Schwimm-Europameisterschaft:Sie wären lieber in München

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Schwimm-Europameisterschaft: Medaillenhoffnung in Rom: Isabel Gose, die zusammen mit Florian Wellbrock in Magdeburg trainiert.

Medaillenhoffnung in Rom: Isabel Gose, die zusammen mit Florian Wellbrock in Magdeburg trainiert.

(Foto: Alberto Pizzoli/AFP)

Die Schwimm-Europameisterschaften in Italien passen den durch das Coronavirus gebeutelten DSV-Athleten nicht wirklich ins Konzept - ohnehin bedauern sie, nicht wie ursprünglich geplant Teil der European Championships zu sein. Doch vielleicht ändert sich das in Zukunft wieder.

Von Sebastian Winter, München

An diesem Donnerstag hat die Schwimm-Europameisterschaft in Rom ihre ersten Athletinnen und Athleten ins Wasser geschickt, und Isabel Gose untermauerte gleich mal ihre Medaillenambitionen über 800 Meter Freistil. Als Zweitschnellste zog die mit Florian Wellbrock in Magdeburg trainierende 20-Jährige, die bei der WM in Budapest unglücklich das Podest verpasst hatte, ins Finale am Freitag ein. Bundestrainer Bernd Berkhahn dürfte zufrieden sein mit diesem Beginn, vor der EM schwärmte er auch vom für die Olympischen Spiele 1960 erbauten Schwimmkomplex in Roms Foro Italico und von der Begeisterung für diesen Sport in Italien.

Das sind immerhin mal ein paar gute Nachrichten, von denen es nach der aus Sicht des Deutschen Schwimm-Verbandes erfolgreichen WM nicht viele gab. Etliche Schwimmer, wie Olympiasieger und Weltmeister Wellbrock oder der WM-Zweite Lukas Märtens, hatten sich in oder nach Budapest mit dem Coronavirus infiziert, an eine gute Vorbereitung für die EM war nicht zu denken. Auch deswegen hat Wellbrock bereits seinen Start über die 800 Meter Freistil abgesagt, ob er überhaupt in Rom antritt, ist fraglich. "Die Absprache ist, immer aus der Situation heraus zu entscheiden, welche Strecken er schwimmt und ob er abreist", sagte Berkhahn vor EM-Beginn. Andere, wie WM-Silbergewinnerin Anna Elendt, Rafael Miroslaw (beide Studium in den USA) und Joshua Salchow (Auslandssemester in Australien) fehlen ohnehin.

Eigentlich wollte Berkhahn mit einem großen Team nach Rom reisen, viel experimentieren, auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Dieser Plan ist passé. Ohnehin liegt die EM nicht einmal zwei Monate nach der weitaus wichtigeren WM ziemlich schief im Wettkampfkalender. Zumal Berkhahn hinsichtlich der Sportförderung durch den DOSB sagt: "Bei uns liegt genau wie bei der Leichtathletik der Fokus auf der WM, das ist die Meisterschaft, nach der der Verband in diesem Jahr bewertet wird, die EM spielt in diesem Zusammenhang keine große Rolle mehr."

"Wir hätten Schwimmen gerne hier", sagt European-Championships-Mitgründer Paul Bristow

Und dann ist da ja noch die Geschichte mit den European Championships: Schwimmen sollte eigentlich Teil der Multi-EM sein, die Olympia-Schwimmhalle in München, Schauplatz von Mark Spitz' Erfolgen 1972, schien der perfekte Ort dafür. Doch dann beharrte der europäische Schwimmverband dem Vernehmen nach auf zehn Bahnen, die er für die Austragung eines internationalen Großevents bräuchte. Die kürzlich erst renovierte Schwimmhalle im Olympiapark bietet aber nur acht Bahnen, aus Denkmalschutz-und Kostengründen konnte sie nicht erweitert werden. "Wir finden es sehr, sehr schade, dass Schwimmen in München nicht dabei ist. Aber wir freuen uns, dass das öffentliche Fernsehen diesmal überträgt", sagte Berkhahn. Denn in die mediale Berichterstattung über die European Championships ist Schwimmen sehr wohl eingebettet.

Und vielleicht wird der olympische Kernsport ja bald wieder Teil der Multisport-EM, wie 2018 bei der Premiere in Glasgow und Berlin. Jedenfalls sagte Paul Bristow, einer der Gründer der European Championships, der Deutschen Presse-Agentur: "Wir hätten Schwimmen gerne hier und vielleicht kommt Schwimmen in der Zukunft zurück." Für München ist es dann aber längst zu spät.

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