich, dass auch nach diesen Weltmeisterschaften weiterhin gilt: Patrick Hausding ist derzeit der erfolgreichste Deutsche im Wasser.

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Es soll leicht aussehen, doch im und über dem Wasser leisten die Athleten Schwerstarbeit. Bei der Schwimm-WM in Budapest begeistern die Synchronschwimmer und -springer die Zuschauer.

Er war noch gar nicht wieder aufgetaucht, da schoss sein Heimtrainer Christoph Bohm schon mit energischen Jubelschreien in die Höhe, Bundestrainer Lutz Buschkow pfiff und klatschte neben ihm, Umarmungen folgten. In sechs Sprüngen war Hausding ohne Patzer geblieben, "das war der Drei-Meter-Wettkampf meines Lebens", meinte er selber, Buschkow fand: "Er ist einer der vielseitigsten Springer der Welt." Er hatte in der Gesamtwertung noch 28 Punkte mehr erreicht als in Rio, sogar Chinas Weltmeister Xie Siyi (547,10) hatte nun nur 20 Punkte Vorsprung. Was umso erstaunlicher war: Vor einem Monat bei der EM in Kiew war er im Vorkampf ausgeschieden.

Ein Rückenklatscher hatte ihm damals die Wettbewerbe vermiest. "Es ist kurz ein Taubheitsgefühl, dann fängt es an zu brennen", sagte er neulich der Welt, Fehler im Wasserspringen bedeuten auch immer Schmerzen. Die schlimmsten liegen bei Hausding mittlerweile fünf Jahre zurück. Damals kam er beim Absprung vom Turm noch einmal mit den Füßen auf der Plattform auf, landete aus zehn Metern waagerecht mit dem Bauch auf dem Wasser. Die Bauchdecke war stellenweise aufgeplatzt, "ich musste husten und habe Blut gespuckt".

Erste Einzel-Medaille bei Weltmeisterschaften

Gesprungen ist Hausding trotzdem immer weiter, er wurde Rekord-Europameister. Die WM-Silberne vom Donnerstagabend ist für ihn etwas Besonderes: Es ist seine erste Einzel-Medaille bei Weltmeisterschaften. In den Wochen nach dem Rückenklatscher suchte er nach seiner Selbstsicherheit, die er nun pünktlich zur WM wiederfand: "Ich hatte wieder dieses coole Auftreten."

Bundestrainer Buschkow nennt ihn "Kampfschwein": "Er hat gezeigt, dass er körperlich belastbar und metal sehr stark ist." Allein der Vorkampf am Mittwoch hatte vier Stunden gedauert, insgesamt befand sich Hausding in der vergangenen Woche 20 Stunden in Wettkämpfen.

Zur Erholung gibt es nun eine Reise nach Kroatien. Dreieinhalb Wochen will Hausding mit seinem Drei-Meter-Synchron-Partner Stephan Feck die Adria erkunden. Aber, das ist klar: "Nicht reinspringen, nur im Wasser rumliegen."

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