Zum Tod von Karl-Heinz Schnellinger:Ein stiller Fußballkönig

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Durch ihn wuchs das Spiel zur Legende: Schnellinger (l.) wird nach dem 3:4 gegen Italien bei der WM 1970 von Tarcisio Burgnich getröstet. (Foto: dpa/dpa)

In Mailand war Karl-Heinz Schnellinger ein Weltklasse-Verteidiger, in Deutschland machte ihn sein einziges Länderspieltor berühmt. Nachruf auf einen unterschätzten Fußballer, der sich dem Geschwätz der Branche entzog.

Von Holger Gertz

Verschiedenen deutschen Fußballkönigen ist im Lauf ihrer Regentschaft ein Wort sozusagen zugefallen, das sie von einem bestimmten Moment an wie einen nicht im Pass eingetragenen Vornamen trugen. Uns Uwe, Bomber Müller, Kaiser Franz: lauter untrennbare Begriffspaare. Karl-Heinz Schnellinger war seit dem 17. Juni 1970 untrennbar mit dem Wörtchen ausgerechnet verbunden. WM-Halbfinale Deutschland gegen Italien im Aztekenstadion von Mexico-City, 1:0 für die Italiener, nur noch Sekunden zu spielen. Da zieht Jürgen Grabowski von links eine allerletzte Flanke vors Tor, der Ball segelt an den herrlich azurblauen Italienern und an der herrlich bunten Bandenwerbung vorbei, Daily Mirror, Sinalco, Martini. Und landet bei Schnellinger, der ihn mit einem unvergleichlichen Spreizschritt ins Tor der Italiener befördert, 1:1.

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