Schießen Junghänel gewinnt Gold und sucht nun einen Job

Neuer Olympiasieger: Henri Junghänel

(Foto: dpa)

Der Kleinkaliberschütze siegt vor dem Koreaner Jonghyun Kim - und klagt über das Leid eines unbekannten Schützen: "Mit meinem Sport kann man kein Geld verdienen."

Den Jubel seiner Teamkollegen nahm der nächste deutsche Goldschütze durch die Ohrstöpsel kaum wahr. Nur langsam begriff Henri Junghänel, was er im Olympic Shooting Center von Rio de Janeiro geleistet hatte: Der 28 Jahre alte Olympia-Debütant triumphierte am Freitag im KK-Liegendschießen und sorgte für die dritte Schützenmedaille binnen 24 Stunden.

Doch im größten Moment seiner Karriere beschäftigte er sich nicht mit Feiern, sondern mit dem Abschied von seinem Sport. "Ich mache jetzt ein Jahr Pause und gehe auf Jobsuche", gestand Junghänel und fügte hinzu: "Mit meinem Sport kann man kein Geld verdienen. Da ist das Ingenieurwesen durchaus lukrativer. Ich muss überlegen, ob das nicht vielleicht sogar der Schlusspunkt ist."

Das Wichtigste zu Olympia 2016 in Rio

"Einwandfrei! Er hat das super gelöst, super gemacht, besser geht es überhaupt nicht", sagte Gold-Schützin Barbara Engleder begeistert. Junghänels Freundin Julia feierte auf der Tribüne mit dessen Eltern und sagte mit Tränen in den Augen: "Er ist der Olympiasieger. Ich bin mega stolz, das ist richtig geil!"

Bislang war Junghänel, dem ein olympischer Rekord gelang und den Südkoreaner Kim Jonghyun und Kirill Grigorjan aus Russland deutlich distanzierte, als Glücksbringer der Medaillenschützinnen Engleder und Monika Karsch aufgetreten. Am Freitag wurden die Rollen getauscht. Olympiasiegerin Engleder und die mit Silber dekorierte Karsch drückten in der Finalarena kräftig die Daumen, als sich Junghänel an Schießstand A für den Medaillenkampf in Stellung brachte.

Junghänel begann mit guten Schüssen auf die 50 Meter entfernten Ziele im mittleren Zehnerbereich. Aussetzer leistete er sich zunächst keine, im Gegenteil: mit zwei Ausreißern nach oben (10,8) setzte er sich nach sechs Schüssen und vor Beginn des folgenden Ausscheidungswettkampfes an die Spitze.

Dort lief für Junghänel weiter alles nach Plan. 10,8, 10,7, 10,7 - mit einer Serie herausragender Versuche baute er seinen Vorsprung aus und lag klar auf Goldkurs. Vor den letzten beiden Schüssen lag Junghänel 1,1 Punkte vor Kim - und ließ sich Gold nicht mehr nehmen.

Junghänel erreicht Finale erst nach seiner Zitterpartie

Sein erstes olympisches Finale hatte Junghänel erst nach einer Zitterpartie in der Qualifikation erreicht. Mit dem letzten Schuss hatte er lediglich 9,4 Ringe erzielt und drohte noch aus dem Finalranking zu fallen. Nach einigen Minuten des Bangens war die Teilnahme am Kampf um eine Medaille aber perfekt - Junghänel pustete erleichtert durch. Sein nominell schärfster Rivale Torben Grimmel aus Dänemark war als 23. ebenso deutlich gescheitert wie der zweite deutsche Vertreter Daniel Brodmeier (Niederlauterbach) auf dem 37. Rang.

Die Athleten des Deutschen Schützenbundes (DSB) hatten zuvor drei Medaillen in Rio gewonnen. Nach Karsch mit der Sportpistole (Silber) sorgten am Donnerstag Gewehrschützin Engleder (KK-Dreistellung/Gold) und Bogenschützin Lisa Unruh (Silber) für weiteres Edelmetall. Vor vier Jahren in London war der DSB komplett leer ausgegangen.

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