Schütze Ralf Schumann im Interview:"Es ist doch verrückt, wenn Wassersportler in Rio nicht ins Wasser dürfen"

Germany's Ralf Schumann competes in the men's shooting 25m rapid fire pistol qualification round at the London 2012 Olympic Games at the Royal Artillery Barracks

Nahm an sieben Olympischen Spielen teil: Der Sportschütze Ralf Schumann

(Foto: REUTERS)

Der deutsche Schütze Ralf Schumann nahm sieben Mal an Olympia teil. Im SZ-Interview erklärt er, warum sich die Spiele zum Schlechten gewandelt haben.

Interview von Matthias Schmid

Mit sieben Starts bei Olympischen Spielen ist Ralf Schumann deutscher Rekordteilnehmer. Zwischen 1988 und 2012 gewann der Meißener mit der Schnellfeuerpistole dreimal Gold und zweimal Silber. Heute arbeitet Schumann als freiberuflicher Schießtrainer unter anderem in Indien, China und Brasilien, drei seiner Athleten nehmen bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro teil. Im SZ-Interview spricht der 54-Jährige darüber, warum ihn Olympia nicht mehr fasziniert.

SZ: Herr Schumann, werden Sie sich die Spiele in Rio im Fernsehen anschauen?

Ralf Schumann: Nur, wenn ich dazu komme. Ich werde beruflich viel unterwegs sein und wenig Zeit finden. Und wenn man nicht mehr selbst dabei ist, nimmt das Interesse ab. Die Schützenwettbewerbe werde ich mir aber ansehen, um zu gucken, wie meine Athleten ihre Aufgaben lösen.

Das hört sich sehr reserviert an, dabei sind Sie doch deutscher Rekordteilnehmer. Hat Ihre getrübte Freude auch mit den Korruptions- und Dopingvorwürfen im weltweiten Sport zu tun?

Es muss jeder für sich selber entscheiden, ob er Olympia noch unbeschwert anschauen möchte. Ich kann das nicht mehr, weil ich ein Gehirn zum Denken habe. Bei Olympia geht es nur noch ums Geld und den Kommerz. Und das Schlimme ist: Auch bei den Sportlern zählt nur noch der Leistungsgedanke. Schon der zweite Platz ist nichts mehr wert.

Das Wichtigste zu Olympia 2016 in Rio

War das bei Ihren ersten Spielen vor 28 Jahren im koreanischen Seoul anders?

Damals hatte es noch ein echtes Miteinander im Olympischen Dorf gegeben, es herrschte eine richtige familiäre Atmosphäre und es gab einen schönen Austausch mit den anderen Sportlern. Heute ist das viel weniger geworden. Mittlerweile ist die Konkurrenz schon im eigenen Team sehr groß. Und das Athletendorf hat viel von seinem früheren Charme verloren, seitdem nicht mehr alle Sportler dort wohnen wollen.

Warum eigentlich?

Vielen ist es zu laut geworden, sie fühlen sich in ihrer Vorbereitung auf die Wettkämpfe gestört. Und die weltbekannten Athleten kommen nicht mehr, um sich dem Ansturm der übrigen Sportler zu erwehren, die sie wie Fans anhimmeln und an ihnen zerren.

Spielt auch die Angst vor Anschlägen eine Rolle?

Das kommt erschwerend hinzu, nachdem sich 1996 bei den Spielen in Atlanta im Olympischen Park eine Explosion mit einem Toten und zahlreichen Verletzten ereignet hatte. Anschließend wurde jedes einzelne Zimmer im Olympischen Dorf kontrolliert, um sicher zu gehen, dass mit uns nichts passiert ist. Das war schrecklich. Heute haben die Organisatoren alle Hände voll zu tun, damit so etwas nicht mehr passiert. Entspannt für die Athleten ist das schon lange nicht mehr, wenn man wie in London die Scharfschützen der Polizei auf den Dächern der umliegenden Hochhäusern liegen sieht.

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