bedeckt München 15°
vgwortpixel

Schiedsrichter-Affäre:"Wenn du es nicht machst, mache ich es"

Der neue Schiedsrichter-Chef beim DFB, Herbert Fandel, ist nicht so unbeteiligt wie gedacht. Zudem hat der Verband einen neuen Missbrauchsfall diskret gelöst.

Am Freitag tagt das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes, heikle Themen stehen auf der Agenda. Bis 2. August hat das Gremium Zeit, Schadenersatz-Ansprüche des Ex-Funktionärs Manfred Amerell in der Schiedsrichter-Affäre anzuerkennen; auch will Theo Zwanziger mitteilen, ob er beim Bundestag im Herbst erneut antritt. Gerechnet wird damit, dass der in die Kritik geratene Verbandsboss weitermacht - und dass der DFB gegenüber Amerell nicht nachgeben wird. Die Sache wird dann auf einen Prozess hinauslaufen, hat Amerells Anwalt Jürgen Langer schon angekündigt - um zu klären, wer Recht hat: Der DFB, der Amerell sexuelle Nötigung von vier Referees vorwirft, ohne ihn zu deren Vorwürfen angehört zu haben. Oder Amerell, der dies bestreitet und versucht, ein Komplott von DFB-Spitze und Ex-Funktionärskollegen im Schiedsrichterwesen gegen sich zu enthüllen.

Borussia Dortmund - 1899 Hoffenheim 0:0

Herbert Fandel, neuer Chef der DFB-Schiedsrichter.

(Foto: dpa)

Referee Michael Kempter hatte Amerell im Dezember bei Schiedsrichter-Chef Volker Roth angezeigt, Roth reichte den Vorgang am 15. Januar an Zwanziger weiter. Zwanziger verriet nie Zweifel an Kempters Aussagen, er machte sogar sein Amt von der Wahrhaftigkeit der Referees abhängig. Im April fing er sich ein Landgerichtsurteil ein, das ihm untersagte, Kempters angeblichen Bekennermut mit Problemen in der Kirche zu vergleichen; die Berufung läuft. Kempter wurde mittlerweile wegen seiner "unausgereiften Persönlichkeit", so der neue Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel, in Liga drei zurückgestuft, der 27-Jährige selbst entschuldigte sich öffentlich für von ihm verursachte "Irritationen". Zuvor war es weder ihm noch seinen drei Kollegen, die es bis in die zweite Liga geschafft haben, gelungen, den angeblichen Schänder bei der Augsburger Strafverfolgungsbehörde in Bedrängnis zu bringen. Der Staatsanwalt stellte alle Ermittlungen ein.

Nun hat Amerell Kempter verklagt, und er glaubt, sein Bild von der Verschwörung gegen ihn nehme immer klarere Kontur an. Ständig sind da neue Fragen - auch um Fandels Rolle. Der wurde bei dem von Zwanziger durchgepeitschten Sonder-Bundestag zur Schiedsrichter-Reform im April als neuer, von der Affäre völlig unbelasteter Chef der Unparteiischen präsentiert. Nun aber räumt Fandel auf SZ-Anfrage ein, dass er Vorgänger Roth schon Mitte Januar zur Weitergabe des bis dahin angeblich unbekannten Falls Kempters/Amerell an die DFB-Spitze gedrängt habe. "Nachdem ich inzwischen erfahren hatte, dass Kempter bei Roth gewesen war, habe ich Volker Roth gesagt, dass das gemeldet werden muss, und wenn er es nicht melden würde, dann würde ich es machen", teilt er mit. Roth bestätigt dies, ihm sei deshalb klar geworden, dass "viele Leute von der Sache wussten", weshalb er sie weitergeben müsse. Bis dahin hatte Roth die Causa (die eher einer aus dem Ruder gelaufene Privatbeziehung gleicht) behutsam zu eruieren versucht.

Fandel hatte Roth gar schon bei einer Tagung am 8./9. Januar angesprochen. Da habe er Roth aber nur gefragt, "ob es etwas Besonderes rund um Amerell gäbe. Dies war ein Versuch von mir zu erfahren, ob an den Gerüchten etwas dran sei", so Fandel. Von wem diese kamen? "Ich will hier keine Namen nennen."

Zur SZ-Startseite