Schießen Maschinenbau: eins

Bisstest: Ja, das ist Gold. Aber feiern will er erst später: "Wenn das komplette Schützenteam durch ist", versprach Junghänel, "werde ich kräftig einen ausgeben."

(Foto: Sam Greenwood/Getty)

Henri Junghänel gewinnt nach einer starken Leistung Kleinkaliber-Gold. Doch der Schütze hat schon wieder neue Ziele.

Da stand Henri Junghänel, 28, das Gold baumelte um seinen Hals, doch es dauerte nicht lange, und der Gewehrschütze betrachtete seinen Erfolg in einem größeren Kontext. "Ich muss überlegen, ob das nicht vielleicht sogar der Schlusspunkt ist", sagte der Olympia-Debütant nach der Siegerehrung am Freitag in Rio. "Ich mache jetzt ein Jahr Pause und gehe auf Jobsuche. Mit Sport kann man kein Geld verdienen. Da ist das Ingenieurwesen lukrativer." Stolz präsentierte der Hesse aus Breuberg im Odenwald aber erst einmal die Medaille, Papa Reinhart und Mama Regina, die ihn sonst selten begleiten, weil sie die Spannung kaum aushalten, hatten feuchte Augen. "Er ist so zielstrebig, die Ziele, die er sich setzt, schafft er auch", sagte die Mutter. "Er hat Maschinenbau mit Eins abgeschlossen, was er anpackt, wird zu Gold", meinte der Vater.

Den größten Moment seines Sporterlebens genossen sie gemeinsam, die Junghänels strahlten, so einen Tag erlebt man schließlich eher selten. Souverän wurde der Sohn mit dem Kleinkalibergewehr Olympiasieger im Liegendwettbewerb. Mit dem olympischen Rekord von 209,5 Punkten holte er sich auf der Schießanlage in Deodoro den ersehnten Sieg vor dem Südkoreaner Kim Jonghuyn und dem Russen Kirril Grigorian.

Schon früh hatte sich Junghänel im Finale mit dem Gedanken an eine Medaille anfreunden können. Mit einem guten Zehnerschnitt begann er und lag auf Rang drei. Nach der dritten Dreier-Serie übernahm er sogar die Spitze. Mit traumwandlerischer Sicherheit baute er den Vorsprung aus. Die Konkurrenz zeigte Nerven, Nicolo Campriani aus Italien, der Olympiasieger von 2012, scheiterte früh. Junghänel traf weiter. Vor den letzten beiden Schüssen führte er 1,1 Punkte vor Kim - und ließ sich Gold nicht nehmen.

Vielleicht hätte er nie diesen Ruhm erlangt, wenn er früher nicht ins Ausland gegangen wäre. Eine Leistungsexplosion erlebte das Vereinsmitglied des SV Rai-Breitenbach erst, als er in die USA gezogen war. Junghänel studierte im Bundesstaat Kentucky Maschinenbau, sein Leben dort finanzierte er durch ein Stipendium als Schütze. "Der Schießstand lag auf dem Collegegelände, man konnte jederzeit trainieren", schwärmte er in Rio. Nach dem Bachelorabschluss kehrte er zurück, um in Darmstadt und Berlin den Master zu machen. Dank Junghänel hat der Deutsche Schützenbund nun nach der Goldmedaille von Barbara Engleder sowie den silbernen Plaketten von Monika Karsch und Bogenschützin Lisa Unruh sein Ziel von vier Medaillen bereits erreicht - das jetzt schon beste Abschneiden seit 1996 in Atlanta.

"Ich bin extrem glücklich, auch wenn ich nicht so ein extrovertierter Typ bin, der das so nach außen bringt", sagte Junghänel, der bei der Siegerehrung bewegt die Nationalhymne mitgemurmelt und für die Fotografen ins Edelmetall gebissen hatte. Natürlich wollte er feiern, aber die Party verschob er auf den Sonntagabend, wenn die Schützen-Wettbewerbe vorbei sind. "Wenn das komplette Schützenteam durch ist", versprach er, "werde ich kräftig einen ausgeben."