Schießen Mit einer 9,0 zu Gold

Es ist vollbracht: Nach einem Wettkampf mit kurzen Tiefen und vielen Höhen sicherte sich Barbara Engleder die Goldmedaille.

(Foto: Edgard Garrido/Reuters)

Nach der um nicht mal einen Millimeter verpassten Medaille mit dem Luftgewehr gewinnt die Sportschützin Barbara Engleder den Dreistellungskampf.

Nach dem entscheidenden Treffer warf sich Barbara Engleder auf die Knie, streckte beide Arme in die Höhe und brüllte ihre Freude heraus. "Ja, ja! Ich hab's euch allen gezeigt!" Soeben hatte die Sportschützin aus Furth im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn Gold im Dreistellungskampf gewonnen, ihrer Paradedisziplin. Der Jubel musste also sein, wie sie im ZDF erklärte: "Ich freue mich eigentlich immer a bissl extrovertierter. Da geht so viel Druck in dem Moment flöten, das muss dann alles raus." Für Engleder drehte sich in diesem Moment ja ihr bisheriger Blick auf die Sommerspiele in Rio de Janeiro. Am ersten Wettkampftag war sie noch die große Enttäuschte im deutschen Olympia-Aufgebot gewesen: Statt mit dem Luftgewehr wie erhofft die erste Medaille zu gewinnen, hatte sie knapp am Ziel vorbeigeschossen, um nicht einmal einen ganzen Millimeter, aber genug, um Platz drei zu verpassen.

Und nun gewann die 33-Jährige am Donnerstag tatsächlich noch Edelmetall, sogar die goldene Medaille, die sie sogleich umgehängt bekam: "Das Dingens is' elends schwer", sagte sie zur tatsächlich schwersten Medaille aller bisherigen Sommerspiele. Auf der Schießanlage in Deodoro setzte sie sich mit dem olympischen Rekord von 458,6 Ringen vor den beiden Chinesinnen Zhang Binbin und Du Li durch. Und das obwohl sie fast den gesamten Wettbewerb aus ungeliebter Führungsposition bestreiten musste. "I bin eigentlich lieber der Underdog, der von hinten daherkommt und sagt: 'Jawoll, jetzt bin ich da, jetzt schaut's, dass ihr weiter kommt.'" Engleders Olympiasieg war der erste für die deutschen Schützen seit 2004, als Ralf Schumann in Athen mit der Schnellfeuerpistole am besten traf. Seitdem darbten die hiesigen Sportschützen; vor vier Jahren in London waren sie komplett leer ausgegangen bei der Medaillenvergabe - erstmals seit 1964. Für den Deutschen Schützenbund (DSB) gewann Engleder die zweite Medaille in Rio; für sie selbst war es bei ihrer vierten Teilnahme die erste. Und sie kommt gerade rechtzeitig: Ende des Jahres will die Mutter eines zweijährigen Sohnes ihre internationale Karriere beenden.

Zwei Tage nach ihrem zweiten Platz war auch die Pistolenschützin Monika Karsch in der Halle. "Es ist der Wahnsinn. Sie hat es sich so verdient", sagte sie über ihre Mannschaftskollegin, die wie sie aus Ostbayern stammt. Karsch kommt aus Regensburg. Engleder startete am Donnerstag stark, nach dem Kniendanschlag lag sie als Dritte bereits auf Medaillenkurs. Im Liegendschießen gelang ihr nahezu alles. Mit zahlreichen Treffern im hohen Zehnerbereich setzte sie die Konkurrenz unter Druck und sich an die Spitze des Tableaus. Doch dann schwächelte sie plötzlich im Stehendanschlag, fiel zunächst sogar aus den Medaillenrängen, "das war heute überhaupt nicht nach Plan und genau deswegen hat es funktioniert", kommentierte sie den kurzen Aussetzer. Sie holte aber wieder auf und ging als Dritte in die entscheidende Phase. Den letzten Schuss zitterte sie mit einer 9,0 ins Ziel - das reichte. "Ich bin überglücklich", sagte die aufgeweckte Niederbayerin. Sie riss die Augen auf und es passierte etwas Unerwartetes: "Jetzt bin ich sprachlos, man glaubt's ja ned", offenbarte die sonst so redegewandte Engleder und schwieg.