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Schiedsrichter-Streik in Berlin:"Sie werden bedroht, geschlagen, diskriminiert"

Berlin Deutschland 04 06 2014 Fußball Berliner Pilsner Pokal Finale 2013 2014 Pokalfinale FC Vi; Schiedsrichter Berlin

Im Berliner Fußball-Verband müssen Schiedsrichter nicht nur schlichten - wie hier im Pokalfinale zwischen FC Viktoria 89 und SV Tasmania 2014. Sondern werden immer häufiger auch selbst Opfer von Gewalt.

(Foto: Sebastian Wells/imago)

Die Unparteiischen in Berlin gehen in den Ausstand, weil Gewalt, Morddrohungen und Beleidigungen gegen sie zunehmen. Schiedsrichter-Chef Jörg Wehling spricht über die Verrohung auf dem Fußballplatz und Forderungen.

Berlins Schiedsrichter streiken wegen Gewalt, Morddrohungen und Beleidigungen gegen sie auf den Amateurplätzen. Fast 1500 Spiele wurden deshalb am Wochenende in den Klassen unterhalb der Oberliga abgesagt. Berlins Schiedsrichter-Chef Jörg Wehling, 52, über den Protest der Unparteiischen.

SZ: Herr Wehling, was machen die Schiedsrichter an diesem Wochenende? Treffen sie sich mit Trillerpfeifen und Roten Karten zur Demo am Alexanderplatz?

Jörg Wehling: Wir haben darüber nachgedacht. Aber es ist, glaube ich, auch ganz gut, wenn sie durchatmen können und ein Wochenende für ihre Liebsten haben.

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Warum ist der Streik überhaupt nötig?

Jeder siebte Schiedsrichter in Berlin ist im vergangenen Jahr Opfer von Gewalt geworden. Sie werden bedroht, geschlagen, diskriminiert. Und es wird mehr, wir haben 20 Prozent mehr Vorfälle. Wir wollten ein Stopp-Zeichen setzen, wir brauchen einen Neustart.

Was erleben die Schiedsrichter denn auf dem Feld?

Wir hatten letztes Jahr zum Beispiel eine Morddrohung in der Landesliga, das ist fast ein klassisches Beispiel. In den Kreisligen gibt es immer wieder die Situation, dass die Schiedsrichter geschlagen, getreten oder bedroht werden. Aber es steht nicht immer der Schiedsrichter im Mittelpunkt, sondern auch die Mannschaften gehen aufeinander los. Da musste zuletzt bei Spielen in der Kreisliga B die Polizei mit Mannschaftsstärke dazwischengehen. Das ist auf unseren Plätzen los.

Was fordern die Schiedsrichter?

Wir brauchen einen besseren Schutz. Wir möchten, dass bei jedem Spiel zwei Ordner gestellt werden vom Verein, an die sich der Schiedsrichter wenden kann. Und wir brauchen hauptamtliche Kräfte im Sportgericht, damit die Urteile, die Auflagen und Bewährungsstrafen ein Maß erreichen, bei dem man sagt: Ja, das ist eine professionelle Aufarbeitung. Und wir fordern, dass es zur Pflicht wird, dass die Spieler eine Schulung in Regelkunde bekommen. Das ist ja eines unserer größten Probleme.

Die Regelkunde?

Auf der einen Seite stehen Schiedsrichter mit sehr detaillierten Kenntnissen, und treffen auf Leute, die überhaupt keine Ahnung von den Regeln haben. Und das ist immer wieder Ausgangspunkt vieler Konflikte.

Warum ist das vor allem in Berlin so ein Thema?

Das ist kein Berliner Problem, auch die Saarländer haben vor fünf Wochen gestreikt. Das ist der zweite Landesverband, in denen Schiedsrichter zu so einer heftigen Maßnahme greifen und das binnen kurzer Zeit. Das Problem haben alle, das zieht sich durch.

Kann man sagen: Je schlechter der Fußball, desto größer das Problem mit gewaltsamen Konflikten?

Die Vereine haben ja auch große Probleme, Trainer zu finden, die konsequent anleiten und gegen Konflikte vorgehen - gerade im Nachwuchsbereich. Und das schlägt sich durch in den Klassen, wo es Zufall ist, wer gerade spielt und wer betreut. Und auf der anderen Seite pfeifen da sicher auch Schiedsrichter, die nicht immer erkennen, dass sich gerade ein Konflikt anbahnt. Und die auch nur wenige Lösungsansätze dafür haben. Das ist immer ein Zusammenspiel, das hat sicher auch mit uns Schiedsrichtern zu tun.

Sie waren selbst von 1982 bis 2010 als Schiedsrichter aktiv. Wie hat sich der Umgang verändert? Ist das Gewaltproblem, die Verrohung ein Problem der Gegenwart?

Ich habe mich nie unsicher gefühlt auf dem Platz. Aber das hat sich geändert. Von unseren Schiedsrichtern höre ich jetzt immer wieder: "Nee, zu dieser Partie gehe ich nicht. Ich habe Angst." Und das gab es früher nicht. Der Respekt ist nicht mehr da.

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