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Schwimm-Weltverband:Mitverschwörer beim Gala-Dinner

Lächeln in eigener Sache: Der umstrittene Fina-Vize Hussein al-Musallam, Präsident Julio Maglione und Exekutivdirektor Cornel Marculescu (von links).

(Foto: Zoltan Balogh/AP)
  • Bei der Schwimm-WM in Budapest wird auf dem Kongress des Weltschwimmverbandes Fina ein neuer Vizepräsident gewählt, der unter Korruptionsverdacht in mehreren Fällen steht.
  • Das ganze Treffen wird zu einer skurrilen Veranstaltung.
  • Sollte der Vize eines Tages Präsident werden, würde die Fina wohl endgültig in den Strudel der Weltsportskandale hineingesogen.

Was für ein Abend! "Das prunkvolle Ambiente nahm den meisten Gästen den Atem, ebenso wie das schöne Programm, das ihnen vom Orchester und den Sängern der Staatsoper dargeboten wurde." Gounod, Mozart, Puccini. Und nicht zu vergessen: "Die angesehenen Gäste an den Tischen rangierten in der Sportwelt auf ebenso hohem Rang wie die vorgenannten Komponisten in der Welt der Musik."

Ja, so war das beim Gala-Dinner des Schwimm-Weltverbands Fina am Samstagabend, jedenfalls steht es so in der Zeitung, die die Fina täglich selbst herausgibt anlässlich ihrer WM in Budapest. Die Veranstaltung war nicht öffentlich. Dass die Fina-Zeitung den Namen Water Wonder trägt, passt allerdings in den Kontext: An Wunder kann man glauben - oder nicht.

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Eher war es wohl so, dass die Honoratioren der olympischen Familie im Magyar Állami Operaház mal wieder so taten, als gebe es die Welt da draußen nicht. Die Welt, in der Ermittlungsbehörden auf dem ganzen Globus damit begonnen haben, die Sportsümpfe trockenzulegen, in denen Korruption, Misswirtschaft und Dopingvertuschung gedeihen. Vor allem viele Fußballfunktionäre landen derzeit in Haft. Und weil es in Wahrheit karge Zellen sind, die ihnen den Atem nehmen (Opernhäuser sind sie gewohnt), kommen viele von ihnen ins Plaudern. Das Netz zieht sich zu.

Die Gästeliste von Budapest dürfte auch das FBI interessieren

Die Gästeliste von Budapest jedenfalls dürfte auch das FBI interessieren. Da war der kuwaitische Scheich Ahmed al-Sabah, berüchtigter Strippenzieher, Chef aller olympischen Komitees der Welt, Vertrauter von IOC-Präsident Thomas Bach; in einer Anklage der US-Justiz wird al-Sabah als "Mitverschwörer Nr. 2" in einem Korruptions- und Geldwäsche-Verfahren geführt. Da war Hussein al-Musallam, olympischer Multifunktionär wie al-Sabah, gerade vom Fina-Kongress als erster Vizepräsident bestätigt. In dem US-Verfahren ist er "Mitverschwörer Nr. 3" ( SZ vom 20.7.).

Und mittendrin mal wieder: Bach. Der deutsche IOC-Chef bekam im Opernhaus den Fina-Orden verliehen - die höchste Auszeichnung der Schwimmfamilie, die allerdings etwas Glanz eingebüßt hat, seit Fina-Präsident Julio Maglione sie 2014 Wladimir Putin andiente, für dessen "Beitrag zur Brüderlichkeit zwischen den Nationen". Al-Sabah erhielt am Samstag den angeblich kaum weniger prestigeträchtigen Orden "Fina Prize". Der glücklichste Mann von allen war aber der Uruguayer Maglione selbst, der vom Wahlkongress am Nachmittag in eine dritte Amtszeit geschickt worden war. Mit 81 Jahren.

Eigentlich war der einstige Schwimmer Maglione 2009 ja mit dem Versprechen angetreten, in der Fina eine Altersbeschränkung für das Führungspersonal einzuführen. 2015 hatte er diese Altersbeschränkung dann wieder abschaffen lassen.

Water Wonder titelte am Tag danach, der Fina stehe "eine helle Zukunft" bevor. Das sehen allerdings nicht alle so.

"Wir sind im Fokus, und meine Sorge ist, dass die Infektion auch unseren Verband erreicht", sagte etwa der Italiener Paolo Barelli auf einer spontanen Pressekonferenz im Kongresshotel Intercontinental: "Wenn Sie eine Infektion haben, müssen Sie ins Krankenhaus, und entweder Sie sterben dann oder Sie werden wieder gesund. Aber weil Sie das vorher nicht wissen, sollten Sie die Infektion vermeiden."